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Kultur 99 Prozent Rammstein, 100 Prozent Völkerball
Nachrichten Kultur 99 Prozent Rammstein, 100 Prozent Völkerball
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13:30 07.12.2018
Wie bei Rammstein: Völkerball-Sänger René Anlauff traktiert seinen Keyboarder Andreas Schanowski. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Wer eine Karte für Rammsteins Hannover-Konzert im Sommer 2019 im Stadion ergattern konnte, hat Schwein gehabt. Für diejenigen, die leer ausgegangen sind, gibt es ein Trostpflaster namens Völkerball – eine der besten europäischen Tributebands, die seit zehn Jahren mit ihrer Covershow unterwegs ist und jetzt gleich zweimal das Capitol ausverkauften.

„99 Prozent Rammstein, 100 Prozent Völkerball“, so nennen sie es selbst. Und sie haben Recht. Die sechs Herren bieten alles, was eine Rammstein-Show auszeichnet: martialische Bühnenoutfits, ölverschmierte Körper, eindrucksvolle Lichteffekte und – na klar – Funken, Feuer und Flammen. Gerne laut, gerne oft, gerne viel davon. Ja, auch Völkerballs Pyrotechniker dürfen sich nach Herzenslust austoben und zaubern eine Show, die sämtliche Unterkiefer im heruntergeklappten Dauerzustand verharren lässt.

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Musikalisch bieten Völkerball wie ihre Vorbilder einen tiefen, rohen, brutalen Sound. Eindringlich, direkt, aber niemals plump. „Keine Lust“, „Du hast“ und „Sonne“, jeder, aber auch wirklich jeder Rammstein-Hit findet seinen Weg auf die Bühne. Das charakteristische Headbangen des Frontmanns Till Lindemann, die harten Oberschenkelschläge, das fratzenhafte Aufreißen des Mundes, selbst das bloße Verschränken der Arme auf dem Rücken kopiert Völkerball-Sänger René Anlauff so täuschend echt, dass man bei schummrigen Lichtverhältnissen beinahe glaubt, das Original auf der Bühne anzufeuern.

In Sachen Gestik und Mimik steht dem Andreas Schanowski alias Kult-Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz in Nichts nach. Schräg, durchgeballert, charismatisch – eben ganz wie der Echte. Er imitiert auf der Stelle tretend das Laufband, auf dem Flake üblicherweise seine Meter macht, schwebt bei „Haifisch“ im schwarzen Schlauchboot sitzend über die Menge und lässt alle bekannten Lindemann-Foltereien über sich ergehen.

Brennende Mikrofonständer, Explosionen am laufenden Band und das Geruchspotpourri aus Brennpaste, Schießpulver, Nebelmaschine und verbrannten Haaren – der Rammstein-Fan bekommt, was er liebt. Zwei Stunden dauert die exorbitante Show, bis zum finalen „Engel“. Wie sieht es aus mit Zugaben? „Zugabe?!“, sagt Sänger Anlauff, „Vergesst es! Nach ,Engel’ ist immer Schluss!“ Trotzdem: Ein besseres Trostpflaster kann es kaum geben.

Von Aline Westphal