Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Black Death“: Sean Bean als Ritter zu Zeiten der Pest
Nachrichten Kultur „Black Death“: Sean Bean als Ritter zu Zeiten der Pest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:38 09.09.2010
Mönchsnovize Osmund (Eddie Redmayne) und Ritter Ulric (Sean Bean).
Mönchsnovize Osmund (Eddie Redmayne) und Ritter Ulric (Sean Bean). Quelle: Central Film
Anzeige

Die Seuche löschte im 14. Jahrhundert geschätzte 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung aus. Das Drama, dessen Geschehnisse aus der Sicht des Mönchsnovizen Osmund geschildert werden, spielt im Jahre 1348 in einem apokalyptisch verwüsteten England.

Osmund ist zerrissen zwischen seinem religiösen Gelübde und seiner Liebe zu dem Mädchen Averill. Während sich die Toten in den Straßen häufen, schickt er Averill fort, um sie vor dem Schwarzen Tod zu bewahren. Im Kloster treffen derweil bischöfliche Gesandte ein, die auf der Suche nach einem mysteriösen Dorf sind, das von der Pest verschont wurde. Das, so die um ihren Einfluss fürchtenden Kirchenmänner, kann nur Teufelswerk sein. Osmund, der Averill an einem vereinbarten Treffpunkt im Wald wieder sehen will, bietet sich an, den wüsten Söldnertrupp unter dem Befehl des Ritters Ulric zu begleiten.

Gedreht wurde das ungewöhnliche Horrordrama im Harz und in Brandenburg, doch die Crew ist englisch. Mit viel Gefühl und anfänglicher Zurückhaltung inszeniert Christopher Smith, der sich als Horrorregisseur einen Namen gemacht hat, die zunehmend irreale Stimmung dieser Reise. Bei ihrem Zug durch unwegsames Gelände treffen die alt und zynisch gewordenen Kreuzzügler auf wahnsinnig gewordene religiöse Geißler, auf Strauchdiebe und Hexenverfolger. Umso größer ist der Kontrast zu dem mysteriösen Dorf hinter einem Sumpf, in dem alle Bewohner so sanft, sauber und aufgeräumt sind, dass sich die Eindringlinge fast wie im Paradies wähnen.

Die Gebieterin dieser verwunschenen Siedlung ist die schöne Heilerin Langiva. Freie Liebe, Hygiene, Kräuterwissen und eine verstaubte Kirche wirken zugleich verführerisch und beunruhigend - zumindest aus Sicht der perplexen Soldaten, die ihre Folterwerkzeuge verstecken und sich als Flüchtlinge ausgeben. Geschickt verknüpft die Handlung das innere Drama von Osmund, der sich für den vermeintlichen Tod von Averill verantwortlich fühlt, mit übersinnlich-nekromantisch angehauchten Erlebnissen und mit seinen Zweifeln an einem Glauben, der Menschen die Hölle auf Erden bereitet und sie auf das Himmelreich vertröstet.

Doch was anfangs wie eine stimmungsvolle Parabel über sinnenfrohes Heidentum versus Glaubensfanatismus wirkt, kippt im letzten Filmdrittel leider in ein heillos verquastes Gemetzel. Statt sich um ihre Nachhut zu kümmern, hält die Matriarchin atheistische Standpauken und wird als feministisch-satanischer Gegenpart zum gnadenlosen Ulric aufgebaut - den Sean Bean, seit „Herr der Ringe“ auf die Rolle des verbissenen Kriegers abonniert, mit gewohntem Ingrimm spielt. Ketzer, Folter, Hexen, Sadismus, Verrohung: Die seit „Der Name der Rose“ bekannte böse alte Zeit bekommt man letztlich in einer ultrabrutalen Version noch mal serviert.

ap