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Kultur Anna, die Schule und der liebe Gott - Prechts neuer Roman
Nachrichten Kultur Anna, die Schule und der liebe Gott - Prechts neuer Roman
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11:50 23.04.2013
Von Evelyn Beyer
WILL ZENSUREN UND KLASSEN ABSCHAFFEN: Richard David Precht, Philosophie-Dozent und Vater eines schulpflichtigen Sohnes. Quelle: Florian Schuh

„Gutes Lernen, so könnte man sagen, ist wie guter Sex“: Das ist doch wieder schön griffig formuliert. Auch wenn es etwas verhalten weitergeht: Nicht auf die Athletik, Tempo und Frequenz komme es an, sondern auf Eindringlichkeit, individuelle Variation und „nachhaltigen positiven Effekt auf unsere Psyche“.

Das schreibt Richard David Precht, Deutschlands schickster Philosoph, zudem mit eigener TV-Sendung. Und die Eindringlichkeit und so weiter vermisst er an Deutschlands Schulen. Angesichts von Teenies, die im 45-Minuten-Takt Unterricht über sich ergehen lassen, um das Eingetrichterte nach der Klassenarbeit schleunigst zu vergessen, möchte man ihm recht geben. „Anna, die Schule und der liebe Gott“ (Goldmann, 352 Seiten, 19,99 Euro) heißt Prechts neuestes Buch, schon das Thema ist wieder bestsellergerecht, Unbehagen am Bildungssystem geht immer.

Und Precht fordert gleich eine Revolution, natürlich wissenschaftlich begründet. Mit dem alten Humboldt, mit Statisken zu Chancengleichheitsmängeln, Pisa-Berichten, Analyse der Lehrerrolle und natürlich seiner Lieblingsdiziplin Hirnforschung.

Was er zusammenträgt, ist schon schlüssig, populär aufgeschrieben und mit Anekdoten gespickt. Gekrönt von einer Zehn-Prinzipien-Liste, die wie ein Wunschzettel an den Schulweihnachtsmann klingt. Keine Klassen, keine Noten, stattdessen intrinsische Motivation (aus eigenem Interesse heraus) und individuelles Lernen fördern, dazu etwa in Mathe Computer einsetzen. Ansonsten Zusammenhänge vermitteln, Verantwortungskultur schaffen, Wertschätzung, lernfreundliche Architektur - in übersichtliche „Lernhäuser“ zusammengefasst sollen die Schüler in Gruppen übergreifend unterrichtet werden, Zusammengehörigkeit entwickeln, dazu Rituale pflegen und wetteifern, so à la Harry Potters Hogwarts.

Und nur eines hat Precht bei seinen Recherchen gescheut wie der Teufeldas Weihwasser: mal mit denen zu sprechen, die solche Ideen lange, lange vor ihm hatten und erprobten. Alternative Schulen etwa wie die seit fast 40 Jahren erfolgreich nach ähnlichen Prinzipien arbeitende Glockseeschule Hannover. Oder diejenigen, die sich intensiv konkret um Veränderungen bemühen: Grundschule heute ist völlig anders als vor 30 Jahren.

Aber dann hätte der kluge Herr Precht sich ja nicht die Krone des großen Ideengebers aufsetzen können, die von einem, der mit dem lieben Gott loszieht, Anna eine vernünftige Schule zu verschaffen. Was Precht sagt, sei Schulgesetz. Besser wäre es: Es würde die Schule sicherlich positiv erneuern - und uns nebenbei so einige eitle Talk-Show-Quasseleien ersparen.

Bewertung. 3/5

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