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Nachrichten Kultur Der Satiriker Wiglaf Droste ist mit 57 Jahren gestorben
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14:51 16.05.2019
Tot mit 57 Jahren: Der Satiriker Wiglaf Droste Quelle: Axel Martens
Pottenstein

Eine Trauerfeier wird es nicht geben. Das hat Wiglaf Droste bestimmt. Er, der zu den wortmächtigsten Sprachkünstlern seiner Generation gehörte und nun im Alter von nur 57 Jahren starb, wolle, so heißt es, keine Worte über sich hören. Auch Sprachlosigkeit kann laut hallen.

Und laut hörte man die Einlassungen des gebürtigen Herforders, ob er nun gegen den späteren Pabst Joseph Ratzinger ätzte („Du willst sein wie Jesus Christus? Nimm ’nen Hammer, und dann bist du’s“), gegen Nazis („Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine“) oder unliebsame Musiker wie Peter Maffay, „die rumänische Wanderwarze“.

Droste war ein so ungelernter wie unbequemer Zyniker; sein Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften brach er nach gerade einmal fünf Wochen ab, weil ihm die Umstände zu verschult waren. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, bis er als Kolumnist seine Bestimmung fand, in der „taz“, der „Titanic“ oder der „Jungen Welt“. Wirklich lange hielt es ihn nirgends; nicht immer waren die Trennungen friedlich.

Der Satiriker war unbequem, hart, selten ungerecht. Fundamentalismus jeder Art widerte ihn an. Und er war ein Genussmensch, liebte Wein, Weib, Gesang, veröffentlichte die Feinschmecker-Zeitschrift „Häuptling Eigener Herd“, lobte Frauen („Die schönste Form der Made ist immer noch das Mädchen“) und musizierte gerne, mit dem jazzigen Spardosen-Terzett oder der Punkband Geile Götter. Dabei suchte er stets den perfekten Ausdruck – „Mösenstövchen“ (als Bezeichnung einer Sitzheizung) war sein liebstes Wort.

Hinter schroffer Fassade verbarg sich ein Humanist. „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“ lautet einer seiner Aphorismen. Mit Nazis wollte er gar nicht erst reden („Muss man an jeder Mülltonne schnuppern?“), lieber arbeitete er sich an der Selbstgerechtigkeit lustfeindlicher, nur vermeintlich Linksalternativer ab. „Nichtrauchende Frauen sind sowas wie Eva Braun und müssen daher das Schicksal Eva Brauns teilen: an der Seite eines bekloppten Vegetariers verdorren“, schrieb er einmal.

Seine Lesungen, die in Hannover oft in den Pavillon oder in das Kulturzentrum Faust führten, wurden seltener. 2009 wurde er Stadtschreiber zu Rheinsberg, erst vergangenes Jahr erhielt er für sein Lebenswerk den Satirepreis Göttinger Elch. Privates Glück führte ihn zuletzt ins oberfränkische Pottenstein, wo er nun, wie es hieß „nach kurzer, schwerer Krankheit“ starb. Er mochte es zurückgezogen, hatte sich schon vor Jahren gewünscht, dass über ihn nichts in der Zeitung steht“. Den Wunsch kann man ihm noch dieses eine Mal nicht erfüllen.

Von Stefan Gohlisch

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