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Kultur Das Ende der Ära Walburg
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19:10 16.06.2019
Großer Jubel: Nach Ende der letzten Vorstellung klatschen die Zuschauer im Stehen.. Quelle: Andreas Spengler
Hannover

Der Applaus endete erst, als sich der Vorhang zum letzten Mal schloss. Mehr als zehn Minuten hatten die Zuschauer im Schauspielhaus stehend applaudiert, beglückt und nicht wenige mit Tränen in den Augen, die Blicke gerichtet auf das versammelte Ensemble, das zurückklatschte und ebenfalls ganz viel Emotion zeigte – wann hat man schon mal Butterblumen weinen sehen?

Mit einer letzten Aufführung von Martin Mosebachs „Rotkäppchen und der Wolf. Ein Drama“ endete am Sonnabend die Intendanz von Lars-Ole Walburg. Zehn Jahre lang hatte er diese Stellung inne, so lange wie zuletzt nur Alexander May. Anfangs war es eine harte Liebe, die Hannover zu dem oft sperrigen Programm aufbauen, zum Schluss eine umso größere, die sich in diesem Applaus Bahn bricht.

Ein passender Abschluss ist dieses so irrwitzige wie wortgewaltige „Rotkäppchen“-Stück, wie es Hausregisseur Tom Kühnel inszeniert. Mosebach lässt Flora und Fauna und sogar Mobiliar zu Wort kommen. Und dieses großartige Ensemble stürzt sich noch einmal mit Verve in diesen hellsichtigen Wahnsinn. Mutig war es immer in diesen zehn Jahren. Vieles wurde gewagt. Nicht alles glückte, aber Pflichtprogramm gab es nie.

Das Abschiedsinterview mit Lars-Ole Walburg lesen Sie hier.

Dernierenscherze müssen sein: Aus des Wolfs Bauch krabbeln nicht nur Großmutter und Rotkäppchen, sondern auch noch ein paar Bühnentechniker. Silvester von Hösslin improvisierte als personifizierter Schlaf Abschiedsgedanken. Und Sebastian Weiss, der sich als Lebkuchenmann einen Rap-Battle lieferte, rief in den Saal: „Nach dieser Spielzeit kann man mich für Geld buchen!“ Bittersüß. Und der wunderbaren Sarah Franke in der Titelrolle brach beim Schlussmonolog die Stimme.

Ein solcher Tag muss gefeiert werden. Schon die eineinhalb Wochen vorher hatte sich das Ensemble noch einmal mit vielen großen kleinen Abenden beim „Burn“-Festival ausgetobt. Jetzt gab es im Theaterhof Live-Musik von den Dead Brothers (mit Ex-Ensemblemitglied Sandro Tajouri am Schlagzeug) und von Pollyester, danach Tanz bis in den späten Morgen. „Fired“, so der wohlgewählte Titel.

Es war ein kleines Theatertreffen. Aus dem ganzen Land waren Freunde und Weggefährten angereist, die Regisseure Claudia Bauer und Sascha Hawemann zum Beispiel, die mit ihren Inszenierungen „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ und „Iggy – Lust for Life“ Glanzpunkte der letzten Spielzeit setzten, Florian Fiedler, früher Hausregisseur in Hannover und Leiter des Jungen Schauspiels, jetzt Intendant in Oberhausen, Thorleifur Örn Arnarsson, der sich nicht zuletzt mit seiner umjubelten „Edda“-Inszenierung für den Job als Schauspieldirektor an der Berliner Volksbühne empfahl ...

Er wird Spieler aus Hannover mitnehmen. das Ensemble zerstreut sich, nur Philippe Goos, Mathias Max Herrmann und Wolf List bleiben unter der Intendanz der Walburg-Nachfolgerin Sonja Anders. Westlicher und weiblicher wird es werden. „Wenn wir schon längst vergessen sind, wirst du noch am Himmel prangen“, hatten die Schauspieler am Ende vom „Rotkäppchen“ wieder und wieder gesprochen. Die Erinnerung an Sternstunden dieser Theater-Ära wird bleiben.

Von Stefan Gohlisch

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