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16:01 15.09.2010
Freunde fürs Leben: Der Junge Sosuke und die kleine Meerjungfrau Ponyo.
Freunde fürs Leben: Der Junge Sosuke und die kleine Meerjungfrau Ponyo.
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VON LAURENZ LIERENZ

In Hayao Miyazakis Welt passieren die unglaublichsten Dinge. Ein Junge findet da am Strand nahe seines Hauses einen Goldfisch mit menschlichem Antlitz. Den er aus einem Marmeladenglas befreit und der ihm die gute Tat vergilt, indem er ihm eine Wunde heilt. Woraufhin sich das süße Fischlein durch die Kraft der Blutsvermischung in ein Mädchen verwandelt. Ponyo heißt sie und sie wird die beste Freundin des Sosukes. Problem: Ihr Vater Fujimoto, ein strenger Magier der Unterwasserwelt, sieht durch die Menschwerdung seiner Tochter die Natur außer Balance und beschwört Sturm und Tsunami herauf, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Miyazaki, beinahe 70jähriger Wunderlandschöpfer aus Japan, schwört in Zeiten der Verpixelung des Animationsfilms weiterhin auf den klassischen Zeichentrick. Mit „Prinzessin Mononoke“ (1997), „Chihiros Reise“ (2001) und „Das wandelndeSchloss“ (2004) ist der einsige Layoutmann der „Heidi“-Serie zum Trickfilmkönig Asiens geworden, dessen Filme im Westen anfangs von Disney in so geringer Kopienzahl vertrieben wurden, dass das Gerücht der Konkurrenzvernichtung durch Kooperation die Runde machte. „Ponyo“ nun erfährt einen richtig großen Start. Miyazaki erzählt die Geschichte von Hans Christian Andersens „kleiner Meerjungfrau“. Erzählt nicht nach ... sondern neu, packt Gegenwart hinein, eine auf Selbstzerstörung gesinnte Menschheit, Familienleben im 21. Jahrhundert. Lässt auch das magische Wesen Ponyo Magie erleben – etwa wenn bei den Menschen Pulver zu Suppe wird.

Die Farben sind leuchtend, der Film ist auch sonst „heller“ als seine Vorgänger, ist noch stärker als sonst einem kindlichen Publikum zugetan, zumal es auch keinen wirklichen Bösewicht gibt – selbst Fujimoto handelt aus ehrenwerten Motiven. Es sind freilich die Kinder, die die Krise meistern, weil sie intensiv leben und lieben, während die Erwachsenen im Film mit anderen Dingen beschäftigt sind.

Die Erwachsenen im Kino immerhin, die über den Zug der gigantischen Urfische staunen und die ganz überwältigt sind von dem Oktopus-Garten, den Miyazaki da auf die Leinwand gewuchtet hat, sind baff, betört, belehrt. Atemraubende Bildmacht ganz ohne Computer. Und Tiefe kriegt man auch noch ohne 3-D hin.

„Ponyo“, Japan 2008, 111 Min., Regie: Hayao Miyazaki. Zeichentrickfilm.

Es war einmal ... Japans Anti-Disney Miyazaki war nie disneyhafter