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Kultur Charly Hübner singt den „Mercy Seat“
Nachrichten Kultur Charly Hübner singt den „Mercy Seat“
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13:38 01.10.2018
Abgesang: Schauspieler Charly Hübner beendete mit „Mercy Seat – Winterreise“ die Niedersächsischen Musiktage. Quelle: Helge Krückeberg
Hannover

Helles Entzücken über düstere Stimmungen: Mit einem eigenwilligen Konzept endeten die Niedersächsischen Musiktage. Schauspieler Charly Hübner kombinierte für sein Programm „Mercy SeatWinterreise“ Teile des bekannten Liederzyklus von Franz Schubert mit Nick-Cave-Songs. Das Publikum im Großen Sendesaal des NDR zeigte sich höchst angetan.

Kann man in dem melancholischen Wandersmann bei Schubert und seinem Textdichter Wilhelm Müller auch so etwas wie eine Tätermentalität entdecken? Hübner, Krimi-Fans vor allem bekannt als schräger Kommissar Alexander Bukow in „Polizeiruf 110“, kann‘s zumindest und schlägt damit die Brücke zu den gebrochenen Tönen bei Nick Cave, mit dessen „Mercy Seat“ – damit ist der Elektrische Stuhl gemeint – er begann. In deutscher Übersetzung, was in solchen Zusammenhängen immer einen gewissen, durchaus interessanten Verfremdungseffekt birgt: „Ich bin schuldfrei. Ich bin fast völlig schuldfrei.“

Später stieg er in Sachen Cave auf die Originalsprache um, und diese Nummern gelangen ihm besonders gut. Bei Schubert wurde es kritischer. Natürlich ist Hübner kein Kunstlied-Sänger und versucht auch nicht, einer zu sein. Aber sein Vortrag mit manchem schiefen Ton erinnerte an frühere Zeiten, als man von Schauspielern wirkliche Sangeskunst nicht unbedingt erwartete – da hat sich mittlerweile doch eine ganze Menge geändert.

So schrammte Hübner hier und da sogar am moritatenhaften Sprechgesang entlang, punktete aber andererseits mit Gestaltung: Hier klang es dämonisch, da neckisch, dort stockend, und blitzschnelles Umschalten zwischen solchen Stimmungen ist für diesen Profi ein Klacks.

Komponist Tobias Schwencke hat die Stücke in ein Arrangement gegossen und dabei den Streichern vom Ensemble Resonanz allerhand abverlangt. Die zeigten sich indes sämtlichen Herausforderungen gewachsen, auch wenn sie etwa zwischendurch eine sprachlich abgewandelte Version vom „Lindenbaum“ schmettern mussten („Do steit een Linneboom ...“).

Nicht zu vergessen die kompetente Band mit Gitarrist Kalle Kalima, Bassmann Carlos Bica und Drummer Max Andrzejewski. Der Letztgenannte steuerte gegen Ende ein zwar sehr schönes, aber dramaturgisch nicht sonderlich sinnvolles Solo bei, eine Platzierung, die man von Rockkonzerten kennt, und ein etwas geschmäcklerisches Konzept. Wie dann doch mancherlei an diesem Abend, weshalb die verbreiteten Ovationen im Stehen letztlich übertrieben wirkten.

Die 45 Veranstaltungen der Niedersächsischen Musiktage 2018 endeten mit einer beachtlichen Platzauslastung von 87 Prozent. Lautete das Motto in diesem Jahr „Beziehungen“, wird es im kommenden „Mut“ heißen – und der neue Intendant Anselm Cybinski kündigte in seinen Grußworten bereits „riskante Drahtseilakte“ an. Bitte ja, unbedingt. Auch auf die Gefahr hin, dass nicht jedes Konzept glatt aufgeht.

Von Jörg Worat

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