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Kultur Die Super-„Salome“ von Hannover
Nachrichten Kultur Die Super-„Salome“ von Hannover
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15:41 19.11.2017
Was für eine Stimme: Annemarie Kremer ist Hannovers neue Salome. Quelle: Jauk
Hannover

Bei dieser Stimme kann man schon schwach werden. Wenn diese liebeshungrige Prinzessin von Judäa singt, ist nicht nur der König eingewickelt, sondern gleich das Publikum mit – danach kann man ihr den Kopf des Jochanaan einfach nicht versagen.

Annemarie Kremer ist das Ereignis der neuen „Salome“ in der Staatsoper. Sie gehört zu den sinnlichen Vertretern dieser Partie – ohne Birgit-Nilsson-Stahl. Die Kraft ist trotzdem unbegrenzt. Großartig, wie sich Annemarie Kremer über das riesige Richard-Strauss-Orchester erhebt: Der Ausdrucksradius reicht von verführerischen Abschattierungen über lockeres Parlando bis zu hysterischen Ausbrüchen.

Der Abend zeigt, wie gut Hannovers Ensemble und Orchester sind: Mit einem herausragenden Gast bekommt man einen Abend der internationalen Spitzenklasse hin.

Was auch am Orchester liegt, das unter Leitung von Ivan Repušić die üppige Partitur unter Hochspannung hält, den Schleiertanz als ein Wunder der Instrumentierung serviert und den klingenden Edelstein-Katalog von Herodes so richtig glitzern und glühen lässt – hier geht es nicht um Transparenz, sondern um Glanz.

Und den liefert auch das Ensemble mit Brian Davis als stimmmächtigem Propheten mit profunder Tiefe. Dem Robert Künzli als Herodes eine sichere Höhe entgegensetzt und dieser Königsrolle alle Weinerlichkeit austreibt. Kathuna Mikaberidze als Herodias ist ausreichend eiskalt. Ein Sängerfest: Allein wegen der Musik lohnt diese „Salome“.

So wird auch die Inszenierung zum Glücksfall. Ingo Kerkhof macht aus dem Weltdrama eine Vorstandsetagen-Party, die irgendwie aus dem Runder läuft und blutig endet. Erst denkt man, ist ja doch ein bisschen bescheiden, kein Orient-Flitter, kein Regieeinfall, die Sänger tragen nahezu alltägliche Klamotten. Aber es geht tatsächlich auf. Weil es in diesem reduzierten Rahmen stimmig ist und die Konzentration auf die Musik und die Stimmen (!) nirgends mindert.

Und so wird der berühmte Schleiertanz zur Polonäse-Grapsch-Angelegenheit, die Anzugträger haben alberne Hütchen auf dem Kopf wie beim „Kehr aus“ von Gerhard Polt. Das Bühnenbild wird dominiert von einer wertig mattgolden schimmernden bühnenhohen Wand, die hochfährt, als der Deckel des Brunnens geöffnet wird, um Jochanaan herauszulassen. Tolle Szene, wie der Prophet aus der völligen Dunkelheit des Bühnenhintergrunds langsam nach vorn schreitet, ein schwacher Spot nur auf sein Gesicht gesetzt.

Der Regisseur hat sich ein wenig bei bekannten Tricks bedient, postiert seine Sänger links und rechts im ersten Rang, verwandelt die Eröffnungsszene in ein Ping-Pong-Stereo. Und wenn der Wüstenheilige aus der Tiefe des Brunnens singt, wird seine Stimme elektronisch über die Bühnenlautsprecher eingespielt.

Ach ja, ihren Kopf bekommt Salome natürlich – und das ziemlich realistisch: Das Gummiding ist täuschend nachgebildet. Und was sie mit diesem Kopf alles anstellt ...

Eine Viertelstunde Applaus: Diese „Salome“ dürfte zum Kassenrenner werden – so in der Art wie die „Traviata“ mit einer ebenfalls überragenden Sängerin in der Titelpartie.

Von Henning Queren

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