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Kultur 8000 Fans feiern Helene Fischer in Hannover
Nachrichten Kultur 8000 Fans feiern Helene Fischer in Hannover
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13:25 12.05.2011
Von Matthias Halbig
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Helene Fischer in der TUI Arena Quelle: Martin Steiner
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Dann kommts dick, ganz dick! Das 38-köpfige Orchester aus Minsk bemüht den Musik-Allerhöchsten: Ludwig van. Und die Freude, auch bekannt als Tochter aus Elysium, zeigt sich als der alte schöne Götterfunken. Dass die liebreizende blonde Helene Fischer im Anschluss von Vorgängen wie „Im Zauber dieser Nacht war ich verloren“ kündet und behauptet „Du hast mein Herz berührt“, klingt erstmal seltsam, passt aber famos. Schließlich ist die Liebe ein nicht minder wichtiger Götterfunken.

Und wenn auch die Botschaft dieses Lieds nicht ganz klar ist – ... ist die Beziehung jetzt vorbei, oder gerade im Begriff, die größte aller Zeiten zu werden? –, stört das zumindest in der TUI-Arena keinen. Die schöne Helene macht eben beides zugleich, sie fängt uns auf und lässt uns fliegen. Auch in den so benamten Song steigt das Orchester ein, erzwingt wohliges Schauern durch schieren Bombast. „Du lässt mich sein, so wie ich bin“ wird gereicht. Klar, alle wollen von den Liebsten gelassen werden, wie sie sind, aber fast keinem ist es wirklich gestattet. Im Schlager klappt das, Schlager ist Fluchtmusik. Die TUI-Arena, nüchterner Vielzweckbau, wird ein Wolkenschloss.

Früher war der Schlager ja meist Kleinbrötchenbacken in der Playbäckerei. Musik vom Band, gern auch die Stimme vom Band. Noch im Vorjahr sang Tony Christie beim Plaza-Fest, verwirrt von einem Mikrofonklaps gegen die eigene, fortan dezent blutende Unterlippe, ein gruseliges Live-Duett gegen seine eigene Konservenstimme. Helene Fischer aber reist mit einer Band aus ganz vortrefflichen Musikern. Und sie lässt ihre Leute grooven und auch richtig rocken, wie sie nach der Pause mit einem Queen-Kompott beweist. Dessen Zusammensetzung hätte freilich etwas gewagter ausfallen können. Fürs opernhafte „Bohemian Rhapsody“ wäre das große Ensemble perfekt gewesen, es gibt auch nicht das punkige „Sheer Heartattack“ oder das funkige „Dragon Attack“ – sondern „The Show Must Go on“ und „We Are the Champions“ – Queens Nummersichersachen, die auch der Musikantenstadlist kennt und mitsingt.

Null Risiko ist Fischers Ding. Im Russenblock findet man „Dorogoy dlinnoju“ (kennt der Radio-21- Hörer von Mary Hopkin: „Those Were the Days, my Friend ...“). Und aus der Musical-Ecke tönt – richtig! – „Memories“, das bekannteste Miau aus Andrew Lloyd Webbers Katzenzelt. Nein, lieber Fan, das hier soll keine Catserei werden.

Denn mit diesen internationalen Inseln verpasst die 26-Jährige ihrer „Best of“-Show erst recht Glamour. Dazu kommt eine phantastische Lichtshow auf drei LED-Bögen, Tänzer, lebende Holzmännchen und diese kraftvolle Stimme. Der Sound? Fett!

„The Prayer“ ist dann ein (Leinwand-)Duett mit Michael Bolton. Der US-Chefschmachter der späten 80er Jahre wird da gleich mal als Weltstar eingeführt.

Was er ja (mit Verlaub) schon eine ganze Weile nicht mehr ist. Egal, keine Korinthen, der Abend ist prächtig und lang, „von hier bis unendlich“, „die Sonne kann warten“, erst spät wird man ins Bett kommen, fragt „nicht, wo und wann“. Und fragt einen wer, ob das nun Schlager ist oder doch richtiger Pop, was Helene Fischer macht, halte man sich an Ludwig van. Und variiere Schiller: Alle Lieder werden Brüder, wo ihr sanfter Flügel weilt.

(4 Sterne)