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Kultur Anna Blume zum 100. Geburtstag
Nachrichten Kultur Anna Blume zum 100. Geburtstag
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19:19 11.09.2019
Am Hochsitz: Autor Peter Struck präsentiert im Calder-Saal des Sprengel Museums sein Buch „Anna Blume, unverblüht. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Bei Damen ist es ja eigentlich uncharmant, übers Alter zu sprechen. In diesem Fall darf man wohl eine Ausnahme machen: Anna Blume wird 100 Jahre alt. Dass die rüstige Seniorin eine fiktive Gestalt ist, hat ihrer Popularität keinen Abbruch getan: Hannovers „Merz“-Künstler Kurt Schwitters rief sie 1919 ins Leben und begann sein Gedicht mit den unsterblichen Zeilen: „O du, Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne, ich liebe dir! – Du deiner dich dir, ich dir, du mir. – Wir?“ Zum runden Geburtstag ist nun das Buch „Anna Blume, unverblüht“ von Peter Struck erschienen und wurde mit einer launigen Performance präsentiert, passenderweise im Sprengel Museum.

Der Autor las dabei selbst, zwischendurch schon mal durchs Megaphon, und auch Strucks Mitstreiter bedienten sich ungewöhnlicher Vermittlungsformen: Susanne Neuss deklamierte vom Hochsitz herab, Peter Behnsen legte einen forciert-druckvollen Sprachduktus an den Tag. Thommi Baake wiederum zeigte Dialekt-Akrobatik, und Peter „Pete The Beat“ Wehrmann bestach mit seiner Mouth Percussion.

Inhaltlich fördern Strucks Forschungen auch unbekanntere Facetten über Schwitters‘ weibliches Alter Ego zutage. So hat das Gedicht prinzipiell denselben Ausgangspunkt wie viele Merz-Bilder – es beruht auf einem Fundstück. Das offenbar von Kinderhand an einen Bauzaun gekritzelte Graffito „Anna Blume hat ein Vogel“ beflügelte Schwitters‘ Fantasie, und die in grammatischer Hinsicht eigenwillige Formulierung taucht wörtlich im fertigen Gedicht auf.

Genüsslich schildert Struck das Buch die Reaktionen auf die Erstveröffentlichung, wobei die diesbezüglichen Briefe überwiegend den Geisteszustand des Dichters thematisieren: „Er scheint ja sonst ein ziemlich harmloser Irrer zu sein“, lautet eine der zurückhaltenderen Äußerungen. Andere fühlen sich zu Parodien ermutigt, die zumindest im Einzelfall durchaus einiges Talent verraten.

In der Folge spielte Schwitters spielte immer weiter mit der Figur: „Aus einer Marotte entwickelt sich langsam eine Marke“, weiß Struck und verschweigt keineswegs die Gefahr, dass hier etwas „beinahe zu Tode geritten wird“. Tatsächlich: Auf eine Anna-Blume-Rezitation bei einer Veranstaltung 1930 reagiert ein Zeitungskritiker genervt: „Das ist Stillstand“, schreibt er und: „Heute ist Schwitters einfach unmöglich.“

Und zugleich doch unverwüstlich. Bis in die Neuzeit: Timm Ulrichs gab per Annonce seine Vermählung mit Anna Blume bekannt, Max Sauk widmete ihr einen Brunnen, und Doris Dörrie ließ eine gleichnamige Figur im Film „Mitten ins Herz“ auftreten – zu sehen am 16. Oktober im Koki.

Peter Struck: Anna Blume, unverblüht“. Wehrhahn Verlag, 128 Seiten, 14,80 Euro.

Von Jörg Worat

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