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Kultur Chris Norman bezirzt die Fans
Nachrichten Kultur Chris Norman bezirzt die Fans
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00:18 28.03.2018
Gut gehalten Chris Norman (rechts) im Theater am Aegi.
Gut gehalten Chris Norman (rechts) im Theater am Aegi. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Chris Norman sieht gut aus und ist richtig gut bei Stimme. Der ehemalige Smokie-Beau weiß, wie es geht: Bodenständig, witzelnd und mit viel Rock und Blues im Blut bezirzt er seine überwiegend weibliche Anhängerschaft im Theater am Aegi.

Lead-Gitarrist Geoff knetet dazu ordentlich Solo-Krach, fünf Musiker unterstützen Norman, drei Gitarren machen Druck, er selbst spielt zu jedem Song eine E-Gitarre. Seine Band ist ausgewogen, zwei Damen bedienen Keyboards und Gitarren, kein Macho-Gehabe, so geht es.

Die Video-Einspieler aus den guten, alten „Disco“-Tagen sind schon mehr als eine Reminiszenz an vergangene Soft-Rock-Zeiten. Die fetten Gitarren-Verstärker und Bass-Boxen zeigen es: Chris geht die „Rock-Road“, sein neues Album heißt „Don’t Knock The Rock“. Zu „Lay back in the Arms of Someone“ reißt es die Ersten aus den Sitzen. Das Theater ist ausverkauft; 1200 Smokie-Fans stehen unter Strom.

Früh lernte der Sänger aus Yorkshire seine Kumpels Alan Silson, Terry Uttley und Pete Spencer kennen, mit denen er ab 1975 als Smokie berühmt wurde. Seit Mitte der 80er Jahre ist er auf Solo-Pfaden. Nun singt er mit geschlossenen Augen und ohne moderne In-Ear-Kopfhörer, auf die viele Kollegen nicht mehr verzichten wollen. „Wer spricht Englisch? Oh, better than in Chemnitz, thanks God!“. Feinster englischer Humor.

Gitarristin Michelle Plum hat einige Jahre bei Chumbawamba gespielt. Bei „Stumblin‘ in“ übernimmt und singt sie die Rolle der Suzie Quatro, das war „a hundred Years ago“, scherzt Norman. Der hervorragende Gitarrist Geoff Carline spielt mit Schlapphut und erhält viel Szenenbeifall.

Es ist ein rockiges Programm und ein Best-Of seiner größten Hits: Reggae-Klänge bei „It‘s your life“, der Ohrwurm „For a few Dollars more“; mit seinen 70er- und 80er-Jahre-Hits trifft er den Nerv einer äußerst dankbaren Generation. „Hannover ist wie Harrogate, und mein Deutsch ist scheiße“, Gelächter und Beifall für seine Charme-Offensive. „Ich bin taub, denn ich stehe seit 50 Jahren hier vorne“. Auch darüber wird gelacht, dennoch, es ist ihm ernst dabei. Aber alles wird gut: „You‘re happy?“, „Yeah!“, ja, glücklich, das sind die Zuschauer.

Das elegische „Losing you“ ist der beeindruckendste Song des Abends, mit viel Platz für die Sologitarren und einem Ausflug ins „Hotel California“ von den Eagles. „Living next door to Alice“, die notorische „Midnight Lady“ aus dem „Tatort“, eine frühe Kollaboration mit Dieter Bohlen, und der Hüften-Rocker „Don‘t play your Rock ‘n‘ Roll to me“ runden den Abend ab.

Super Stimmung, nach zwei Stunden Rocksongs, Blues und Balladen, endet das für die Fans sehr emotionale Konzert. Jetzt stehen sie alle für den 67-jährigen Briten.

Von Kai Schiering