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Kultur Busch-Museum zeigt Hans Traxler – nicht nur für Kinder
Nachrichten Kultur Busch-Museum zeigt Hans Traxler – nicht nur für Kinder
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15:58 22.02.2019
Traxler ist für alle da: Busch-Direktorin Gisela Vetter-Liebenow in der Ausstellung. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Manchmal geht es tatsächlich um Leben und Tod. Zum Beispiel bei Martha und ihrem Ferkel Emil. Eines Tages ziehen sie los aus ihrer Alpenidylle immer weiter, am Dorf vorbei, an Stromtrassen, an Viehtransportern, bis zum Schlachthof. Endstation? Nein. „Komm, Emil, wir gehn heim“, sagt Martha Abschiedsstimmung schwebt über der Geschichte, die doch Hoffnung ausstrahlt und damit typisch ist für das Schaffen Hans Traxlers, das im Wilhelm-Busch-Museum gezeigt wird.

„Paula, Emil, Willi & Eddy: Hans Traxler für Kinder“ ist der Titel dieser Ausstellung, der nur unzureichend beschreibt, was hier zu sehen ist. Zwar stammen die gezeigten 120 Werke aus Kinderbüchern des großen Karikaturisten. Und doch rühren sie so sehr an existenzielle Fragen, dass sie für Altersklasse mit großen Genuss lesbar sind. „Er schrieb die Bücher letztlich für sich selbst“, sagt Direktorin Gisela Vetter-Liebenow, „darum sprechen sie uns alle an.“

90 Jahre wird Traxler am 21. Mai alt. Er hat einst an der Städelschule freie Malerei studiert, zeichnete Karikaturen für die „Pardon“, war Mitbegründer des Satiremagazins „Titanic“ – das offen erwachsene Werk dieses Meisters der Neuen Frankfurter Schule wurde im Busch-Museum bereits gewürdigt. Sein erstes Kinderbuch, „Fünf Hunde erben eine Million“, erschien 1979; wer mag, kann in der darin vorkommenden Villa das frühe „Titanic“-Hauptquartier erkennen. Ein „wahrer Kern, ein wahrer Auslöser“ stecke in all seinen Kinderbüchern, so Vetter-Liebenow: „In ihnen konnte er nach Lust und Laune fabulieren.“

So wurde eine Leuchte seiner Frau in Gänseform zum Vorbild von „Paula, die Leuchtgans“, die sich eines Tages vom Wohnzimmer ausmacht, um die Welt zu entdecken und im mondänen „Café du Pont“ einen Gänsewein zu gönnen. Und sein Kater Fritzchen wurde zu „Willi – der Kater, der immer größer wurde“. In einem anderen Buch verhandelt Traxler „Eddy. Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte“.Es sind Geschichten von Aufbruch und Ankommen, ganz spielerisch und auch anspielungsreich zu Papier mit Feder, Bleistift, Tusche, Aquarell und einem klarem Strich, der den Meister zeigt.

Ein Meister auch der Verknappung ist dieser Menschenfreund und Tierliebhaber: Großartig sind die Bücher, in denen er etwa Darwins Evolutionstheorie oder Mozarts Werke auf den Punkt bringt: Acht Zeichnungen auf vier Blättern – das genügt pro Oper. Traxler macht das Große klein und das Kleine groß und tut beides voller Respekt. Wie es so ist und sich gehört bei Leben und Tod.

Historische Karikaturen

Historische und leider doch sehr aktuelle Karikaturen zeigt das Busch-Museum parallel zur Traxler-Ausstellung im Obergeschoss. „Krähwinkliaden“ heißen die Bilder von meist freiwillig anonym bleibender Künstler des 19. Jahrhunderts , die im Zeitalter des Vormärzes gegen Obrigkeitsgläubigkeit, das restaurative Regime und gegen Zensur anzeichneten. Die Bestandsausstellung ordnet die Bilder hsitorisch ein. Federführend übrigens ein gewisser Welfe namens Ernst August, der in einem der prägnantesten Bilder der nach Freiheit strebenden Germania die Flügel stutzt.

Günter Kunert zum 90.

Am 6. März wird Günter Kunert 90 Jahre alt – das Busch-Museum ehrt den als Schriftsteller bekannt gewordenen Totalkünstler mit der Ausstellung einer kleinen Auswahl seines grafischen Werks, das er 2012 dem Hause vermachte. Politische Motive, die Kunerts Erfahrungen mit der Nazi-Zeit und in der DDR zeigen, sind ebenso dabei wie mit festem Strich aufs Papier gebrachte Bilder von Katzen und Selbstporträts – und sogar Mischungen aus beidem.

Info

„Paula, Emil, Willi & Eddy: Hans Traxler für Kinder“ wurde am 22. Februar eröffnet und läuft wie die beiden Parallel-Ausstellungen bis zum 5. Mai. Mehr Informationen finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch

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