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Kultur Das blaue Wunder von Bayreuth
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13:07 26.07.2018
Da sank er nieder: Piotr Beczala in der Titelrolle des „Lohengrin“. Quelle: Fotos: Festspiele Bayreuth
Bayreuth

Wenn man mal sein blaues Wunder mit der Oper erleben möchte, dann hier: In Bayreuth steht in diesem Jahr „Lohengrin“ im Mittelpunkt – in Szene gesetzt, oder besser gesagt: elektrisiert vom Leipziger Star-Maler Neo Rauch und seiner Frau Rosa Loy. Was da entstanden ist, wenn so ein bildender Künstler sich der Oper annimmt, ist ebenso wunderlich und wunderbar märchen- wie rätselhaft – wie es auch die sündhaft teuren Rauch-Gemälde sind.

Auf jeden Fall wird Wagners romantische Oper unter Strom gesetzt. Ein „Lohengrin“ aus Licht und Energie: Das Bühnenbild dominieren gigantische Elektrizitätswerke, Umspannstationen, Isolatoren, Wolkenlandschaften, Überlandkabel, die so auch in der Kunst von Neo Rauch auftauchen und in Verbindung mit seltsam agierenden Figuren eine selten fantastische Atmosphäre erzeugen.

Wodurch man in diesem „Lohengrin“ peinliche Momente vermeiden kann wie die Anlandung des hehren Ritters per Schwan. In Bayreuth schwebt er mit einem stromlinienförmigen Doppelflügel auf der Transformatorenstation ein. Und der Schwanenritter wirbt als eine Art Flieger-Monteur-Mechaniker um eine Elsa, die eben nicht aus dem Elektrifizierungszeitalter stammt. Und, da interpretiert Regisseur Yuval Sharon das Märchen um, dem Schwanenritter nicht so ganz zugetan ist – der muss sie in der Hochzeitsnacht an einen riesigen Isolator fesseln.

Überhaupt ist das Ganze ein Crossover durch kunstgeschichtliche Jahrhunderte von den gestärkten Kragen der niederländischen Meister bis zu den Overalls der Avantgarde. Die dominierenden Farben sind Delfter Blau, Stahlgrau und das Orange vom Rostschutzmittel.

Alles ist klassische Schiebe-Kulisse wie ausgeschnitten aus den Rauch-Gemälden und vergrößert – aber dabei entstehen Bilder, die, assoziativ mit dieser Oper vereinigt, genau dem Wunder entsprechen, das die Oper an sich ja immer einfordert. Bis hin zum Schluss, als der verwunschene Elsa-Bruder Gottfried als ökogrünes Grasmännchen wieder auftaucht. Es geht eben auch mit sauberem Strom.

Der hier vor allem musikalisch geliefert wird. Das noch größere Wunder ereignet sich an diesem Abend in der Musik. Und im Gesang. Pjotr Beczala in der Titelpartie ist das Ereignis: Was er an unforciertem Tenorglanz einbringt, ist zur Zeit ohne Vergleich. Er erinnert überzeugend an längst vergangene Größen wie Sandor Konya und bringt Gänsehaut bei der Grals-Erzählung, sensationell wie Beczala hier kontrollierte Schluchzer einzubauen versteht.

Anja Harteros ist eine starke Elsa, nirgends Mädchenhaftigkeit, die Stimme hat ordentliche Reserven für den dramatischen Ausbruch vor dem Münster. Waltraud Meier feiert als Ortrud ein starkes Comeback auf dem Grünen Hügel. Sie muss am Schluss nur auf die Bühne treten und wird vom Applaus fast wieder nach hinten gefegt.

Was auch für Dirigent Christian Thielemann gilt, der mit den anfangs extrem sanft einsetzenden Violinen einen Hauch ins überhitzte Festspielhaus zaubert und dann durch überraschend schnelle und straffe Tempi spannungsreichen Wechselstrom erzeugt – Wagner-Generator Bayreuth: 10 000 Volt für „Lohengrin“.

Von Henning Queren

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