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Kultur „Dancing Queens“ – Wenn Omas die Glitzerpuschel schwingen
Nachrichten Kultur „Dancing Queens“ – Wenn Omas die Glitzerpuschel schwingen
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06:00 26.06.2019
Nicht jede Seniorenkomödie hat wirklich Schwung: Martha (Diane Keaton, vorne mitte) und ihre Cheerladys. Quelle: Foto: Universum
Hannover

Man denkt natürlich an Abba. Schließlich heißt der Film „Dancing Queens“, was an deren größten Hit erinnert. Schließlich tragen die älteren Cheerleader auf dem Poster Glitzergarderobe wie die vier Popschweden. Und schließlich scheinen ihre Puschel flauschige Varianten einer Discokugel zu sein. Nach „Priscilla, Königin der Wüste“ und „Muriels Hochzeit“ (beide 1994) und zwei „Mamma Mia!“-Filmmusicals (2008 und 2018) kommt nun also das nächste Lustspiel mit Abba-Liedern.

Dancing Queens – Nach Georgia, um zu sterben

Denkt man. Und ist fast schon enttäuscht, als die Titelmusik nicht mit „You can dance, you can jive …“ von Abba anhebt. Sondern als stattdessen Carole King ihr „Bitter With The Sweet“ singt. Im Original heißt der Film denn auch „Poms“, man hätte ihn also im Deutschen locker „Puschel“ betiteln können.

Diane Keaton spielt in dem Spielfilm von Dokuregisseurin Zara Hayes eine schnittige Omi mit Debbie-Harry-Frisur, die 46 Jahre im selben New Yorker Appartement gewohnt hat, nicht weiß, wohin die ganze Zeit verschwunden ist. Eine ganze Menge „Zeug“ angesammelt hat, aber keine Kinder, deren Buden sie mit dem schrulligen Erbe fluten könnte.

Also beschließt die krebskranke Martha ihre Habseligkeiten zu verkaufen und ins südliche Georgia zu ziehen, in ein Oldieresort namens Sun Springs, „um zu sterben“. Es folgt die übliche Bremer-Stadtmusikanten-Kehrtwende: Etwas Besseres als der Tod lässt sich überall finden.

Dancing Queens – Ein einziges Mal lacht der Zuschauer

Dazu freundet sich Martha mit der ebenfalls zugereisten Sheryl (Jacki Weaver) an, der sie bei zu viel Weißwein gesteht, dass sie immer schon ein Cheerleader werden wollte. Gesagt, getan, bald sind auch Pam Grier, Rhea Perlman, Carol Sutton und einige mehr in der Georgia-Gilf-Squad. Und sie trainieren hart, um gegen eine weit elastischere Highschooltruppe anstinken zu können. „Brich dir die Hüfte“, faucht deren hundsgemeine Anführerin. „Werde schwanger“, kratzt Sheryl zurück. Der Zuschauer lacht.

Aber das passiert nur einmal in diesem leb- und lieblosen Märchen, in dem schließlich ein junges Ding von der Konkurrenz die alten Damen systematisch entrostet. Wobei die tödliche Krankheit, die Martha den anderen verschweigt, nach Belieben aufkreuzt und verschwindet. Glaubwürdigkeit der Geschichte – egal. Würde der Figuren – wurst.

Dancing Queens – Das Innere der Figuren bleibt außen vor

Der als triumphal angelegte finale Auftritt der Puschelgrannys gegen die jungen Hüpfer gerät jedenfalls gymnastisch gesehen peinlich. Man erinnert sich an die unförmigen Herrenstripper in „Ganz oder gar nicht“, die betagten Pinups in „Kalender Girls“. Das waren Charaktere. Hier gibt es nur sportive Menschenschemen, deren Inneres bis zuletzt außen vor bleibt.

Hollywood sollte sich was schämen, seinen alten Ladys derartigen Schrott anzubieten. Und die angeblich kaufkräftigen älteren Filmfreunde sollte den Traumfabriken den Stinkefinger zeigen. Etwas Besseres als „Dancing Queens“ werden sie in jedem Programmkino finden.

„Dancing Queens“ – Filminfo

Kinostart in Deutschland: 27.06.2019

Originaltitel: „Poms“ (USA, Großbritannien)

Regie: Zara Hayes

Darsteller: Diane Keaton, Jacki Weaver, Celia Weston

Filmlänge: 91 Minuten

Altersbeschränkung: ab 0 Jahren

Von Matthias Halbig/RND

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