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Kultur Chris Tall in der Swiss Life Hall
Nachrichten Kultur Chris Tall in der Swiss Life Hall
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18:11 28.10.2018
Darf der das?: Aber klar. Christal lästert sich hochprofessionell über die Bühne der Swiss Life Hall.
Darf der das?: Aber klar. Christal lästert sich hochprofessionell über die Bühne der Swiss Life Hall. Quelle: Franson
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Hannover

Eine Schlagzeile liefert der Komiker selbst: „Hannover. Chris Tall springt ins Publikum – alle tot!“

Tall, 27 und nicht so dick, wie er selbst behauptet, findet Hannover toll. Klar, die Swiss Life Hall ist ausverkauft, die 3500 Besucher sind klatschwillig, und wer böse dreinschaut, bekommt vom Komiker einen mit. „Das ist nicht Fernsehen, ich sehe dich auch“, droht er zur Begrüßung. Nach der „Selfie von Mutti!“-Tour geht es nun um Vater Tall: „Und jetzt ist Papa dran“ vernachlässigt den Senior aber zum größten Teil – Chris zetert sich lieber durch Comedy-Standardszenarien wie die Dating-Welt, den Veganismus und die „Chantals und Kevins“ dieser Gesellschaft.

„Bei Hausmeister Krause warst du der beste“, sagte ihm eine Fanin neulich, mit einem Kevin im Publikum gibt es einen Schlagabtausch: „Was machst du beruflich?“, fragt Tall, „ach nee, mein Fehler.“

Neben einem Intro-Video mit mehr Produktionswert als ganze WDR-Kabarettabende kommt Tall aber ohne Gimmicks aus – ein großer Bestandteil des Abends: Die eigene Beleibtheit. „Mit meiner Unterhose könnte man Salat waschen“, heißt es nach anderthalb Stunden, der Kameramann lässt bei jedem Hopser Talls das Hallenbild wackeln.

„Wampe Eins“ heißt der „Endgegner beim Schlafsack zu machen“, und wenn Tall in das Textil einen Furz lässt, schreiben sich die Pointen von alleine weiter. Auch durch den Ägypten-Urlaub wird sich flatuliert: „Rotes Meer, oder Totes? Irgendwas mit -otes“, hat Tall besucht und für den Eigenantrieb beim Wasserski gesorgt. „Wem war es zu viel Pipi-Kacka?“, fragt er nach der Pause – wenigen, denen Tall das Oktoberfest nebenan empfiehlt.

„Ich hasse Menschen, die keinen Sarkasmus verstehen“, sagt er; für seine provokanten Gags habe er schon oft Gegenwind bekommen. Dabei bekämen bei ihm alle ihr Fett weg: Behinderte, Benachteiligte, Bevormundete – „schwarze Rollstuhlfahrer, das ist der Jackpot“. Wenn die Gags nicht selbst im Seniorenalter wären, könnte man das Schulterklopfen ernster nehmen: Innerhalb von fünf Minuten bringt Tall eine Bruce Darnell-Parodie (2006 das letzte Mal aktuell), einen Roseninder (ca. 1991) und ein Roberto Blanco-Riff (ca. 1961). Die Provokation läuft höchstens in Slogans ab („98 Prozent der Männer haben schon mal eine Couch gebumst“), 3500 lachen wie aus Gewohnheit – Tall, mit 27 Jahren schon Comedy-Routinier, weiß, was ankommt und spielt seine Rolle adäquat.

„Darf er das?“, steht auf seinem T-Shirt – ja, auf dem deutschen Comedy-Olymp darf Chris Tall es sich schon mal gemütlich machen.

Von Lilean Buhl

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