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Kultur 5000 feiern Silbermond in Hannover – hier die Fotos!
Nachrichten Kultur 5000 feiern Silbermond in Hannover – hier die Fotos!
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13:48 07.05.2009
Silbermond-Sängerin Stefanie Kloss in Hannover
Auftakt: Silbermond-Sängerin Stefanie Kloss Quelle: Heusel
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VON MATTHIAS HALBIG
Wow! Von Sekunde eins an ist Achterbahn in der AWD-Hall. Stefanie Kloß schickt ihren sinnlichen, samtraspeligen Gesang in die Saalnacht, ein formidables Showpferd, eins zum … Pferdestehlen. Könnte man sie hier unbemerkt mit nach Hause nehmen, man würde es sofort tun.

Leider sind 10.000 Augen allzeit auf die schlanke Frau mit schwarzem Haar gerichtet, die da vorn auf der Bühne zur Showtime ruft. Auftakt der Silbermond-Tour 2009. Und das Volk tanzt fröhlich um den temperamentvollen Trabanten und singt auch gleich mit, was Stefanie Kloß ja stets als das allerschönste Kompliment empfindet.

„Nichts passiert“ heißt das neue Album. Das Gegenteil ist der Fall. Ganz viel ist offenbar geschehen seit dem Vorgänger „Laut gedacht“. Man hört frisch in den Klangpool integrierte Sounds an diesem Abend. Die Gitarren muten zuweilen an, als hätte Thomas Stolle U2s The Edge gefrühstückt, dann wieder gibts die süße, traumverlorene Elegie, mit der die Briten von Coldplay inzwischen ganze Stadien zum Schweben bringen.

Der Neueste-Deutsche-Welle-Stempel schien ja schon seit der dritten Single, der Ballade „Symphonie“, zu schmächtig für dieses Quartett. „Und jetzt wird es still um uns“, singt Kloß in der AWD-Hall. Das wird wohl noch eine Weile dauern. Denn die Vielseitigkeit der Band reicht von der discohaften Elektronika von „Tanz aus der Reihe“ bis zu „Keine Angst“, wo Silbermond den Led Zeppelin steigen lassen – mit einem Hauch von „Kashmir“.

5000 Fans feierten das Auftaktkonzert der Deutschland-Tour von Silbermond.

Nein, Silbermond sind mehr als das Nena-hafte Frolleinwunder (plus Nebendarsteller an den Instrumenten), das mancher anfangs in ihnen gesehen hat. Sie holen sich Versatzstücke aus fast der gesamten Rockgeschichte, finden neuerdings Melodien wie die Trüffelschweine und stürzen sich in dieses erste Konzert, als wärs das letzte. Totale Verausgabung.

Die Texte sind dabei einfach, man muss nicht groß rätseln, manche Phrase kommt zum Einsatz, was durch die etwas unscharfe Reimkunst und den endsilbenverschluckenden Gesang entschlagert wird. Über die Liebe, die von der Zeit zerrieben wird, singt Stefanie Kloß in „Ich bereue nichts“, und dass man nur dann wirklich verloren hat, wenn man zu bereuen beginnt. Klar, so ist es, heut’ gibts Binsenweisheit und Seelensalbe aus derselben Tube.

Als die träge taumelnde Gitarre von „Irgendwas bleibt“ anhebt, einem Lied, das mindestens so U2 ist wie „With or without you“, sind die Chöre im Finale geradezu frenetisch: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit/in einer Welt, in der nichts sicher scheint“ – hier ist der Song der unwägbaren Stunde. „Kalkül“, rufen die einen, „Gefühl“, die anderen. „Schön“ – das müssen sie alle zugeben. Zwei Stunden dauert das alles, als das Licht aufflackert, würde man gern weiter „durch die Nacht“ gebracht von dieser Band, deren eigentliches Element „live“ ist.

Ich kann fliegen heißen die Anheizer heute, aus über 80 Einsendungen wurde die Band von den Monden selbst ausgewählt. Vier Jungs, lustig wie die Sportfreunde Stiller, wonnige Weicheier, die Frauen gern beim Schlafen zuschauen. Und sie schütteln das Haus: „Mach das nochmal und danach bitte noch 1000-mal“, singen Niklas und Paul. Indie-Emo-sonst-was ist das Genre. Heißt: Alles klingt supermelodisch, wird aber ungeschliffen, ganz lässig dargebracht und rockt ungemein. „Uns gehört die Welt“ heißt der Song zur obigen Bitte. Und das könnte durchaus sein, in naher Zukunft. Gut möglich, dass Hannover wieder mal eine bundesweit relevante Band bereithält. *****