Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Das Pussy-Riot-Theatre wirft im Pavillon mit Flaschen
Nachrichten Kultur Das Pussy-Riot-Theatre wirft im Pavillon mit Flaschen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:51 10.01.2018
Alles für die Kunst: Auf einer Leinwand im Pavillon werden die Ereignisse gezeigt, die Marija Aljochina von Pussy Riot ins Gefängnis brachten.
Alles für die Kunst: Auf einer Leinwand im Pavillon werden die Ereignisse gezeigt, die Marija Aljochina von Pussy Riot ins Gefängnis brachten. Quelle: Foto: Petrow
Anzeige
Hannover

„Behave as Punk as possible!“ – „Benehmt euch so punkmäßig wie möglich!“, ruft Sascha, der Produzent der „Riot Days – Tage des Aufstands“, den Zuschauern im großen Pavillon-Saal zu. Etwa 150 Interessierte sind gekommen, was eigentlich viel mehr sein müssten, doch der Höhepunkt der Aufruhr um die Frauen des russischen Protestkunst-Kollektivs Pussy Riot ist nun schon über fünf Jahre her.

Marija Aljochina hat ihre Erinnerungen an die damaligen Geschehnisse um den „Kirchensturm“ der Moskauer Kathedrale aufgeschrieben. Was folgte, ist in die Geschichte eingegangen: Die Jagd auf sie und ihre Mitstreiterinnen Nadeschda und Jekaterina durch Polizei und Justiz, das einseitige Gerichtsverfahren und der anschließende Gefängnisaufenthalt. Mit diesen Ereignissen im Kopf steht Marija Aljochina, genannt Marscha, 29 Jahre alt, jetzt auf der Bühne – man spürt ihre Stärke unweigerlich.

Die Künstlerin und ihre drei Komplizen, Schauspieler Kyril Masheka und das Musikduo Awott mit Nastya und Max an Saxofon und Schlagwerk, sind erstmals als Pussy-Riot-Theatre auf Tournee. Und nicht nur in Deutschland, weltweit erzählen, ja schreien sie ihre Geschichte hinaus. Und das bleibt wohl, wie der hannoversche Veranstalter es beschreibt, einmalig. Wiederholung – ausgeschlossen. Obwohl es auch in Hannover eine Diaspora russischer Mitbürger gibt, sieht man wenige im Pavillon.

Die Originalfilme der Protest-Aktion in Moskau werden auf einer Leinwand gezeigt, Untertitel helfen beim Verständnis. Da ist man plötzlich als Zuschauer partisanengleich dicht dran, fühlt die Aufregung und Furcht der Beteiligten, bei ihrer letztlich knapp einminütigen Aktion

Es ist ein Paradebeispiel an Aktivismus, und in Pussy Riots Fall, ist es die Kritik an Wladimir Putin und seinem Schulterschluss mit der russisch-orthodoxen Kirche. „Freiheit existiert nicht, solange du nicht jeden Tag darum kämpfst!“, definiert Marscha. Auch das Publikum soll diese Angst spüren, das Kollektiv wird handgreiflich: Marscha und Kiryl starten eine Wasserschlacht mit den Zuschauern und schleudern die leeren Flaschen über deren Köpfe hinweg. Das ist aggressiv und beängstigend, sogar etwas gefährlich.

Provokativer Guerilla-Punk mit einem Unterschied zur Heimat: Hier ist das Kunst und Meinung, in Russland „Hooliganismus“.

Von Kai Schiering