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Kultur Die Show ihres Lebens: TfN Musical im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Die Show ihres Lebens: TfN Musical im Theater am Aegi
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06:16 16.03.2012
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Hannover

Es herzt und es schmerzt auf der Bühne, man spürt Rührung im Parkett, und nach knapp drei Stunden voll schwerer Süße ist der Beifall groß. Er klingt wie eine Solidaritätsdemo für Daisy und Violet Hilton, die siamesischen Zwillinge, die an den Hüften zusammengewachsen sind und dem Handicap zum Trotz eine Showkarriere wagen. So ähnlich hat sich das in den 30er Jahren in den USA tatsächlich ereignet. Hier ist die Geschichte glamourös überzuckert, 1997 für den Broadway aufgeputzt von Henry Krieger (Musik) und Bill Russell (Texte). Das Theater für Niedersachsen spielt die erste deutsche Fassung, für die TfN-Musicalcompany übersetzt von Christian Gundlach.

Wer einigermaßen kitschresistent ist, hat was davon. Der Amerikaner Craig Simmons, der Regie führte, versteht was vom Handwerk der perfekten Illusion. Die Story beginnt auf Rummel-plätzen, wo Daisy und Violet die Stars einer armseligen Abnormitätenschau sind. Aber sie werden erlöst und, weil sie singen können, für die große Showbühne entdeckt. Mit den talentierten Freaks kann man Kohle machen.

Navina Heyne (Daisy) und Regine Sturm (Violet), in Hüfthöhe immer auf Tuchfühlung, singen tatsächlich anrührend. Ihre Entdecker Terry (Frank Brunet) und Buddy (Jens Plewinski) sind stimmlich sattelfest, und ihr schwarzer Freund Jake (Jonas Hein) kassiert sogar ergriffene Ovationen zwischendurch. Aus dem Orchestergraben tönt, geleitet von Leif Klinkhardt, großes Gefühl und jazziger Schwung, Wechselbäder der Stimmungen.

Was passiert, als Violet sich verliebt und heiraten will? Wenn beide erkennen, dass auch die Liebe nur als Geschäft vermarktet wird? Das Musical weicht diesen Fragen nicht aus und handelt sie mit besinnlichen Songs ab. Aber eine Tragödie darf um Gottes Willen nicht daraus werden, nicht am Broadway und nicht am Aegi. An diesen existenziellen Knackpunkten bohrt man besser nicht weiter. Wer sich, wie Craig Simmons und die Company, auf bedingungslose Illusion und das Schwelgen im Showbusiness eingestellt hat, der bekommt davon, weil das Handwerk stimmt, sehr viel fürs Geld.

Bewertung: 4/5

Wieder am 13. März.