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Kultur Alk, Einlass, Polka: Hannovers Opernball für Anfänger
Nachrichten Kultur Alk, Einlass, Polka: Hannovers Opernball für Anfänger
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18:07 26.02.2019
So sahen die Debütanten beim Opernball 2018 in Hannover aus.
So sahen die Debütanten beim Opernball 2018 in Hannover aus. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Vorhang auf zum großen Opernball: Hannovers gesellschaftliches Highlight steigt am 1. und 2. März. Was gibt es zu Hören, Sehen und Tanzen – und was ziehe ich an: Das NP-Opernball-ABC macht schon mal Lust auf zwei walzerselige Nächte.

Alkohol: Ist natürlich wichtig, nahezu unbegrenzt verfügbar, siehe unter C. Ansonsten wird das Getränkeangebot vom Caterer in Teilen sorgfältig auf das jeweilige Motto abgestimmt. Wer es ein wenig gradliniger möchte: Zum Walzer und Smoking passt natürlich auch ein entsprechend eingeschenktes Pils.

Ballkleid: Das normale Abendkleid wird natürlich gern gesehen. Verkleiden ist erlaubt: siehe unter V. Traditionell wird sich in Hannover auch gerne schulterfrei und aufgerüscht präsentiert. Oder mal ganz elegant in fließendem Schwarz von fernöstlichen Modemachern.

Champagner: Gibt es ebenfalls ausreichend in vierstelliger Zahl. Die geköpfte Flaschenzahl bleibt geheim. Und an diesem Abend hält man sich passenderweise an das Motto von Coco Chanel: „Ich trinke nur Champagner bei zwei Gelegenheiten: Wenn ich bin verliebt und wenn ich es nicht bin.“

Debütanten: 80 nehmen an jedem Abend teil, bestens einstudiert von der Tanzschule Bothe. Der Auftritt ist diesmal inspiriert von den prächtigen Revuen der Zwanziger Jahre. Das Ambiente im Ballsaal wird von Gold, Silber und Rot dominiert.

Einlass und Ende: Freitag, 1. März, 20 Uhr, Einlass 19 Uhr und ebenso am Sonnabend, 2. März, 20 Uhr, Einlass 19 Uhr. Schluss ist frei nach Jogi Löw: „Wenn ausch is, is over.“ Und das geht dann auch je nach Stimmung bis zum Morgengrauen (vier, fünf Uhr). Die Oper serviert dann Kaffee.

Fliege: Sollte schon sein und ist in allen Farben und Formen möglich. Es werden aber auch immer wieder Herren in dunklem Anzug mit Krawatte gesichtet – das ist dann aber schon das Minimum. Trotzdem: Es macht eben einfach mehr Spaß, passend gekleidet zu sein. Jeans in jeder Form sind no go.

Gäste: Hannovers Opernball ist demokratisch, hier darf jeder feiern, die Preise sind zivil. Der Promi-Faktor ist nicht so hoch. Aber das stört hier keinen, man ist sich selber genug. Die Stimmung ist in jedem Jahr gehoben. Und weil die Oper ihre Gäste so schätzt, dürfen die letzten am Sonntagmorgen alle Blumen mitnehmen.

Highlights: Als Mitternachtshighlight ist das Pasadena Roof Orchestra eingeladen. Das Opernhaus ist wieder entsprechend ausstaffiert und in einen glamourösen Tanzpalast verwandelt. Die linke Seitenbühne wird als Roter Salon gestaltet – mit einem gewaltigen „Großstadt“-Triptychon frei nach Otto Dix.

Illumination: „Lichter der Großstadt“ werden das Ballgeschehen im Opernparkett festlich illuminieren. Showtreppen, Litfaßsäulen, Art Deco und Dada werden die verschiedenen Bühnenbilder dominieren. Das Orchester ist dabei von einem gigantischen Perlenvorhang eingerahmt.

Josephine Baker: Dieser Opernball ist auch den Stars der Zwanziger Jahre gewidmet. Nach Bananentänzerin Josephine Baker ist die große Bar im ersten Rang benannt. Da gibt es noch das "Atelier Kandinsky" (erster Rang), die "Dada-Bar" (linke Seitenbühne), das Tischrestaurant "Tamara de Lempicka" im zweiten Rang. Das "Bauhaus" ist ebenso vertreten wie das "Speakeasy" (beides erster Rang): Auch hier gibt es Alkohol, ganz ohne Prohibition.

Konkurrenz: Die gibt es eigentlich nicht. Zwar haben auch Dresden und Frankfurt ihren Opernball. Teils mit mehr (und teuer bezahlter) Prominenz. Aber nirgendwo wird eine solche Deko aufgefahren wie in Hannover. Hier begibt man sich tatsächlich in einer immer wieder neu geschaffene andere Welt – die Deutschlands schönsten Opernball bestimmt.

Lackschuhe: Harald Juhnkes Alternative „Barfuß oder Lackschuh“ muss hier für letzteren entschieden werden. Sie sehen gut aus, helfen ungemein beim großen Auftritt, drücken allerdings bisweilen und sind schwer zu pflegen. Und müssen auch nicht sein, glattes Leder geht auch. Hauptsache passend zum Smoking.

