Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Bonnie Tyler feiert 40 Jahre Herzschmerz
Nachrichten Kultur Bonnie Tyler feiert 40 Jahre Herzschmerz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 29.03.2018
Fingerzeig: Bonnie Tyler bei ihrem Auftritt im Theater am Aegi.
Fingerzeig: Bonnie Tyler bei ihrem Auftritt im Theater am Aegi. Quelle: Christian Behrens
Anzeige
Hannover

Ach, so ein Herschmerz, der kann schon dauern, manchmal 40 Jahre lang. 1978 sang Bonnie Tyler zum ersten Mal „It’s a Heartache"; es wurde der endgültige Durchbruch für die damals 16-jährige Waliserin. Nun feiert sie per Tour Jubiläum, die sie auch ins ausverkaufte Theater am Aegi führt. Dort beschließt sie ein Wochenende der Veteranen – Peter Kraus und Chris Norman waren vorher da.

Bestuhlter Saal, Beginn – mit der exzellenten irischen Songwriterin Sharron Levy – um 19 Uhr; es ist ein Rock-Konzert alter Schule gediegen und kultiviert. Abgesehen vielleicht von dem einen etwas rüpelhaften Fan in Reihe 2, der zwischen Schlucken aus dem Jägermeister-Flachmann johlt, als sei er beim Kirmes-Wrestling.

Auf der Bühne steht eine Dame, mit feinem Lächeln, dreckiger Lache und einer Stimme, die noch jedes Wässerchen trüben kann. Tyler erzählt Episoden aus ihrer Karriere: wie sie nach einer frühen Stimmlippenoperation den Mund nicht halten konnte und so zu ihrem rauen Organ kam („Ich sollte sechs Wochen nicht reden. Ich. Sechs Wochen. Können Sie sich das vorstellen?“), wie Jon Bon Jovi sie mal auf den Arm nahm („es ist ja nicht so, dass ich 50 Kilo wiege ...“) und wie ihr Song „Simply the Best“ ihr zum Flop, Tina Turner aber zum Hit geriet – „da wusste ich, dass ich meinem Geschmack vertrauen konnte“.

Und so singt sie sich eineinhalb Stunden lang durch ihr Werk: die erste Single „Lost in France“, das epische „Total Eclipse“, „Faster than the Speed of Night“ mit dem flirrenden Keyboard, das epische „Hero“, dazu „To love somebody“ der Bee Gees, Janis Joplins „Turtle Blues“ und Turners „River deep, Mountain high“. Die Band rockt souverän, die Lichtregie zaubert hundert Farben.

Tyler hat sich gut gehalten, ihre Stimme noch mehr – endlich klingt sie nicht viel älter als die dazugehörige Sängerin. Zum Schluss präsentiert sie – Küsschen! – ihren eigenen Hero, ihren Mann Robert Sullivan. Irgendwann ist auch mal gut mit Heartache.

Von Stefan Gohlisch