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Kultur Britney Spears gibt die "Femme Fatale"
Nachrichten Kultur Britney Spears gibt die "Femme Fatale"
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15:35 31.03.2011
Das neue Album von Britney Spears, "Femme Fatale".
Das neue Album von Britney Spears, "Femme Fatale".
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Von Sebastian Scherer

Gott. An erster Stelle, natürlich. Britney Spears weiß, wem sie danken muss. Am Ende wohl dafür, dass sie überhaupt noch danken kann, auf der letzten Seite des Booklets ihrer neuen Platte. „Femme Fatale“ heißt die, seit Freitag auf dem Markt.

Gott spielt eine wichtige Rolle im Leben der 29-Jährigen: Erst war sie so streng gläubig, dass sie sich aufsparen wollte, als Jungfrau in die Ehe gehen. Sie ging dann aber hauptsächlich den Bach runter. Teufels Beitrag zu Gottes Werk.

Die „Bild“ titelt 2007 „Endstation Schlampe“, als sie ohne Höschen aus dem Auto steigt. Britney rasiert sich eine Glatze, Britney prügelt Fotografenautos mit dem Regenschirm, Britney wird fast tot ins Krankenhaus gebracht. Entzug, Exzess, et cetera. Wettbüros nehmen Tipps entgegen, wie lange sie noch macht. Aber Gott gibt ihr eine zweite Chance, ihr Papa Britney als Vormund seit drei Jahren die Regeln vor. Ein Superstar bekommt Taschengeld und Handykontrollen.

Britneys neues Album ist genauso kontrolliert wie ihr Leben. „Femme Fatale“ ist eine mathematische Formel, kein Kunstwerk, mit dem sich jemand verwirklicht – eine Ambition, die Britney in 13 Jahren Karriere aber sowieso selten zu hegen schien.

Ausführende Produzenten sind Max Martin und Lukasz Gottwald (Dr. Luke). Martin schneidert Spears seit „Baby One More Time“ Hits auf den Leib, Dr. Luke brachte in den vergangenen Jahren Ke$ha, Katy Perry, Avril Lavigne und zahllose andere an die Chartsspitze. Das Management des Superstars ging beim siebten Album auf Nummer sicher.

Es ballert und bumst auf „Femme Fatale“, eine Disko-Platte, Autoscooter- und Großraumdisko-tauglich. „Big Fat Bass“ mit und von Will.I.Am (Black Eyed Peas) startet monoton, ein 80er-Keyboard spielt die Melodie, die sich durch das brachiale Bassstapfen schlängelt. Die erste Single, „Hold It Against Me“, ist ein glatter Techno-Stampfer, statt eines Mitsing-Refrains dröhnt ein Beat, der wie eine wildgewordene Kettensäge rast. Der stärkste Song, „Till The World Ends“ klingt, als seien Britneys Hits in einen Elektro-Mixer geworfen worden und wunderbar verschmolzen.

Viel Tanzflächenbombast dann, „I Wanna Go-o-o“ kann jeder gleich mitsingen. Bei einem der wenigen langsameren Stücke, „Inside Out“, zitiert Britney ihre Hits „One More Time“ und „Crazy“. Solche Spielereien sind selten, die Texte meist Mittel zum einzigen Zweck, die Sängerin irgendwie auftauchen zu lassen. Die Sängerin, deren Stimme Instrument ist, ein Produzenten-Spielzeug, das sie verzerren und strecken, wie es die Melodie verlangt. Aber: Die trotzdem jeden Song unverkennbar zu ihrem macht. Das Einkaufen der größten Produzenten sichert, dass „Femme Fatale“ Club-Standards erfüllt – und stellenweise setzt. Ob sie damit wieder der ganz große Weltstar wird, soll Gott entscheiden.

Bewertung: 4/5.

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