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Kultur „Der schwarze Obelisk“ eröffnet die Spielzeit
Nachrichten Kultur „Der schwarze Obelisk“ eröffnet die Spielzeit
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12:21 03.09.2018
Im Hintergrund der Nazi: Szene aus „Der schwarze Obelisk“ mit (von links) Janko Kahle, Sebastian Weiss und Silvester von Hösslin. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Der schwarze Obelisk ist eine Lachnummer. Ludwig Bodmer (Jonas Steglich) wuchtet das phallische Ding auf die Bühne, als sei es zentnerschwer. Dann richtet er es auf, auf schwankendem Boden. Regelmäßig strullt ein abgewrackter Feldwebel (Hagen Oechel) dagegen. Es ist keine gute Zeit für Kriegerdenkmäler, dieses Inflationsjahr 1923, auch nicht für Ehre und Würde. „Wir leben im Zeitalter der Sachwerte“, heißt es einmal – nicht der Moral.

Es sind schwierige Zeiten, auch um sie zu erzählen: Mit „Der schwarze Obelisk“, seiner letzten Inszenierung als Intendant des Schauspiel Hannover, beschließt Lars-Ole Walburg auch seine Remarque-Trilogie. „Im Westen nichts Neues“ und „Die Nacht von Lissabon“ waren überwältigende Inszenierungen mit klaren Narrativen: hier das Sterben in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, dort eine Flucht aus Nazi-Deutschland. Der dritte Teil nun ist im Vergleich „nur“ sehr gut, ist mehr Sittenbild als –geschichte –wo morgen nicht mehr wert ist, was heute erstrebenswert scheint, gibt es keine Geschichte mehr, sondern nur geschichtsvergessene Gegenwart. Damit wird „Der schwarze Obelisk“ aber auch zum aktuellsten der drei Remarque-Stücke.

Die Figuren bewegen sich auf unfestem Grund. Robert Schweer hat sein bestechend klares, halbrundes Bühnenbild mit Schaumstoff ausgelegt. Es ist mal Guckkasten, mal Schneekugel, mal Konzertmuschel und mal Gummizelle. Man schwankt, aber man fällt auch weich. Noch. Walburg erzählt auch, wie im Schatten von gesellschaftlichem Überdruss und Hedonismus Extremismus gedeiht, vor 95 Jahren wie auch heute.

Wobei der Bogen zur Gegenwart stets ein eleganter ist. Mal verflicht der musikalische Leiter Lars Wittershagen den Inflationsschlager „Wir versaufen unsrer Oma ihr klein Häuschen“ mit Madonnas „Material Girl“. Mal motzt ein Wutbürger (Christoph Müller in einer seiner virtuosen Kleinstrollen des Abends): „Darf man nicht mal seine Meinung sagen in einer Demokratie?“ Doch, die wird man wohl noch sagen dürfen, mit ungewissen Folgen.

Dann spuckt der Bühnenboden wieder Geldscheine aus, denen die Figuren nachjagen können wie einem goldenen Kalb. Vorneweg der Berufsjugendliche Ludwig, der wohlgemut nachholt, was ihm der Erste Weltkrieg nahm. Der Grabsteinverkäufer stürzt sich in die Nachtclubs an der Seite von Anarchisten und Bolschewisten, Kaisertreuen und Nazis. Es ist ein tragischer Stoff, schon von Remarque, aber auch von Walburg und seinem Ensemble mit großer Komik erzählt, mal im Kollektiv, mal vielstimmig, unterstützt vom Männerchor Die Klosterbrüder und der Burlesque-Tänzerin Tronicat la Miez. Ein Tanz auf dem Vulkan.

Historische Blitzlichter malen ein Zeitenbild: Da ist das alte verarmte Ehepaar, das sich erhängt und nicht mit Gas umbringt –das wurde schon abgestellt. Da ist der Postbote, der nur noch gute Nachrichten überbringt, nachdem zuvor so viele Sterbeadressen waren. Und da ist schließlich die schizophrene Isabelle (überragend: Carolin Haupt), Bewohnerin eines Irrenhauses und Bekanntschaft Ludwigs von einem seiner Nebenjobs, die als einzige die richtigen Fragen stellt: „Was ist Chaos? Was ist Ordnung? Wo ist die Grenze, die das eine vom anderen scheidet?“ In verrückten Zeiten hat nur der Wahnsinn Methode.

Am Ende ziehen andere Zeiten auf. Mann für Mann werden die fröhlichen Chorsänger abgeführt. Die Figuren verschwinden im Bühnenhintergrund und in die Vergangenheit. Die Gegenwart bleibt. Sie ist nicht einfacher.

Termine und Zeiten finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch

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