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Kultur Berührendes Weihnachtsoratorium
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14:37 22.12.2017
Weihnachtlich: In der Marktkirche gab es das Weihnachtsoratorium von Bach.
Weihnachtlich: In der Marktkirche gab es das Weihnachtsoratorium von Bach. Quelle: (Alexander Körner
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Hannover

Es ist immer wieder beglückend, wenn der Bachchor Hannover, das Bachorchester Hannover und die Solisten das traditionelle Weihnachtsoratorium vor den Festtagen in der Marktkirche aufführen. In diesem Jahr stehen die Kantaten 1 bis 3 auf dem Programm. Dem vorangestellt – eine Besonderheit – Bachs „Magnificat“, der Lobgesang der Jungfrau Maria. Insgesamt mehr als 1300 Zuhörer erlebten Donnerstag- und Freitagabend, wie Dirigent Jörg Straube die 120 Akteure zu einem homogenen Klangkörper mit großartiger Klangfülle formt – auch mit dabei: der Kinder- und Jugendchor der Marktkirche.

Exzellente Rhythmik, faszinierende Dynamik und beeindruckende Transparenz; filigran sind die Stimmenpartien ineinander verwobenen. Fünf Solisten sind zu Gast: Die Soprane Kerstin Dietl und Dorothea Voßmeier sowie Sarah Kelemen (Alt), Joscha Eggers (Tenor) und Torsten Gödde (Bass). Wundervoll die drei Frauenstimmen bei „Suscepit Israel ...“ wie auch der Chor bei „Gloria...“.

Kurze Pause, bevor es mit dem großartigen Oratorium über die Menschwerdung Christi weitergeht. Gedämpft hört man die Weihnachtsmarktgeräusche vor der Kirche, so dass für Momente die Alltagswelt wieder präsenter wird. Sobald aber Bachs tiefreligiöse, beschwingt-feierliche Musik wieder beginnt, rückt alles Irdische in weite Ferne.

Gänsehaut beim Eröffnungschoral: „Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage“: Tiefes Wohlgefühl bei den getragenen Chorälen („Wie soll ich dich empfangen...“). Glanzvoller Klang auch bei den Stimmen: Eggers singt, einem überzeugten Verkünder gleich, mit ihrer klaren Tenorstimme die narrativen Evangelien-Texte. Gödde überzeugt mit seinem warmen Timbre. Wunderbar auch Kelemen, sie berührt mit der innigen Arie „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh...“. Ebenso Dietl, mit „Fürchtet euch nicht...“. Exzellent auch das solistisch spielende Orchester: bewegend, schön, zart und luftig die getragen-melancholische „Sinfonia“. Das ergreifende Klangerlebnis endet mit dem großartigen Hymnus „Herrscher des Himmels...“.

Nach zwei Stunden gibt es sieben Minuten langen, herzlichen Applaus. Diese Traditionskonzerte, man mag auf sie nicht verzichten, gehören einfach zum Fest.

Wieder am 23. Dezember ab 20 Uhr in der Marktkirche. Es gibt noch Karten.

Von Christian Seibt

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