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Kultur Ein Feuer-Werk zum Abschied
Nachrichten Kultur Ein Feuer-Werk zum Abschied
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16:06 28.03.2019
Goldig: Intendant Lars-Ole Walburg (rechts) und Schauspieler Silvester von Hösslin singen und spielen Neil Youngs „Hey, Hey, My, My“. Quelle: Frederieke Tambaur
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Hannover

Der Intendant sitzt vor Cumberland und traktiert die Ukulele. Mit Schauspieler Silvester von Hösslin singt und spielt Lars-Ole Walburg Neil Youngs „Hey, Hey, My, My“, jenes Lied, dessen eine Textzeile Motto seiner letzten Spielzeit ist: „It’s better to burn out than to fade away“ – es ist besser zu verbrennen, als zu verblassen. Schluss ist im Juni, mit einem Festival, das jetzt – nunja – vorgestellt wurde.

Geladen war zu einer Pressekonferenz. Stattdessen gibt es eine Performance. Vom hohen Cumberland-Balkon trötet Schauspieler Henning Hartmann den imperialen Marsch aus „Star Wars“; seine Kollegen Dennis Pörtner und Katja Gaudard werfen mit Textzetteln all jener Stücke, die nun bald abgespielt sind. Philppe Goos fantasiert derweil auf Bodenebene, was man nun alles abfackeln, was mit Gold einschlagen werde.

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Für die Journalisten gibt es noch kurz Zettel mit echten Informationen; dann geht es drinnen weiter, die Treppen hoch, an den golden gekleideten Ensemble-Mitgliedern vorbei, die in seltsamen Spielszenen gefangen zu sein scheinen. Es ist noch einmal ein echter Walburg, schräg und widerspenstig auf der einen Seite, klug und hintersinnig auf der anderen.

Aus der vermeintlichen Kakophonie schälen sich Anspielungen darauf heraus, was in jenen letzten Tagen der Intendanz in und um Cumberland passieren wird: Janko Kahle und Günther Harder tanzen esoterisch – Vorgriff auf ihr „Projekt: Sexmission“ (8. Juni). Rainer Frank liest aus Lorenz Justs „Der böse Mensch“ – daraus macht Carolin Haupt am 10. Juni einen Abend. Und Susana Fernandes Genebra gibt schon mal einen Vorgeschmack auf ihren Abend mit portugiesischen Abschiedsgedichten (13. Juni)

Dieses Ensemble lodert noch: Oben angekommen tragen sie dialogisch und als Kollektiv, beleuchtet nur von Feuerzeugen, einen Text vor: „Wir sind das Ensemble, das auseinanderfliegt, lieber ab- als ausbrennt, lieber lodert als verglimmt“, heißt es darin. Am Ende geht das Licht aus. Und das Gesagte hallt in lauter Stille nach.

Die Dernieren

Mit „Im Westen nichts Neues“ geht es am 27. Mai los; dann werden im Schauspielhaus zum jeweils letzten Mal gespielt: „Es war einmal ... das Leben“ (28. Mai), „Tschick“ (29.), „Das Sams“ (30.), „Der Auftrag“ (31.), „Die Edda“ (1. Juni), „Medea“ (2.), „Extrem laut und unglaublich nah“ (3.), „Hool“ (4.), „Mephisto“ (5.), „Macbeth“ (6.), „Trutz“ (7.), „Die verlorene Oper“ (8.), Rainald Grebes „Elfenbeinkonzert“ (9.), „Der schwarze Obelisk“ (11.), „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (12.), „Iggy – Lust for Life“ (13.), „Räuber – Ratten – Schlacht“ (14.) und zum Schluss „Rotkäppchen und der Wolf: Ein Drama“ (15.).

Das Abschluss-Festival

Vom 7. bis 15. Juni wird in und um Cumberland Abschied gefeiert. Die Bar ist jeweils ab 18 Uhr geöffnet; das gesamte Ensemble beteiligt sich mit einmalig aufgeführten Programmpunkten. Da geht es mit Jonas Steglich am Eröffnungstag in „Sprit!“ um Kunst und Alkohol, vermengt Daniel Nerlich am 8. Juni Proust und Doom Electronics, lesen die Mitarbeiter der Pressestelle ein Worst-of Zuschauer-Zuschriften (14. Juni). Am 15., nach der letzten Vorstellung von „Rotkäppchen ...“ steigt die Abschiedsfete. Karten (20, ermäßigt zwölf Euro) gibt es ab heute, 10 Uhr.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch