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Kultur Chinesisches Festival weicht nach Hannover aus
Nachrichten Kultur Chinesisches Festival weicht nach Hannover aus
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17:44 16.08.2019
Heikle Angelegenheit: Der chinesische Künstler und Kurator Chen Jin – hier bei einer früheren Performance – kommt mit seinem Festival nach Hannover. Quelle: Foto: Chen Jin
Hannover

In Peking ging es schon vergangenes Jahr nicht mehr. Die Nähe zum Regierungssitz erschien Behörden und Veranstalter zu heikel. Also musste das Open International Performance Art Festival seinen Stammsitz Richtung Südchina verlassen. Nun findet es, das doch gedacht war, Chinesen heimische und internationale Performancekunst nahezubringen, nach 19 Jahren ganz außer Landes gehen – und findet erstmals in Deutschland statt: in Hannover.

Eine Schlüsselfigur ist die hiesige Künstlerin und Kuratorin Ilka Theurich. Sie hatte den Kontakt zu Festivalgründer Chen Jin, da sie selber im vergangenen Jahr für ihn performt hatte. „2018 war die Anspannung schon zu spüren“, erzählt sie. „Chen Jin hat damals schon gesagt, er wolle nicht aufgeben. Und wir haben gesagt, er soll sich melden, wenn es nicht mehr geht – der Anruf kam im April.“

Kurze Vorbereitungszeit

Sehr kurzfristig mussten Veranstaltungsorte und Förderer gefunden werden. Geld gab zum Beispiel das Kulturbüro der Stadt. Die Reisen der chinesischen Künstler finanziert eine Behörde in Hongkong.

Vier künstlerische Positionen werden zu sehen sein: Chin Jen bringt die Kollegen und Kolleginnen Hu Yifei, To Heuk Lai Chung Ling aus China und Hongkong mit. Aus den Niederlanden kommt Johannes Gérar, aus Goslar Beate Linne und aus Hannover Carlotta Oppermann sowie das umtriebige Künstlerpaar Lotte Lindner und Till Steinbrenner. Letztere werden das Festival am Montag auf dem Weißekreuzplatz eröffnen – mit einer Arbeit, die acht Meter in den Himmel ragt.

Beitrag zur Kunstfreiheit

Theurich möchte die hannoversche Ausgabe als Beitrag zu einer Debatte über Meinungs- und Kunstfreiheit verstanden wissen. Das Problem ist gar nicht mal, dass die gezeigte Kunst explizit politisch wäre (was sie auch bei dieser Festivalausgabe nur in Teilen ist) – sondern dass sie sich jeder Kontrolle entzieht.

Ein Buch, das gedruckt, einen Film, der vorgeführt, ein Bild, das ausgestellt werden soll, kann eine Zensurbehörde vorher begutachten: „Selbst der Künstler selbst weiß nicht genau, was passieren wird“, so Theurich. Und das ist mancherorts zu viel künstlerische Freiheit.

Das 20. Open International Performance Art Festival findet am 19. August 2019 im Pavillon (Lister Meile 4), am 20. August 2019 in der Turba Gallery (Stephanusstraße 23) und am 21. August 2019 auf dem Faustgelände (Zur Bettfedernfabrik 3) statt. Beginn ist jeweils um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Stefan Gohlisch

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