Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Chris Barber lässt das Jazzen nicht
Nachrichten Kultur Chris Barber lässt das Jazzen nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 04.05.2018
Mit 88 Jahren: Chris Barber.
Mit 88 Jahren: Chris Barber. Quelle: Katrin Kutter (Archiv)
Anzeige
Hannover

Von Zeit zu Zeit hört man das Alte gern – deswegen war der Große NDR-Sendesaal beim Konzert der Big Chris Barber Band ausverkauft. Und die Besucher bekamen genau das geboten, wofür dieser Name steht: blitzsauberen Traditional Jazz.

Wenn es Barber mittlerweile etwas ruhiger angehen lassen würde, könnte man ihm dies kaum verübeln; schließlich hat der Posaunist vor zwei Wochen seinen 88. Geburtstag gefeiert. Doch nichts da: Rund zweieinhalb Stunden lang ging die Post ab, und Barber gedachte keineswegs, nur von der Seite zu beobachten, was seine neunköpfige Gruppe zu bieten hatte. Das operative Geschäft an der Posaune überließ er zwar schon mal dem Kollegen Bob Hunt, bestätigte aber bei eigenen Soli die alte Weisheit, dass es nicht darauf ankommt, möglichst viele Töne zu spielen, sondern die richtigen.

Auch am Mikro tummelte Barber sich ausgiebig, sei es mit flotten Gesangspartien oder mit langen Ansagen, weitgehend auf Deutsch und leider weitgehend unverständlich.

„Bourbon Street Parade“, „Precious Lord, Take My Hand“, Duke Ellingtons „Rockin’ In Rhythm“, „Whatcha Gonna Do“: nur einige der Nummern, die an diesem Abend erklangen. Im bluesigen Block gab‘s bei „All Blues“ auch mal einen Abstecher zu Miles Davis, mit stilecht eingesetzter Trompete und schönem Bass-Solo von John Day.

Einen echten Star hat Barbers Band nicht, am ehesten ragt vielleicht das elegante und manchmal brillante Klarinettenspiel von Bert Brandsma etwas heraus. Neben der Souveränität ist hier aber gerade diese Kompaktheit eine große Stärke, niemand versucht, den anderen zu übertrumpfen. Und so hielt die Balance bis zum Endspurt mit einer turbulenten Fassung von „When The Saints Go Marching In“ und, natürlich, Barbers Hit „Ice Cream“. Stehende Ovationen.

Von Jörg Worat

30.04.2018
30.04.2018
Kultur Gastbeitrag von Stephan M. Rother - Über Hexenglauben und Walpurgisnacht
03.05.2018