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Kultur Die „Rock Legenden“ erobern des Westen
Nachrichten Kultur Die „Rock Legenden“ erobern des Westen
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12:07 10.01.2018
Beim Treff mit der NP: (von links) Bernd Römer, Claudius Dreilich, Maschine Birr, Michael Schwandt und Christian Liebig im Backstage-Bereich der Swiss-Life-Hall.
Beim Treff mit der NP: (von links) Bernd Römer, Claudius Dreilich, Maschine Birr, Michael Schwandt und Christian Liebig im Backstage-Bereich der Swiss-Life-Hall. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Die „Rock Legenden“ sind wieder unterwegs: Unter diesem Signet haben sich die Ostrocker Karat, City und Ex-Puhdy Maschine Birr dieses Mal mit Matthias Reim zusammen getan. Vor ihrem morgigen Hannover-Auftritt trafen wir uns mit Maschine sowie Claudius Dreilich, Bernd Römer, Michael Schwandt und Christian Liebig von Karat zum Gespräch.

Ein wichtiger Teil des Konzepts „Rock Legenden“ ist, dass die Bands sich untereinander austauschen ...

Bernd Römer: ... und dafür muss man üben. Musik ist leider mit Fleiß verbunden (lacht).

Claudius Dreilich: Im Grunde ist es „Sing meinen Song“, nur eben auf der Bühne und nicht im Fernsehen. Im Übrigen ist die Idee zu „Rock Legenden“ ein Jahr, bevor „Sing meinen Song“ startete, entstanden. Wir sind ja auch Wiederholungstäter; es ist jetzt das dritte Mal. Und wir haben es noch verfeinert.

Was heißt das?

Claudius Dreilich: So etwas passiert schon auf der Tour.

Bernd Römer: Es entsteht zum Teil auch spontan. Dadurch, dass wir keine Umbaupausen haben, die ganze Ausrüstung auf der Bühne steht, kann jeder spontan raus. Es könnten immer drei Bands komplett gleichzeitig spielen.

Wie wird entschieden, wer welche Lieder spielt? Gibt es Tabus?

Dreilich: Ja, klar. Natürlich covern wir nicht von City „Am Fenster“. Das sollen die mal schön selber machen. Genauso werden wir auch unsere „Sieben Brücken“ spielen. Beim Rest spricht man sich ab. Und es ist eine große Dramaturgie: Wir fangen gemeinsam an, spielen auch am Schluss alle zusammen. Und dann gibt es Songs wie „Wunder gescheh’n“ von Nena – übrigens ein Zufall, dass der überhaupt im Programm ist ...

Nämlich?

Römer: Wir haben das Angebot von Nenas Management bekommen, dass wir in ihrer Jubiläumssendung auftreten. Und ich hatte vorgeschlagen, dass wir den Song spielen. Dann haben wir den Song noch mit Nena zusammen bei Carmen Nebel gesungen. Bei Nena in der Sendung sogar live, das gibt es ja heute kaum noch im Fernsehen.

Wie hat sich denn generell die Szene verändert? Ein paar Wandlungen haben Sie ja mitgemacht.

Maschine: Die deutschsprachige Pop- und Rockmusik hat sich etabliert. Ich glaube, der Impuls kam aus der DDR. Natürlich gab es auch im Westen Leute wie Udo Lindenberg oder Rio Reiser, die Deutsch gesungen haben. In der DDR war es aber die Regel. Und heute gibt es die ganzen Pop-Sänger wie Andreas Bourani – das ist eine komplett eigenständige Szene.

Römer: Man kann sagen: Deutsch ist geradezu in geworden.

Erleichtert das Ihre Arbeit?

Dreilich: Es ist spürbar, dass die Leute es mehr verlangen. Und vielleicht merken wir es sogar beim Ticketverkauf.

Gilt das im Westen wie im Osten? Oder gibt es Unterschiede?

Dreilich: Ich spüre da keine großen Unterschiede. Es gibt Regionen, die nicht so stark frequentiert sind, das hat aber nichts mit Ost oder West zu tun. Wir mit den „Rock Legenden“ sind sowieso verwöhnt: Die letzte Tour war fast vollständig ausverkauft.

Maschine: Wir hatten ja auch das Glück, dass wir auch vor der Wende schon im Westen gespielt haben.

Auf welche Songs von Ihnen kann man sich freuen?

Maschine: Ich werde spielen „Das Warten ist vorbei“, „Unterm Himmel von Berlin“ und eine bunte Mischung aus eigenen und Puhdys-Songs. Wir haben ja leider immer nur 35 Minuten.

Römer: Ja, ist schade. Eigentlich ist man erst nach 20 Minuten richtig warm.

Maschine: Man könnte die Songs natürlich auch einfach schneller spielen.

Dreilich: Es werden natürlich die Klassiker stattfinden. Der „Albatros“ muss einfach auf der Bühne sein.

Nun kommt Matthias Reim hinzu, und das Siegel „Ostrock“ hat sich erledigt. Wie kam es dazu?

Römer: Das kommt natürlich daher, dass unsere Texte sich meisten reimen (lacht).

Michael Schwandt: Ein Brüller!

Dreilich: Wir wollten etwas verändern, um nicht in einen Trott zu kommen. Und da hat unser Tourveranstalter Semmel den Matthias Reim vorgeschlagen. Wir haben sofort zugesagt.

Römer: Er hatte auch bei unserem 40-jährigen Jubiläum mitgespielt. Wir wussten, dass er ein großer Fan der ostdeutschen Rockmusik ist. Da lag das nahe.

Dreilich: Außerdem hat uns das gut gefallen, weil wir alle etwas gegen Schubladendenken haben. Und mit Matthias Reim polarisieren wir natürlich.

Römer: Am Ende gibt es einfach gute Songs und nicht so gute Songs.

Mehr zum Hannover-Konzert hier.

Von Stefan Gohlisch