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Kultur AnnenMayKantereit: Reibeisenstimme mit Optimismus
Nachrichten Kultur AnnenMayKantereit: Reibeisenstimme mit Optimismus
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15:37 17.03.2019
In der Tui-Arena: AnnenMayKantereit. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

„Die Vögel scheißen vom Himmel, und ich schau dabei zu“ – was für eine Zeile als Opener für ein Konzert. Die Band AnnenMayKantereit hat in die Tui-Arena geladen. Mehr als 12 000 Fans sind der Einladung gefolgt und lassen sich von einer Reibeisenstimme und einem Lied über zaghaften Optimismus in die Gedankenwelt der Kölner Folk-Pop-Musiker entführen.

Melancholisch, erwachsen und doch irgendwie leicht präsentieren sie Altes und Neues und zeigen an diesem Abend deutlich, dass sie mit den ganz Großen mithalten können.

Mit der Indierockband „Giant Rooks“ wird erstmal vorgeglüht. Ihr Sound ist modern, ausdrucksstark, beinahe ekstatisch ihre Liveperformance. Die Stimme des Sängers: charakteristisch rau. Musik mit Ecken und Kanten an den richtigen Stellen, ideal zur Vorbereitung auf den Hauptgang des Abends.

Am Sonnabend spielte die Band vor 12.000 Fans in Hannover, Support war „Giant Rooks“.

Und dann stehen sie da, die vier jungen Herren von AnnenMayKantereit – vor dem bisher größten Publikum ihrer musikalischen Laufbahn. Ihr Auftritt ist unaufgeregt, beinahe schlicht: ein vorerst simples Beleuchtungskonzept auf einer kleinen Bühne mit einem unspektakulären schwarzen, gerafften Vorhang im Hintergrund. Die Jungs und ihre Musik stehen wortwörtlich im Vordergrund.

Nur zögerlich trauen sich die Ersten in den Rängen aufzustehen. Wie kleine Keimlinge sprießen sie nach und nach empor bis es bei „Wohin du gehst“ dann schließlich niemanden mehr auf den Plätzen hält.

Das zweite Highlight folgt prompt: der Hintergrundvorhang fällt, die kleine Bühne öffnet sich in die Breite und in die Tiefe und gibt den Blick auf einen großen Steg mit Instrumentenpodesten frei, der von einer schrägen Fläche mit weißen Papierartigen Elementen im Hintergrund komplementiert wird – eine riesige Wand mit Post-its, die in der Show verschiedenartig leuchten sowie eindrucksvoll beleuchtet und anprojiziert werden. Das direkte Bühnenlicht bleibt weitestgehend diffus.

AnnenMayKantereit spielen sich durch ihre gesamte musikalische Palette. Das Drogenlied „Schon krass“ oder „Weiße Wand“ vom neuen Album „Schlagschatten“, mit dem sie deutlich Stellung gegen Rechtspopulismus beziehen, treffen auf intime Liebeslieder, die wohl für die meisten Fans mit unerträglich starken Emotionen aufgeladen sind. Henning Mays Stimme kratzt und reibt sich durch die riesige Halle.

Doch das Publikum bekommt nicht ausschließlich melancholische Rückblenden auf zerbrochene Liebe und Freundschaften geboten – es darf, kann und soll auch das Leben feiern. Songs wie „21, 22, 23“, „Ich geh heut nicht mehr tanzen“ sowie ihr großer Hit „Pocahontas“ rücken die Schwermut mit Leichtigkeit in den Hinter- und die gute Laune in den Vordergrund.

Es wird getanzt und aus Leibeskräften mitgesungen. Ja, Optimismus können sie auch, die Kölner Jungs. Aber irgendwie bleiben Nachdenklichsein und Intimität ihre Steckenpferde.

Das zeigt sich besonders bei ihrem kurzen akustischen A-Cappella-Abstecher im Gang des Unterranges. Sie singen gemeinsam mit dem Publikum „Ich will ein Ozean“, während sich die Tui-Arena in ein funkelndes Lichtermeer verwandelt. Nach einer intensiven und emotionalen Interpretation von „Barfuß am Klavier“ und „Oft gefragt“ tritt auch wirklich jeder Zuschauer glücklich und beseelt den Heimweg an.

„Wir haben das selten, dass wir vor 12 000 Leuten spielen und uns wohlfühlen.“, gibt Sänger Henning May sichtlich gerührt zu. Obwohl sie mit ihrem Charisma und ihrem Talent sicher locker auch die Stadien füllen könnten, wünscht man sie sich insgeheim dann doch in kleinere und eben intimere Locations zurück. Denn man braucht eben nicht mehr als einen einfachen Bühnenspot, eine markante Reibeisenstimme am Klavier und einen kleinen Hauch Optimismus. So was, ja genau, „so was kriegt du aus’m Herzen nicht mehr raus.“

Von Aline Westphal

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