Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Alptraum im Sahara-Sand
Nachrichten Kultur Alptraum im Sahara-Sand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:59 02.04.2009
Horror als Fernsehfilm: Szene aus der Sahara
Horror als Fernsehfilm: Szene aus der Sahara Quelle: ddp
Anzeige

So geht es auch den Protagonisten in dem Film “30 Tage Angst“, den das ZDF am Montag (6. April) um 20.15 Uhr ausstrahlt. Allerdings haben sich die acht deutschen Touristen den exotischen Ausflug in die Wüste zum Knipsen der imposanten Dünenformationen etwas anders vorgestellt. Denn die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe erlebt einen Alptraum: Sie wird von Nomaden entführt, die Lösegeld erpressen wollen.

Entführt werden der Ex-Soldat Martin Seibt (Oliver Stokowski) und seine frustrierte Frau Nina (Ann-Kathrin Kramer), die den letzten gemeinsamen Urlaub vor der Scheidung mit der 15-jährigen Tochter Svenja (Isolda Dychauk) verbringen wollen. Neben dem jovialen Metzgermeister Harald Gröbner (Wolfgang Stumph) und seiner Frau Magda (Ramona Kunze-Libnow) gehören die junge Kosmetikverkäuferin Yvonne Seeling (Stephanie Stumph) und die 65-jährige gehbehinderte Waltraud Azir (Cordula Trantow) zu der Gruppe.

In einem abgelegenen Tal filmt der Anführer der Kidnapper die Entführten, um mit dem Video die Lösegeldforderung zu untermauern. Die Konflikte verschärfen sich, als das Militär mit Hubschraubern die Entführer aufschreckt und ein Kidnapper bei einem Streit Magda versehentlich erschießt. Immer verzweifelter diskutieren die Geiseln, ob sie die Flucht in die gefährliche Wüste wagen sollen.

Das Drehbuch zu der abenteuerlichen Story schrieb Thorsten Näter, der sich vor allem als Regisseur solider TV-Krimis einen Namen gemacht hat und auch bei “30 Tage Angst“ Regie führt. Inspirieren ließ er sich von einigen Entführungen in Nordafrika und anderswo, die in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen sorgten. Während der Dreharbeiten wurde bekannt, dass in Ägypten fünf deutsche Urlauber entführt worden waren. Eine Nachricht, die die Schauspieler ins Nachdenken brachte, wie Hauptdarsteller Stokowski in einem Interview sagte: „Wir verfolgten das reale Geschehen übers Fernsehen und versuchten gleichzeitig als Schauspieler, uns in vergleichbare Situationen zu bringen.“

Die Geschichte siedelte Näter in einem ungenannten afrikanischen Land an. Wegen der prekären Sicherheitslage im Sahara-Gürtel drehte das Team im südafrikanischen Namibia, wo die Wüste Namib die Sahara „doubelte“. Deswegen sprechen die von Laiendarstellern verkörperten Entführer im Film auch nicht Arabisch, sondern namibische Stammessprachen, was aber nur wenigen Zuschauern auffallen dürfte.

Unter Näters Regie machen die zumeist prominenten deutschen Schauspieler ihre Sache gut. Die straffe Inszenierung setzt auf eine Prime-Time-taugliche Kombination aus melodramatischen Überhöhungen, geschickt arrangierter Gruppendynamik und martialischen Militäreinsätzen. Umso bedauerlicher, dass Näter einige unnötige Schnitzer unterlaufen sind: So verwendet das Drehbuch reichlich Zeit auf das Beschaffen und Verstecken von Zündkabeln für ein Fluchtauto, erklärt aber nicht, woher Martin Seibt den Zündschlüssel hat. Und nachdem die geflüchteten Geiseln gerade wunderbarerweise einem Sandsturm entkommen sind, fahren die Verfolger, die sie ja hinter sich gelassen haben, ihnen direkt entgegen. Aber vielleicht sind Wüsten ja nicht nur faszinierend, sondern auch immer für eine Überraschung gut. ddp

02.04.2009
02.04.2009
02.04.2009