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Kultur Bei „Freund Hain“ wird Sterben persönlich
Nachrichten Kultur Bei „Freund Hain“ wird Sterben persönlich
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16:21 01.04.2019
Morbide: Szene aus „Freund Hain“ im Theater an der Glocksee mit (von links) Uwe Dreysel, Jonas Vietzke, Helga Lauenstein und Lena Kußmann. Quelle: Jonas Wömpner
Hannover

Der Tod steht ihr gut, wie sie da so in ihrem Sarg liegt, die Helga, in wolkigem Blouson. Nur als eine der Hinterbliebenen die Bibel vorzulesen beginnt, winkt sie energisch ab. Der Tod sei nun mal eine ziemlich persönliche Angelegenheit. Man möge ihn doch ebenso nehmen.

Und so hebt im Theater an der Glocksee ein Spiel an, ein Theaterexperiment. 25 Szenen haben die Akteure Helga Lauenstein, Uwe Dreysel, Lena Kußmann und Jonas Vietzke vorbereitet. Welche davon gespielt werden, überlässt Regisseurin Milena Fischer-Hartmann (in ihrer ersten Arbeit in der neuen Funktion als Künstlerische Leiterin der Bühne) dem Zufall. Bingo-Kugeln entscheiden darüber, was wann und was überhaupt zur Aufführung kommt. „Das Spiel des Lebens“, so der Untertitel, ist ein Stück-Werk mit Ansage.

Eine U-förmige Tafel, auch als Laufsteg zweckentfremdbar, ist die Spielfläche für die sichtlich und ansteckend neugierigen Akteure. Wenn einer in die Grube fährt, hat das unterschiedliche Fallhöhen. Mal geht es – klatschend, stampfend und singend – in Michael Jacksons „Thriller“-Totentanz, mal mit Aeneas in die antike Unterwelt, als schräges Schattenspiel. Die ästhetischen Formen sind so vielseitig wie die Aspekte der Annäherung an das Undenkbare.

Mal wird es allgemein, mal persönlich, mal komisch, mal poetisch. Eine „Frau Tod“ Lauenstein) taucht auf und postuliert: „Das ganze Leben ist ein Gesundheitsrisiko: Es endet immer tödlich.“ Und ihr menschliches Gegenüber (Vietzke) entgegnet: „Ist das nicht der Sinn von Kunst: den Tod zu bequatschen und aufzuhalten?“ Ein Palliativpfleger (Dreysel) berichtet von seiner Arbeit, während ein Priester (wieder Vietzke) dem Sterbenden letzte Vorhaltungen macht und Kußmann aus dem Totenbuch der Tibeter liest und damit einen ganz anderen, natürlicheren Umgang mit dem Tod eröffnet.

Eine klassische Dramaturgie fehlt bei einer solchen Konstruktion naturgemäß. Nicht jede Szene trägt, und weil bei der Premiere die sonst so unerbittlich ablaufende Uhr hakt, dauert es da doch länger als die an sich avisierten knapp zwei Stunden. Und somit zu lang. Aber hier gehen Gedankenräume auf, gerade in der zufallsgesteuerten Vielfalt.

Der Tod, der ist nun einmal ein das große Unbekannte, das weiteste Feld überhaupt. Man kann sich ihm kaum anders nähern als im Versuch. Das mag – und das gilt für das Sterben ebenso wie für dieses Stück darüber – mal mehr, mal weniger gut gelingen, aber sicher ist: Wenn der Vorhang fällt, gehen garantiert die Lichter aus.

Von Stefan Gohlisch

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