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Kultur Das Helmi startet seine Gastspielreihe
Nachrichten Kultur Das Helmi startet seine Gastspielreihe
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10:55 29.04.2013
Von Evelyn Beyer
MATRATZENWESEN GEBEN GAS: Die Puppen von Das Helmi sind zwar nicht schön, aber sehenswert. Quelle: Behrens
Hannover

Vier Hochzeiten, zwei Erlösungen - und waren es ein oder zwei Todesfälle? Egal, es war ein irrer Reigen, das Ende ist megahappy, die menschlichen Akteure packen ihre kantigen Schaumstoffmonster in die Tonne und zu Gitarre und Schlagwerk skandieren alle begeistert: „Turbovolk ist wunderbar“, was immer das bedeuten soll.

Aber was hier was bedeuten soll, fragt man sich besser nicht bei diesem „Zirkus des Fortschritts“. Das Medium ist die Botschaft, und das ist fröhlicher Anarcho-Puppentanz, weshalb der Beifall bei der Premiere im Container auf dem Küchenplatz so belustigt wie ratlos klang.

Egal, was man schon im Theater erlebt hat: Wer Das Helmi, Puppentheater aus Berlin, noch nicht kennt, hat noch nicht alles gesehen. Die Kernhelmis haben irgendwann mal, als sie pleite und unbeschäftigt waren, aus alten Matratzen ulkig schäbige Figuren gebastelt, und bald war ein Kult geboren. Dank Bundesförderung kooperieren sie zwei Jahre lang mit dem Schauspiel Hannover, touren als Auftakt im Container durch Linden, Süd- und Innenstadt. „Die Zigeuneroper“ oder auch „Die Schönen und die Schmutzigen“ hatte jüngst erst in Berlin Premiere, und beim Auftakt hier in Hannover siehts noch immer so aus, als spielten sie mal eben drauflos.

Zwei Geschichten haben sie gekreuzt: Eine überkandidelte Füchsin von Choreografin sucht Frischfleisch für eine Show und wird in einer in Würde verlotterten Roma-Hippie-Familie fündig, die gerade ihren Jeremie sucht. Der Elfjährige wurde nach Autoknackereien zum Zirkus verfrachtet, „weil du Struktur brauchst“, sagt Hans-Günther vom Sozialamt, der mit roter Strumpfhose und lila Shirt unterm Hängehals eine klasse Karikatur abgibt. Außerdem ist Jeremie ja Roma, Zigeuner sagen die Helmis hartnäckig, da ist ein Zirkus „milieunahe Unterbringung“.

Der Fall ist absurd, aber authentisch, Das Helmi macht eine wilde Revue daraus, in der mal drei (umgeschnallte) Großtiere, Pferde, Schweine oder Esel, durch die Manege springen und dem Liebesspiel frönen, mal als Minifiguren eine Frau Schreinemakers, eine Frau Agassi und ein Herr Becker herumkommandiert werden und wo es von Liedern mit Reimen wimmelt wie: „Ich bin die Zigeunerbraut, die Sonne scheint auf meine Haut“ oder

„Spiel auf deiner Zauberfiedel/ kauf mir Rotwein aus dem Lidl“. Und wenn Florian Locke den „Spargeltarzan“ Jeremie tanzen lässt, tanzt er mit, und wenn die Superchoreografin einen Wutausbruch kriegt, bebt ihre Führerin, die großartig agierende und musizierende Solene Garnier, mit. Spieler und Figuren verdoppeln einander im Ausdruck und alles geht gern durcheinander: Doch natürlich hat dieser gepflegte Dilettantismus Methode, genau wie das Stück letztlich viel Sinn macht, den kühlen Umgang mit der „Unterschicht“ genauso persifliert wie ihre Vorführung in den Medien. Nicht jeder wirds mögen, aber ansehenswert ist dieser hinsprengende Trash allemal.

Bewertung: 4/5

Bis 5. Mai am Küchengarten, Mi-Sa 17 Uhr für Kinder, 20 Uhr für Erwachsene

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