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Kultur Alarm für den „Barbier von Sevilla“
Nachrichten Kultur Alarm für den „Barbier von Sevilla“
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13:35 23.01.2012
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VERZETTELT: Rosina (Monika Walerowicz, links) im Rausch der fliegenden Blätter. Quelle: Landsberg
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Hannover

VON HENNING QUEREN

Passabel gesungen, mäßig inszeniert: Rossinis „Barbier von Sevilla“ in der Staatsoper.

Im zweiten Akt geht die Alarmananlage an, viel Rauch auf der Bühne, lautes Heulen, der Vorhang geht zu – und ist doch nur ein Regie-Gag.

Das war dann schon der spannendste Moment eines eher mageren Abends mit Rossinis „Barbier von Sevilla“. Man kann nicht immer nur Mercedes fahren, manchmal muss es eben mal ein Polo sein.

Das Bühnenbild ist karg, wird von einer großen Stellwand dominiert, von der für Szenenwechsel und auch sonst Plakate abgerissen werden. Schön ist immerhin der Anfang mit einem Scheinwerferkegel-Ballett zur rasanten Ouvertüre. Manchmal wird dann noch vom Bühnenhimmel ein Barbiermesser oder ein Kronenleuchter herab gelassen. Gesungen wird – scheint zur Mode zu werden – auch aus dem ersten Rang. Und Rechtsverdreher Don Basilio kommt als Kai aus der Kiste auf die Bühne. Man kann aus Rossinis ziemlich durchgeknallter Verwechslungskomödie sicherlich etwas mehr machen als Regisseur Alexander Charim.

Das zeigt die mal wieder in jeder Hinsicht überzeugende Spielfreude des kompletten Ensembles. Wenn Almaviva (Sung-Keun Park) als Soldat den Terminator gibt oder mit Landsmann Jin-Ho Yoo (Barbier) auf Koreanisch herumblödelt. Frank Schneiders macht auf neurotischen Pappa ante Portas, der seine junge Rosina (Monika Walerowicz) zur Bestandssicherung auch gern mal mit Handschellen an die Requisite kettet.

Zum Besten des Abends gehört die markante Verleumdungs-Arie von Tobias Schnabel, ebenso profund wie gefährlich. Monika Walerowicz macht aus der Rosina keine reine Tonproduzentin (mit passablen Koloraturen), sondern bringt neben einem Straps-Strip auch mit der Stimme genügend Verführung in den Abend.

Dass Rossinis „Barbier“ zu den anspruchsvolleren Stücken gehört, beweist auch der koreanische Barbier, sein „Figaro, Fiiiigaro...“ ist immerhin okay und reicht für leichten Szenenapplaus. Und Graf Almavivas sehr hellem Tenor fehlt ein wenig das Fundement für die richtige Verführung.

Eine Inszenierung für Rossini-Fans, die den „Barbier“ mal wieder live hören möchten: keine eigentlichen Ausfälle, keine Erleuchtungen – und die Musik rettet den Abend.

Das sah auch das Premierenpublikum so. Vom vergleichsweise laufwarmen Applaus bekam den meisten Orchester und das verhalten animierte Dirigat (Ivan Repusic): keine federleichte Brillanz, dafür gut gespielte, solide Motorik, auch das geht. Ein paar lustlose Buhs fürs Regieteam und sogar für den Figaro und den Grafen Almaviva.

Bewertung: 3/5