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Kultur Das bringt die Spielzeit 2018/19
Nachrichten Kultur Das bringt die Spielzeit 2018/19
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00:21 26.04.2018
Auf dem Podium: (von links) Die Schauspieler Mathias Max Herrmann, Carolin Haupt, Henning Hartmann, Philippe Goos und Susana Fernandes Genebra als Tom Kühnel,  Judith  Gerstenberg,  Lars-Ole Walburg,  Alexander Eisenach und Barbara Kantel.
Auf dem Podium: (von links) Die Schauspieler Mathias Max Herrmann, Carolin Haupt, Henning Hartmann, Philippe Goos und Susana Fernandes Genebra als Tom Kühnel, Judith Gerstenberg, Lars-Ole Walburg, Alexander Eisenach und Barbara Kantel. Quelle: Philipp Von Ditfurth
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Hannover

Hausregisseur Alexander Eisenach philosophiert über Gott und die Welt, Glauben und Wissen und verrennt sich nicht wenig, kommt von der Sinnfrage zur Atomspaltung. Schauspiel-Intendant Lars-Ole Walburg fährt dazwischen: „Trotzdem: Die Auslastung ist gut.“ Eisenach sinnt: „Auch das muss ich glauben ...“ Gelächter in Cumberland. Bei einer Pressekonferenz, der zur letzten Spielzeits Lars-Ole Walburgs, bevor 2019 Sonja Anders aus Hamburg übernimmt. Warum so fröhlich? Weil sich Walburg zum Abschied ein kleines doppeltes Spiel leistet.

Auf dem Podium sitzt nicht wirklich das künstlerische Leitungsteam, sondern Schauspieler und kosten die Manierismen ihrer Chefs genüsslich aus: Henning Hartmann als Walburg, Philippe Goos als Eisenach, Mathias Max Herrmann als intellektuell verhuschter Hausregisseur Tom Kühnel. Carolin Haupt als Chefdramaturgin Judith Gerstenberg gibt die freundliche Mittlerin. Und Susana Fernandes Genebra als die Leiterin des Jungen Schauspiels Barbara Kantel, freut sich, streng über die Gläser ihrer Brille blickend, wie divers das alles ist.

Das Spiel ist ernst. 21 Neuproduktionen stehen an, allesamt Herzensprojekts – das war die Maßgabe. „It’s better to burn out than to fade away“, ist das Motto dieser Spielzeit: Es ist besser auszubrennen als zu verblassen. Große Stoffe für die große Bühne: Walburg selbst eröffnet die Spielzeit am 31. August und beschließt mit „Der schwarze Obelisk“ seine Trilogie von Erich-Maria-Remarque-Adaptionen („Im Westen nichts Neues“, „Die Nacht von Lissabon“).

Thorleifur Örn Arnarsson, dessen bildgewaltige Inszenierungen von „Hamlet“ und „Die Edda“ hannoversche Theatergeschichte schrieben, nimmt sich erneut eines Shakespeare-Stücks, „Macbeth“ (ab 18. Oktober), an. Außerdem rekonstruiert er mit Autor Albert Ostermaier Bert Brechts verschollenes Ruhr-Epos – „Die verlorene Oper“ (ab 31. Januar) ist eine Koproduktion mit dne Ruhrfestspielen Recklinghausen, wie auch „Trutz“ nach dem Roman von Christoph Hein (Hannover-Premiere: 8. September).

Und wo es einen unechten Brecht gibt, darf ein originaler nicht fehlen: Claudia Bauer inszeniert „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (ab 17. Januar). Kühnel nimmt sich als vorweihnachtliches Familienstück „Das Sams“ vor (ab 10. November). Sascha Hawemann widmet sich Punk-Legende Iggy Pop in dem musikalischen Theaterabend „Iggy – Lust for Life“ (ab 6. Dezember). Und er polnische Regisseur Lukasz Twarkowski interpretiert die Zeichentrickserie „Es war einmal ... das Leben“ als Kampfzone des Körpers. Eisenach vermengt Friedrich Schiller, Gerhart Hauptmann und Heiner Müller zu „Räuber-Ratten-Schlacht“ (ab 21. März). Und die Zusammenarbeit mit Landerer & Company wird mit dem Tanztheaterstück „Hikikikomi“ (ab 4. April) fortgesetzt.

Das große Endspiel gehört dann dem ganzen Ensemble: Alle machen mit bei Kühnels Inszenierung von Martin Mosebachs Drama „Rotkäppchen und der Wolf“ (ab 23. Mai). Zwei Abgänge (Vanessa Loibl und Sophie Krauß) sind zu verzeichnen und zwei Rückkehrer: Jakob Benkhofer für die ganze Spielzeit, Aljoscha Stadelmann als Gast.

Zum Abschluss kapert das Ensemble Cumberland und bespielt es vom 29. Mai bis 10. Juni durchgehend, Tag und Nacht. Wie es Haupt/Gerstenberg formuliert: „Wir freuen uns wahnsinnig darauf, die Verantwortung einmal abzugeben.“

Das passiert in Cumberland

Eine Uraufführung steht am Anfang der neuen Spielzeit in Cumberland: Hausregisseur und Hausherr Alexander Eisenach inszeniert den Roman „Der Club“ des ehemaligen Hannoveraners Takis Würger (ab 1. September).

Swantje Möller erzählt in „Unorthodox“ die Geschichte eines jüdischen Mädchens (ab 26. Januar). Und als dritte Premiere an dieser Spielstätte ist ab 20. März „Geschichte eines Massenmörders“ zu sehen: Erik Ulfsby rekonstruiert in dieser Koproduktion mit dem Norske Teatret in Oslo die Taten des rechtsextremen norwegischen Massenmörders Anders Breivik.

Der Großteil der Reihen – die Montagsbar, „Feed your Head“, „ABC der Demokratie“, „Writer’s Studio“, Cumberlampe und Dieter Hufschmids Musil-Lesungen – werden fortgesetzt. Die „Zur Nacht Schau“ und die „Werkschau“ laufen aus. Hinzu kommt „Arabesques“, eine monatliche Gesprächsreihe von Dramaturgin Rania Melihi mit Migranten über die Arbeit zwischen Heimat und Exil.

Das Programm des Jungen Schauspiels

Wenn, was alt war, jung wird, ist das nicht nur eine Metapher für das Junge Schauspiel, sondern auch Inhalt der Erzählung „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ von F. Scott Fitzgerald – Mina Salehpour inszeniert den auch Film gewordenen Stoff im Ballhof (ab 12. Januar).

Los geht es aber schon vorher, am 2. September mit Lessings „Nathan“ – der Kroate Oliver Frljic klopft ihn auf aktuelle Bezüge ab. Eine Uraufführung ist am 9. November „Endland“ nach dem dystopischen Roman von Martin Schäuble in der Regie von Paul Schwesig („All das Schöne“). An Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren richtet sich „Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben“ (ab 15. März).

In die Klassenzimmer geht es ab 6. September mit „Krasshüpfer“ von Simon van der Geest. Das Yalla-Ensemble zeigt seine neue Produktion ab Februar 2019. Das partizipative Projekt „Fake Youth“ mit Jugendlichen und nach Hannah-Arendt-Texten ist am 26. April die letzte Premiere des Jungen Schauspiels.

Info

Das Programm wird auch noch einmal öffentlich vorgestellt: am 6. Mai ab 11 Uhr beim „Spielzeit-Frühstück extra“ im Schauspiel-Foyer. das traditionelle Hoffest wird am 25. August gefeiert. Der Vorverkauf beginnt am 6. Juni.

Von Stefan Gohlisch

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