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Kultur Architekt Franco Stella beim BDA-Forum
Nachrichten Kultur Architekt Franco Stella beim BDA-Forum
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08:00 13.11.2010
Von Johanna Di Blasi
Architekt Franco Stella beim BDA-Forum
Architekt Franco Stella beim BDA-Forum Quelle: Blüher
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Er selbst betrachtet sich als „später Mitarbeiter“ eines Prestigeprojekts, das für die deutsche kulturelle Identität von eminenter Bedeutung ist: der aus ­Italien kommende Schlossbauer Franco Stella. 2008 hat der germanophile Architekt den Wettbewerb für die Errichtung des Berliner Stadtschlosses gewonnen. Seine Kritiker, vor allem aus der eigenen Zunft, sehen den Professor hingegen als Fahnenflüchtigen. Der Vertreter des ­„Razionalismo“, also der italienischen Spielart des modernen Neuen Bau­ens, greift in Berlin nämlich weit hinter die modernen Revolutionen zurück, erschafft eine barocke Residenz neu.

Im arenaartigen Vortragssaal des Sprengel Museums, wo der 1943 Geborene auf Einladung des Bundes Deutscher Architekten beim BDA-Forum über seine Schlosspläne und die Problematik der Rekonstruktion sprach, saßen überwiegend Architektenkollegen, also Rekonstruktionsgegner. Roman Graf vom BDA sprach in seinen einführenden Worten von „Fake“, „Chimäre“, „Kulisse“ und „Fälschung“. Er zitierte Wolfgang Schneider, den Präsidenten der Niedersächsischen Architektenkammer, mit den Worten, die neuen Schlösser, ob in Berlin, Braunschweig oder Hannover, suggerierten, es habe die „Geschichte von Krieg und Zerstörung nie gegeben“.

Stella nahm gut gelaunt das Mikrofon in die Hand und legte in stark akzentgefärbtem, aber gut verständlichem Deutsch seine Argumente dar. Am Beispiel des Anfang des 20. Jahrhunderts nach seinem Einsturz originalgetreu rekonstruierten Campanile auf dem Markusplatz in Venedig erläuterte er, dass schon damals Denkmalschützer gegen die Rekonstruktion waren. Otto Wagner, der moderne Architekt, habe einen modernen Campanile vorgelegt. Doch der damalige venezianische Bürgermeister bestimmte: „Dov’era com’era“ – wie er war und wo er war, solle der Turm aufgebaut werden.

Stella beobachtet in der modernen Rekonstruktionsdebatte eine doppelte Fetischisierung des Originals: Denkmalschützer seien gegen die Rekonstruktion, weil sie sich der „Originalität der Bausubstanz“ verpflichtet fühlten; moderne Architekten seien gegen historische Kopien, weil sie die unbedingte „Originalität der Form“ anstrebten, will heißen: Sie wollen selber Duftmarken setzen, vorzugsweise in Stadtzentren. In Deutschland spielten in die Diskussion auch noch „ideologische Probleme“ hinein. Das Parlament, so Stella, habe sich 2007 für die barocke Fassade entschieden, nicht um dem stilistischen Neobarock in Deutschland den Weg zu ebnen, sondern weil an jener Stelle Berlins „nur das barocke Schloss die Lücke schließen kann und nicht die tausend anderen möglichen Formen, so schön sie auch sein mögen“.

Ohne dazu verpflichtet zu sein, führt der Italiener einige barocke Elemente, etwa bei den Portalen, auch in den ansonsten modernen Innenhöfen fort. „Ich will es nicht anders“, sagt er. In Berlin rechnet man damit, Ende 2013 mit dem Bau des 552-Millionen-Euro-Projekts beginnen zu können. 2018 könnte das Hauptgebäude des Berliner Stadtschlosses fertig sein. Von den 80 Millionen Euro an benötigten Spenden sind bislang 15 Millionen gesammelt worden.