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Kultur Eine virtuelle Galerie aus Hannover
Nachrichten Kultur Eine virtuelle Galerie aus Hannover
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00:21 30.03.2018
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Hannover

 Ein lichtdurchfluteter Raum, an den Wänden Bilder, Fotografien. Man schaut sich um, genießt die Atmosphäre – und zoomt heran, wenn einem ein Bild gefällt, man es womöglich sogar kaufen möchte. Heranzoomen? Ja, tatsächlich, denn der Kunstbummel findet in der digitalen Welt statt, in der „virtuellen Galerie“, einer Erfindung aus Hannover.

Der Grafikdesigner und Fotograf Ralf Mohr und sein technischer Partner Andreas Rohde haben sie erfunden und realisiert. „Jeder kennt die digitale Bilderflut; die Bilder fließen im Internet einfach nur an einem vorüber“, sagt Mohr: „Wir wollten dem etwas entgegensetzen.“ Wertig sollte die Präsentation sein, etwas Anderes als die übliche Ansammlung von Bilddateien, durch die sich der Nutzer klicken muss.

Mohr brachte seine künstlerischen Erfahrungen ein, insbesondere die als Spezialist für 360-Grad-Fotografien, Rohde die seinen als „Systemadministrator und Pixelschubser“, wie er es selber nennt. Als erstes fotografierte Mohr vor eineinhalb Jahren mit seiner speziellen Kamera die Blaue und die Weiße Halle der Eisfabrik, auf deren Gelände er ohnehin lebt und arbeitet. Die finden sich nun auf der Website der „virtuellen Galerie“, mit bislang neun Ausstellungen.

Fotokunst ist der Schwerpunkt. Mohr selbst ist mit Akt- und Blumenbildern vertreten, Ingolf Heinemann von der Deutschen Gesellschaft für Photographie mit zwei serien, Hannovers ehemaliger Fotografie-Professor Rolf Nobel mit seiner dokumentarischen „Local Heroes“-Schau und schließlich der Deutschamerikaner Antonius mit seinen sehr farbigen Arbeiten.

Alle Bilder können als Drucke gekauft werden – über die Möglichkeiten und Konditionen informiert ein Extrafenster. Dort sind auch zusätzliche Informationen hinterlegt zu Künstler und Werk. Die Erfahrbarkeit der realen Welt und die Vielschichtigkeit des Digitalen ergänzen einander.

„Es ist eine Möglichkeit, hochklassige Arbeiten angemessen zu präsentieren“, sagt Mohr; das habe die Kollegen überzeugt, sich an dem Projekt zu beteiligen. Neue Ausstellungen finden auf der Startseite der „virtuellen Galerie“ statt. Mohr und Rohde sprechen von „Vernissagen“, die sie genauso kuratieren, wie ihre Kollegen in der echten Welt: „Uns ist Qualität sehr wichtig“, so Rohde.

„Die virtuelle Galerie“ ist schon ein eigenständiges Präsentations- und Geschäftsmodell und doch nur der Startpunkt für eine Menge von Möglichkeiten. Als nächstes möchten die beiden virtuelle Ausstellungsräume realisieren, die es analog nicht gibt: Zechen oder Waldlichtungen zum Beispiel. „Wir könnten so auch Architektur in Raum und Zeit erfahrbar machen“, erklärt Mohr: Durch überlagerte 360-Grad-Bilder könnten so zum Beispiel Räume vor und nach einem Umbau gezeigt werden.

Sie möchten ihre Technologie realen Galerien, Museen und anderen Orten der Kunst andienen: Indem sie diese Orte digitalisieren und mit Bildern längst gelaufener Ausstellungen im Internet konservieren, hätten Besucher der entsprechenden Website die Möglichkeit. Ausstellungen zu besuchen, die längst nicht mehr laufen. „Nichts verschwindet mehr“, so Mohr.

„Made in Germany“ verpasst? Mit dieser Technik könnte man sich die hannoversche Großschau noch in Jahren anschauen, jederzeit und überall: Die Welt der Kunst wäre nur einen Mausklick entfernt.

Hier geht's zur virtuellen Galerie.

Von Stefan Gohlisch