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Kultur Claudia Michelsen liest in Erinnerung an Marlene Dietrich
Nachrichten Kultur Claudia Michelsen liest in Erinnerung an Marlene Dietrich
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18:15 12.05.2019
Konzentrierte Lesung: Claudia Michelsen fragt „Sag mir, wo die Blumen sind“.
Konzentrierte Lesung: Claudia Michelsen fragt „Sag mir, wo die Blumen sind“. Quelle: Foto: Franson
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Hannover

Als TV-Kriminalhauptkommissarin Doreen Brasch ermittelt sie in der ARD-Fernsehreihe „Polizeiruf 110“ in Magdeburg: Claudia Michelsen kann auch ausgezeichnet rezitieren, wie sie im Schauspielhaus mit ihrer Lesung „Sag mir, wo die Blumen sind – Erinnerungen an Marlene Dietrich“ bewies.

Michelsen fesselt mit ihrer warmen Stimme und ihrer puristischen Lesung: dunkle Bühne, schwarzer Tisch, ihre Texte, sie selbst in dunkler Kleidung mit weißem Shirt.

Michelsen zeichnet das „ganze“ Leben der Dietrich (1901-1992) nach, ihre wichtigsten Lebensstationen, die bedeutendsten Ereignisse und Begegnungen. Grundlage sind die Dietrich-Autobiographie „Nehmt nur mein Leben..“, Tochter Maria Rivas Biographie „Meine Mutter Marlene“ sowie Josef von Sternbergs Autobiographie.

Eine atmosphärisch dichte und spannungsvolle Sache, denn Michelsen liest die gut ausgewählten Auszüge mit angenehmen Tempo und feinen Betonungen. Nur zu gern folgt man ihr. Und fürsorglich ist sie auch: einem hustenden Zuhörer reicht sie kurzerhand ihr Wasserglas.

Und liest weiter, so aus dem Dietrich-Kapitel „Kindheit und Jugend“: Berührend die Passage, wo ihre geliebte Französisch-Lehrerin nach dem Kriegsausbruch 1914 nicht mehr in die Schule zurückkehrt.

1924 die Geburt der Tochter und ihre mütterliche Fürsorge. Spannend, wie sie über kleinste Rollen „die fesche Lola“ wird für den von-Sternberg-Welterfolgsfilm „Der blaue Engel“. Mit von Sternberg geht sie Anfang der 1930er Jahre nach Hollywood und macht weiter (eine Welt-) Karriere.

Und: wie sie als Preussin vor den Nazis aus Deutschland und Europa Geflüchtete versorgte, Geld für eine Untergrundorganisation spendete, um Menschen aus Konzentrationslagern herauszubekommen und die dann zur US-Army ging, um für die Befreiung Deutschlands vom Hitler-Faschismus zu kämpfen (weswegen sie von Teilen der deutschen Bevölkerung als „Vaterlandsverräterin“ bezeichnet wurde). Und dann die letzten Jahre, in denen sie zurückgezogen in Paris lebte.

Nach dem letzten Satz, der in eine Stille mündet, verlässt Michelsen unter starkem Applaus die dunkel werdende Bühne. Ein weißer Lichtspot taucht auf. Michelsen kehrt wieder, legt weiße Blumen in den Lichtkreis, setzt sich ins Publikum und es erklingt Marlenes Gesang „Sag mir, wo die Blumen sind“.

Von Christian Seibt