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Kultur 3200 feiern Boss Hoss auf der Gilde-Park-Bühne
Nachrichten Kultur 3200 feiern Boss Hoss auf der Gilde-Park-Bühne
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22:41 28.08.2009
Machen Party in Hannover: The Boss Hoss
Machen Party in Hannover: The Boss Hoss Quelle: Heusel
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VON MATTHIAS HALBIG

Howdy! Boss Hoss, kurz BH, sind in town. „So what?“, fragt man sich unterm Stetson: Sind sie das nicht immer? Seit sie 2008 umsonst und glorreich beim Maschlake-Fest gespielt haben, sind diese sieben doch hannoverisiert. Ein weiteres Mal gibts Freitag also Country-Punk von der Unterhemd-Gang. Mit „Shake your Hips“ gehts los. Abend ist es, die Stunde der Cowboys, die hattens ja – von John Wayne bis Lucky Luke – immer mit Sonnenuntergang.

Fleißige Kuhhirten, nie Urlaub, nur Trail. „Do or Die“ heißt das vierte Album seit 2005 – ,Trau dich oder stirb’. Nun, Boss Burns, Hoss Power & Co. trauen sich zum_Beispiel, „Hey Joe“ so zu spielen, dass man zwar den juckelnden Hendrix noch ahnt, dass die Gitarren aber twangen wie im Tarantino-Kino. Boss Burns rollt die Worte so südstaatenschwer aus dem Mund, als klebe ihm ein Klumpen glühenden Kuhdungs am Dings … äh … Gaumen.

Mit Covern sind BH groß geworden. Und (fast) ganz am Ende bei der Langversion von Outkasts „Hey Ya“ sind die 3200 im Park völlig yippie yeah. Es gibt auch ein rabiates Update von Plastic Bertrands Punkpop „Ça plane pour moi“. Aber keine Oldies-Party.

Denn der Witz ist erzählt, und BH möchten nicht gern in die Leningrad-Cowboys-Karnevalsecke, in die man als verkleidete Kapelle mit verkleideten Liedern schnell gestellt wird. So geht der BH-Trend zur Eigenkomposition. Und einige dieser Lieder klingen im Park, als wär man bei Elvis in Memphis, zirka 1954. Neben Rockabilly hat auch der Blues hörbar Terrain erobert. Poppig mutet einiges an, und dass sie in Wacken waren, hört man auch. Es gibt also, könnte man sagen, viel mehr BH als früher, vielleicht hat die Band deshalb geglaubt, auch viel mehr Eintritt verlangen zu können. 39 Euro pro Ticket sind jedenfalls Großrancherpreise, dafür muss die Magd lange melken.

Zumal das meiste Selbstgeschriebene nicht das Zeug hat zu Evergreens. Ist der Song nun aber lau, reiten ihn die lustigen Berliner Landmusikanten live heiß. Party ist, bis alle „Yee-Haw“ rufen, und die Zugabenrunde hat versöhnliche Länge. Mag Schiesser, die Firma mit Eingriff, insolvent sein, ihre Berliner Feinripper sind noch einigermaßen in Schuss. Und als um elf Schluss ist mit Country, ist man doch bosshossifiziert, hätte man gern einen Bronco, um heimzureiten. In Nacht und_Sonnenaufgang? Zwar ist Lucky Luke da nie hineingeritten, aber falsche Cowboys dürfen auch das.

Songs: ***

Party: ****

Stefan Stosch 28.08.2009
28.08.2009