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Kultur Das Rennen um den ersten Spiele-Platz
Nachrichten Kultur Das Rennen um den ersten Spiele-Platz
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09:07 24.05.2018
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Hannover

Spiele für Kinder, Familien, Kenner und Freunde.

Für Kinder ab fünf Jahren

Was ist das? Die Drachenkinder haben einen Schatz entdeckt. Leider ist er in Eis eingefroren. Da muss Drachenpapa ran und mit seinem feurigen Atem für Tauwetter sorgen.

Wie spielt es sich? Eine Eissäule aus durchsichtigen Ringen thront auf dem dreidimensionalen Aufbau in der Schachtel. Darin sind Funkelsteine gestapelt. In jeder Runde spielt ein Kind den Drachenvater und darf den obersten Ring entfernen. Vorher hat sich reihum jedes Kind eine Farbe ausgesucht, von der es meint, dass möglichst viele gleichfarbige Steine purzeln werden. Da ist ein gutes Auge gefragt – und auch Fingerspitzengefühl beim Abnehmen des Rings.

Was taugt es? Kinder lieben „Funkelschatz“. Für Jungs ist es „das Spiel mit den Drachen“, für Mädchen „das Spiel mit den Edelsteinen“. Alle zusammen bekommen gar nicht genug davon. Und die Eltern freuen sich, dass ihr Nachwuchs ganz nebenher etwas über Physik und Schwerkraft lernt. Toll.

Lena & Günter Burkhardt: „Funkelschatz“. Haba, für zwei bis vier Spieler ab fünf Jahren, etwa 15 Euro.

Für Kinder ab sechs Jahren

Was ist das? Hektik im Spukhaus: Ganz schnell flüchtet der Abenteurer mit seinen drei Schatztruhen in ein sicheres Zimmer – und keine Spukgestalt aus der „Panic Mansion“ darf mit hinein.

Wie spielt es sich? Jedem sein eigenes Spukhaus: eine oben offene Schachtel mit Trennwänden aus Pappe und Türen. Anfangs sind eine Abenteurerfigur, drei goldene Quader (die Schätze) und ein Gespenst darin. Alle versuchen gleichzeitig, ihre Figuren in den richtigen Raum zu bringen; den gibt eine Karte vor. Der Geschickteste be­kommt noch eine Spukfigur. Und noch eine. Und noch eine ...

Was taugt es? Viele Ge­schicklichkeitsspiele haben das Problem, dass ungeschicktere Kinder frustriert außen vor bleiben. „Panic Mansion“ gleicht das zumindest ein Stück weit aus. Der Aufforderungscharakter ist enorm – und dank genialer Verpackung kann jeder schon im Ge­schäft testen, ob es etwas für ihn ist.

Asger Sams Granerud, Daniel Skjold Pedersen: „Panic Mansion“. Blue Orange/Asmodee, für zwei bis vier Spieler ab sechs Jahren, etwa 30 Euro.

Für Kinder ab sieben Jahren

Was ist das? Ein Schwein suhlt sich selig im Matsch. Ein Bügeleisen lässt Dampf ab. Eine Nilpferddame tanzt schüchtern Ballett. So viele Gefühle – und sie passen alle in ein Spiel: „Emojito“.

Wie spielt es sich? „Emojito“ ist ein Partyspiel. Gemeinsam, gegeneinander oder in Teams geht es darum, Gefühle zu erkennen, die ein Kind für die anderen darstellt, mi­misch und/oder mit Geräuschen. Welches Gefühl, gibt eine Karte vor. Die wird mit sechs anderen vermischt. Alle werden ausgelegt, und die anderen Spieler stellen auf kleinen Rädchen ihre Tipps ein. Für jede richtige Antwort geht es ein Feld auf dem runden Spielplan vo­ran.

Was taugt es? So weit die nüchternen Regeln, die kaum darstellen können, wie viel Stimmung bei diesem Spiel aufkommt. Illustrator Tony Tzanoukakis hat Karten geschaffen, die alle eine kleine Geschichte er­zählen, die sich um Gefühle dreht und sie hervorruft. Und nebenher werden Em­pathie und Mitgefühl geschult.

Urtis Šulinskas: „Emojito“. Huch, für zwei bis 14 Spieler ab sieben Jahren, etwa 22 Euro.

Für Freunde

Was ist das? Wenn es bei dem Partyspiel-Klassiker „Activity“ darum ging, Be­griffe zu erklären, hat man sich schon immer zum Affen gemacht. Jetzt kann man das mit einer neuen, ziemlich bizarren Variante auch mit Horst tun.

Wie spielt es sich? Horst ist eine Gummipuppe, aufblasbar, 1,50 Meter groß, mit Stirnband, mit Vollbart und mit Brusthaar. Diesen Horst nun müssen die Spieler benutzen, um zum Beispiel darzustellen, dass man als Schuhverkäufer arbeitet, Bockhüpfen spielt oder Rodeo reitet. Die Mitspieler müssen das unter Zeitdruck erraten. Für richtige Antworten gibt es Punkte.

Was taugt es? „Activity: Hol den Horst!“ ist ein Partyspiel, ein total albernes und völlig bescheuertes, aber auch ein sehr, sehr lustiges. Feingeister werden die Nase rümpfen. Der Rest darf den „Horst!“ als konsequente Weiterentwicklung eines Prinzips verstehen, bei dem es immer nur um Blödsinn ging.

„Activity: Hol den Horst!“. Piatnik, für drei bis acht Spieler ab 16 Jahren, etwa 30 Euro.