Motto: Das ist die Spezialität von Hannover: Jedes Jahr wird einem anderen Thema gewidmet. In diesem Jahr sind es die Goldenen Zwanziger. Opernintendant Michael Klügl: „Es war ein faszinierendes Jahrzehnt, aufregend, produktiv, aber auch unruhig.“, Mit bahnbrechenden Entwicklungen in Kunst, Mode und Musik.

Nach Hause: Geht es stilecht. Audi lässt seine Shuttle-Flotte mit den aus ganz Norddeutschland zusammen geholten kompetenten Chauffeuren wieder um die 15 000 Kilometer zurücklegen. Und will sogar aus dem Audi-Museum passend zum Motto des Abend eine Limousine der Zwanziger Jahre einsetzen.

Orchester: Ein Opernball wird natürlich vom Opernorchester dominiert. Das Niedersächsische Staatsorchester Hannover spielt in diesem Jahr unter der Leitung von Valtteri Rauhalammi. Noch dabei sind die beliebte Thilo Wolf Big Band (die gerne auch mal Sinatra-Klassiker und Südamerikanisches bringt), dazu Lounge Society und Sistergold.

Polka: Es muss ja nicht immer Walzer sein. Wer es ein bisschen schneller haben möchte: Die eine oder andere Polka („Blitz und Donner“) ist dabei auch im Programm des Staatsorchesters. Und wer es dann noch ein wenig zeitgemäßer braucht: Es gibt Disco mit den DJs H. W. Staude und Kanzler-DJ Micha Gürth.

Queen der Nacht: In diesem Jahr (wie auch schon im vergangenen) wird es Conchita sein. Das Programm steht noch nicht. Könnte aber sein, dass wieder „Rise like a Phoenix“ geboten wird. Wäre jedenfalls schön, die Stimme ist jedenfalls bemerkenswert. Und ansonsten ist es jede Ballbesucherin, die sich so fühlt.

Rauchen: Ja, geht. Auf dem Balkon zum Opernplatz hin wird ein entsprechendes, geheiztes Zelthaus aufgestellt, das den Griff zur Zigarette und ein wenig Abstand vom Ballgetöse ermöglicht. Dienstbare Geister halten auch Zigarren in verschiedenen Güteklassen bereit.

Smoking: Die Herren haben es zu solchen Gelegenheiten deutlich einfacher. Der klassische Smoking dominiert, der vom letzten Jahr (oder denen davor) tut es immer noch und immer wieder. Es sei denn, nun ja, er passt nicht mehr. Ansonsten ist natürlich auch das weißer Dinnerjacket möglich.

Tanzen: Da muss jeder individuell mit sich ausmachen. Standardtänze sind gefragt. Es gehen aber auch leichte Disco-Bewegungen zu Walzerklängen, in Hannover sieht man das nicht so eng. Nur die Debütanten haben ein strenges Regelwerk. Und richtig gut sind natürlich die anwesenden Solisten des Staatsballetts.

Unterstützer: Neu bei den Sponsoren ist 2019 die Turkish Airlines. Ansonsten wird der Opernball von den bewährten Unterstützern mitgetragen: Klingenberg wird mit Design-Klassikern möblieren, Blumen-Duda die Blüten sprießen und Audi seine Limousinen rollen lassen. TVN setzt den Abend ins richtige Bild.

Verkleiden: Hannovers Opernball ist da sehr liberal. Wer sich irgendwie an das Motto hält, ist auch in außergewöhnlicher Gewandung gern gesehen. In diesem Jahr kann es im Stil der Zwanziger Jahre sein, ein Schuss „Berlin – Babylon“, ein silbern glitzerndes Charleston-Kleid, das wäre es.

Walzer: Den gibt es hier reichlich. Und das Staatsorchester hat alles drauf, wenn nicht nur die „Schöne, blaue Donau“ zum Fließen gebracht wird oder ganz majestätisch der „Kaiser-Walzer“ erklingt. Tanzen wird hier zur Poesie des Fußes.

X: Keine Karten mehr, der Opernball ist ausverkauft. Wer sich eine Chance erhalten will, kann sich auf die Warteliste setzen lassen: Freitag 111 und 144 Euro (fester Sitzplatz), Samstag 140 und 175 Euro. Für Ballbesucher bis 29 Jahren kostet es 49, beziehungsweise 55 Euro. Wenn sich das nicht lohnt.

Y: Steht auch für die Generation der Millennials, die ist mit allen digitalen Möglichkeiten aufgewachsen und findet sich vergleichsweise reichlich auf dem Opernball (vor allem am Freitag). Was auf jeden Fall hier möglich ist, sind sensationelle Selfies, die per Instagram ein wenig neidisch machen können.

Zum Schluss: Ob und wie es einen Opernball 2020 gibt, wird die neue Intendantin Laura Berman entscheiden. Ende April gibt sie ihre Programm für die kommende Saison bekannt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Pause ist ziemlich groß – in etwa so wie die, dass es um 20 Uhr eine Tagesschau gibt. Hier gibt es ein Interview mit Berman

Von Henning Queren