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Kultur 700 bei Kettcar: Wahres Leben plus Cinemascope
Nachrichten Kultur 700 bei Kettcar: Wahres Leben plus Cinemascope
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17:09 09.03.2012
Von Matthias Halbig
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INDIEPOP FÜR KOPF UND BAUCH: Marcus Wiebusch (links) und Reimer Bustorff im Capitol. Quelle: PHILIPP VON DITFURTH
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Sie scheppern ihre hübschen Songs dabei über gefühlt 700 zumeist laut geführte Gespräche hinweg. Musikmissachtungsstärke 11 auf der nach oben offenen Unverfrorenheitsskala. Als hätte man 28 Euro bezahlt, mal wieder nach Herzenslust öffentlich klönen zu können.

Als Kettcar auf der Bühne sind, wirds gelinder mit der Störkummunikation. "Rettung" kommt als erstes vom neuen, vierten Album "Zwischen den Runden". Und da sind sie wieder, diese schönen, traurigen Melodien, diese wunderbaren nüchternpoetischen Texte, Marcus Wiebuschs umarmende Stimme und seine Achterbahnsätze, die sich ganz eng an die schrammelnden Gitarren schmiegen. Ende einer durchzechten Nacht, der Freundin im Song ist kotzübel. Den betrunkenen Heimweg fasst Niebusch in Hollywood-Sprech; "Du sagtest ,Lass mich zurück, du kannst es schaffen ohne mich’ / Ich sagte: ,Nein, ein Marine lässt niemanden im Stich ..." Wahres Leben plus Cinemascope, Indiepop für Kopf und Bauch. Anderthalb Stunden lang.

Der Soundmix ist freilich nicht der beste, weder oben auf dem Balkon, noch hinten im Saal. Und wenn die Keyboards zu heftig in die Songs sicheln (was ungewohnt oft passiert), ist Pause mit Textkapée. Dabei gibts hörenswerte Vorschläge für verbessertes Dasein: "Werde echt", "Mach immer, was dein Herz dir sagt."

Ach ja, eins noch, lieber Reimer Bustorff, lass bei "Am Tisch" die Trompete stecken. Klingt nicht indie sondern einfach schief, bist eben kein Nini Rosso. Vorschlag: Ladet doch Sven Regener von Element of Crime ein. Der kann das. Wir zitieren Kettcar: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint."

Und huschen dann noch schnell rüber zu Feinkost Lampe, wo die Britin Liz Green indiejazzt. Anders schön. Und das Publikum hier tut auch, wozu Publikum da ist. Es lauscht der Musik.HHHII

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