Für Kenner

Was ist das? Er ist jetzt schon der große Gewinner des Spiele-Jahrgangs: Wolfgang Warsch. Vorher hatte er gerade mal zwei Titel veröffentlicht. Vier folgten 2017/ 2018 – und drei davon sind nun nominiert: „The Mind“ als Spiel des Jahres, „Die Quacksalber von Quedlinburg“ und „Ganz schön clever“ als Kennerspiel des Jahres – um dieses raffinierte Würfelspiel soll es hier gehen.

Wie spielt es sich? „Ganz schön clever“ gehört – wie zuvor etwa „Qwixx“ und „Noch mal!“ – zu jenen Würfelspielen, bei denen jeder vom aktiven Spieler profitiert. Heißt: Wer dran ist, wirft die anfangs sechs verschiedenfarbigen Würfel, sucht sich einen aus und legt alle Würfel mit nie­drigerer Augenzahl beiseite. Bis zu dreimal tut er das. Die anderen Würfel serviert er den Mitspielern auf einem Silbertablett, das – hübsche Idee – auf ein Tableau in der Schachtel gedruckt ist.

Wie bei „Qwixx“ & Co. werden die Ergebnisse auf einem Blatt abgekreuzt. Und hier wird es komplexer als bei anderen Spielen dieser Art. Jeder Würfelfarbe ist ein eigener Bereich zugeteilt. Bei Grün zum Beispiel geht es von links nach rechts immer um einen Mindestwert, der erreicht werden muss. Bei Lila muss jede eingetragene Zahl höher sein als die zuvor. Bei Orange ist jeder Wert möglich, aber am Ende auch nur genauso so viele Punkte wert. Gelbe und blaue Ergebnisse werden in Raster eingetragen – letztere dabei übrigens noch mit dem weißen Würfel addiert, der ansonsten als Joker für alle anderen Farben gilt.

Sind bestimmte Felder erreicht oder Spalten und Reihen gefüllt, gibt es Zusatzaktionen wie Wiederholungswürfe oder weitere Kreuze. Da sind wahre Kettenzüge möglich.

Was taugt es? Es gab in der Szene manches Kopfschütteln darüber, wie ein Würfelspiel ein Kennerspiel sein könne. Doch so ge­schickt hier die verschiedenen Optionen miteinander verzahnt sind, so überfordert dürften Gelegenheitsspieler sein. Kenner aber erwartet eines des besten und elegantesten Spiele dieses Jahrgangs.

Wolfgang Warsch: „Ganz schön clever“. Schmidt, für einen bis vier Spieler ab acht Jahren, etwa zehn Euro.

Für Familien

Was ist das? Ganz schön was los in der Grabkammer des Pharao: Bis zu 20 Abenteurer tummeln sich dort auf der Suche nach den wertvollsten Schätzen. Autor Rüdiger Dorn hat die Jagd eröffnet und ist nun mit „Lu­xor“ für den Preis „Spiel des Jahres nominiert“ – ne­ben „The Mind“ und „Azul“, die bereits an dieser Stelle vorgestellt wurden.

Wie spielt es sich? Ein raffinierter Kartenmechanismus ist der spielerische Kern von „Lu­xor“. Fünf Karten hat jeder Spieler stets auf der Hand. Ihre Reihenfolge darf er nicht verändern. Spielt er eine aus (was er jede Runde exakt einmal tut), muss es die ganz linke und ganz rechte sein. Nachgezogene Karten werden in die Mitte ge­steckt; man hat also jederzeit den Überblick, welche Optionen sich in den folgenden Runden bieten.

Die Karten sind Bewegungspunkte wert, nämlich für die anfangs zwei, später bis zu fünf Abenteurer jedes Spielers. Standardmäßig geht es um ein bis fünf Felder. Mal wird aber auch gewürfelt, mal der letzte Abenteurer zum letzten vorgezogen.

Und warum die ganze Mühe? Weil die Strecke mit wertvollen Plättchen gepflastert ist. Schatzplättchen zum Beispiel – die darf nehmen, wer die entsprechende Anzahl Abenteurer darauf stehen hat. Osirisplättchen für einen zusätzlichen Be­wegungsschub. Horusplättchen für wertvollere Karten oder aber auch für einen Schlüssel, den man braucht, um das Innerste der Grabkammer zu betreten. Haben das zwei Abenteurer geschafft, endet das Spiel und die Punkte werden gezählt.

Sie sind abhängig unter anderem von den eingesammelten Schätzen und davon, wie weit die Abenteurer gekommen sind. Außerdem gibt es noch Tempelplättchen, die erst im Verlauf der Partie ins Spiel kommen und noch diverse Boni bieten – wie Geheimgänge oder wertvolle Skarabäen.

Was taugt es? Der Einstieg in „Luxor“ ist trotz üppiger und anfangs vielleicht überfordernder Ausstattung kinderleicht: Man spielt eine seiner zwei dafür zur Verfügung stehenden Karten, bewegt eine Figur und profitiert vielleicht noch von dem Plättchen, auf dem man landet. Die etwas komplizierteren Karten und Plättchen kommen erst im Verlauf der Partie ins Spiel und sind auch für Achtjährige gut zu greifen. Rüdiger Dorn ist mit dieser stimmungsvollen Schatzjagd ein durch und durch erfreuliches Familienspiel gelungen.

Rüdiger Dorn: „Luxor“. Queen Games, für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren, etwa 40 Euro.

Stefan Gohlisch