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Kultur Die NP sprach mit Klaus Maria Brandauer
Nachrichten Kultur Die NP sprach mit Klaus Maria Brandauer
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15:29 12.03.2012
Von Evelyn Beyer
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Quelle: H.Mahramzadeh
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Hannover

"Manche köstliche Stunde habe ich in Bars verbracht": So beginnt der Text "Irdische Vergnügen" von Luis Buñuel, aus dem Sie lesen. Trifft der Satz auch auf Sie zu?

Das ist gewiss wahr, es wäre ja schlimm, wenn es nicht so wäre, oder? Aber da ich schon seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr rauche, ist es jetzt nur noch das halbe Vergnügen.

Gibt es eine Bar, die Sie besonders schätzen?

Vor ein paar Jahren war ich in Buenos Aires ganz zufällig in einer uralten, wunderbar kleinen, engen, dunkelroten Bar ganz am Ende einer wirklich düsteren Straße. Ich war sicher der Einzige, der nicht jeden Abend dort war. Da würde ich gern noch mal hin, aber ich fürchte, ich finde die Straße nie wieder, was wirklich sehr schade ist.

Warum gerade die Erinnerungen von Buñuel? Was fasziniert Sie an dem surrealistischen Filmkünstler? Sehen Sie Parallelen? Katholische Kindheit, große Kunst, in der Welt unterwegs?

Er bleibt mir, in manchem, was er sagt, sehr fremd, aber das fasziniert mich. Mein Leben, auch das als Künstler, lief in ganz anderen Bahnen. Andererseits ist er unheimlich geerdet und klar in seinen Ansichten. Schön so!

Sie haben unglaublich viel erreicht in Ihrem Leben. Gibt es dennoch so etwas wie verpasste Chancen, denen Sie nachtrauern?

Ich habe mir abgewöhnt, verpassten Chancen nachzutrauern. Am Ende stellt sich ja immer heraus, dass der andere Weg der richtige war, einfach, weil man ihn gegangen ist. Man muss mit Demut in die Vergangenheit blicken und mit Neugier in die Zukunft. Wenn man das vertauscht, macht man sich unglücklich. Nichts ist alternativlos.

Höhepunkte oder Glücksmomente, die sich Ihnen tief eingeprägt haben?

Ich denke manchmal an einen bestimmten Moment in einer Aufführung, die ich vor Jahrzehnten als Zuschauer verfolgt oder in der ich gespielt habe, und weiß genau, wie sich das alles angefühlt hat, was die Schauspieler getan und gespielt haben. Das ist mir heute vielleicht sogar präsenter als damals. Auch die absurde Seite vieler Dinge!

Wollten Sie je etwas anderes als Schauspieler sein?

Das wollte ich nie, aber ich könnte mir jede Menge Dinge vorstellen, die ich auch tun könnte. In gewisser Weise mache ich das ja auch als Schauspieler, zumindest gebe ich vor, von anderen Dingen auch etwas zu verstehen. Aber das ist nicht ganz so einfach, es handelt sich ja um die Bühnenkunst, und die kann nicht Ersatz für ein irgendwie nicht gelebtes Leben sein. Ich weiß, dass sie das manchmal ist, aber das halte ich für problematisch!

Laut Lebenslauf (Wikipedia) haben Sie Ihr Schauspielstudium in Stuttgart abgebrochen. Waren Sie unterfordert?

Nein, ich bekam ein Engagement in Tübingen, und da ich bereits eine Familie hatte, nahm ich es an. Seitdem arbeite ich als Schauspieler, bis heute ohne Abschluss. In Österreich habe ich es sogar bis zum ordentlichen Professor gebracht!

Ihr 70. Geburtstag rückt allmählich näher. Wie ist Ihr Verhältnis zu dieser Zahl?

Es könnte besser sein! (lacht) Die ehrliche Antwort ist, dass ich mir Gedanken um die Zahl mache, und zwar zu viele. Aber am Ende ist es eine Zahl, mehr nicht.

Sie spielen demnächst in einem Film mit Martina Gedeck über einen Alzheimer-Fall - "Die Auslöschung". Können Sie uns mehr über Ihre Rolle darin schildern?

Es geht um die zwei großen Dinge, die uns etwas angehen, die Liebe und den Tod. Mich hat das Drehbuch beim ersten Lesen berührt, und ich hoffe, das gelingt dem Film auch beim Publikum.

Ihre weiteren Pläne?

Ich lebe nicht von Ankündigungen, sondern von den Dingen, die ich tue. Im Moment habe ich jede Menge Projekte in Vorbereitung, ich werde wieder am Theater auftreten, in einer neuen Rolle, vielleicht sogar in Wien. Ich werde wieder Regie führen, und es gibt auch neue Filmpläne.

Gibt es Träume, die Sie sich noch erfüllen möchten?

Ich bin inzwischen doch zu der Überzeugung gekommen, dass ein Großteil der Träume besser als Träume bestehen bleiben soll, denn wenn sie dann doch einmal wahr werden, halten sie meist nicht, was sie versprechen!