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Kultur Alexander Marcus kommt ins Capitol
Nachrichten Kultur Alexander Marcus kommt ins Capitol
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07:59 01.12.2011
Von Manuel Becker
„Vielleicht gibt es mich länger, als manche wollen“: Alexander Marcus. Quelle: Handout
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Hannover

„So schlecht, dass es schon wieder schlecht ist“, schrieb die „taz“ einmal über Alexander Marcus, den Sänger, der gerne rosa Hosen trägt, die Haare gelt und stets ein zahnpastaweißes, ziemlich schnell anstrengend wirkendes Dauergrinsen aufsetzt. Es ist ruhig geworden um den selbst ernannten Electrolore-König, der einen Sound aus Schlager und Elektroklängen erfunden hat – Electrolore eben. Auch sein Debütalbum, das er 2008 veröffentlichte, heißt so. Bekannt war er aber schon vorher.

Alexander Marcus war einer der ersten YouTube-Stars. Weil die Plattenfirmen seine Musik nicht mochten oder verstanden, veröffentlichte er im Internet Songs wie „Ciao, Ciao Bella“, „Papaya“ oder „1, 2, 3“ mit trashigen Videos, die ihn als schmierigen Schlagersänger eigenwillig tanzend mit schmachtenden Handbewegungen zeigen.

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Schlagertexte wie „Ich sah dich zuerst am Sonnenstand / Du warst so wunder, wunderschön, ich war außer Rand und Band“, die mit elektronischen Klängen und teils eingängigen Melodien unterlegt sind, kamen im Sommer 2008 an. In Diskotheken, auf Studentenpartys oder Fußball-EM-Feiern sangen die Massen Textzeilen wie „1, 2, 3, oh du wunderschöne Loreley / Endlich geht’s nach vorne / Schwarz-rot-gold / Das sind unsere Farben / Der Wagen rollt.“ Es war der Sommer des Alexander Marcus.

Eigentlich hätte der selbstbewusste Sänger danach wie andere One-Hit-Künstler in der Versenkung verschwinden müssen – aber dagegen wehrt er sich. Obwohl das zweite Album „Mega“ floppt, geht er auf Tour in größere Hallen. „Manche Konzerte waren sogar ausverkauft“, sagt Marcus, der mit bürgerlichem Namen Felix Rennefeld heißt. Dass er nicht bei jedem ankommt, weiß er. „Mein Auftritt ist eben provokant“, sagt er. Er sei authentisch, sagt er. Dabei wirkt Alexander Marcus eher wie eine nie aufgelöste Parodie.

Fragen, warum der Hype abgeflaut sei, hört er nicht gerne – und sieht das auch anders. Er habe eine Nische besetzt, und sein Fankreis werde immer größer. „Meine Show kommt an“, sagt er. Und auch wenn sein lange angekündigtes drittes Album „Glanz und Gloria“ erst Anfang Januar veröffentlicht wird, geht er schon wieder auf Tour in größere Hallen – am Freitag singt er im hannoverschen Capitol. Dass die Konzerte nicht annähernd ausverkauft sind, stört ihn nicht. „Meine Fans kommen und machen 90 Minuten Party“, sagt er und kündigt gleich Zusatzkonzerte im Sommer und noch einmal im Herbst an.

2012 kommt sogar ein Alexander-Marcus-Film ins Kino. Wer den sehen soll? Seine Fans natürlich. Die halfen schließlich bei der Finanzierung. Das Budget war so klein, dass er lieber nichts zur Größenordnung sagen will. Damit überhaupt Geld zur Verfügung stand, konnten Fans verschiedene Pakete buchen. Eine Nennung als „Super Producer“ im Abspann, ein handsigniertes T-Shirt und eine Urkunde gab es für 39,90 Euro, „und wer mehr zahlt, bekam auch mehr“, sagt Marcus, etwa eine Sprechrolle in dem „Musikfilm“, in dem es um den „Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg“ des Alexander Marcus geht, wie er geheimnistuerisch verrät. Praktischer Nebeneffekt für ihn: Für Stücke, die er 2012 auskoppeln will, ist das Video gleich mitproduziert.

2008 hätte man ihm gesagt, jetzt hast du deinen Sommer, sagt Alexander Marcus, aber dann sei noch ein Sommer gekommen und dann noch einer. „Vielleicht gibt es mich länger, als manche wollen.“