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Kultur 200.000 feiern Musikfest in Hannover
Nachrichten Kultur 200.000 feiern Musikfest in Hannover
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19:26 21.06.2009
Das kommt an: Afrikanische Rhythmen auf der Fête de la Musique.
Das kommt an: Afrikanische Rhythmen auf der Fête de la Musique. Quelle: Wilde
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Das Publikum trotzt den Tropfen, wippt, ein Glas Bier in der Hand, entspannt mit und lacht mit dem Gitarristen, als der ruft: „Das war gerade ein ganz neuer Schluss, den kannten wir auch noch nicht.“

Heiter geht es zu auf Hannovers zweiter Fête de la Musique zu, wenns am Himmel auch zunächst wolkig ist. Auch bei der Kinderbühne vor dem Historischen Museum sieht man vor Freude und Stolz strahlende Gesichter. Acht kleine, in bunten Trachten gekleidete Mädchen mit Blumen im Haar zappeln aufgeregt ihrem Auftritt entgegen. „Die Gruppe Lajkonik der polnisch-katholischen Gemeinde aus Buchholz tanzt nun das Lied ‚Die alte Frau hat den Mohn ausgesät‘“, kündigt die Leiterin an – und rund gehts. Viele Kinder sind im Publikum, bewundern den Tanz ihrer Altersgenossen mit offenem Mund. Celine (8) ist entzückt: „Die sind ja so hübsch geschmückt.“

Zehntausende waren am Sonntag in Hannovers Innenstadt unterwegs – zur "Fête de la Musique".

Nur wenige Schritte weiter betreten Fête-Besucher abermals eine andere Welt: In der Electric City, der neuen Techno- und House-Ecke rund um den Landtag, trägt man keine Blumen im Haar, dafür coole Cappys, XXL-Sonnenbrillen, Piratentücher und Kapuzenpullis. Am Fußgängertunnel Richtung AWD-Arena hängen schwarze Vorhänge, Nebel hängt in der Luft. Aus den Boxen wummern die Beats, junge Leute tanzen ausgelassen: „Alter, hier geht die Party ab!“, ruft einer. Von der Tunneldecke baumeln zahllose Omega-Zeichen. „Das ist das Symbol für elektrischen Widerstand“, schreit der DJ, „und das ist unser Motto!“.

Elektro, Rock und Folklore klingt durch die Stadt – aber auch Gospel, Rock, Klassik, Weltmusik und Jazz. Am Ballhof spielt eine junge französische Band modernen Jazz, das Publikum bejubelt das virtuose Solo des Querflötisten. Am Marktplatz hat die Acapella-Band Juice Box viele Fans. „Das ist eine echte Spezialität“, findet Klaus Reinecke (74), der lange im Chor gesungen hat und bekennender Fête-de-la-Musique-Fan ist: „Eine sehr, sehr schöne Idee.“

Auch Fête-Organisator und City-Manager Achim Balkohoff ist zufrieden. Bei Sambaklängen am Platz der Weltausstellung stößt er mit Herrenhäuser-Chef Manfred Middendorff an – natürlich mit einem Herri. „Das einzige Bier, das es für mich gibt“, sagt Balkhoff. Gilde, wie am Samstag versehentlich berichtet, hätte dagegen keine Chance.

Am Kröpcke ragt der Riesen-Baukran in den Himmel, direkt davor bringt eine bunt gekleidete afrikanische Band die Menge zum Kochen: Akoma Pa aus Ghana heizen mit Percussion, Rasseln und Trillerpfeifen ein, vier Frauen und Männer liefern eine mitreißende Tanzshow ab, das Publikum johlt und klatscht begeistert mit. Auch Aya Riesen (49) findet es großartig: „Was die Leute hier an Stilen und Kulturen geboren bekommen, ist fantastisch“, sagt sie. „Und es kostet noch nicht einmal Eintritt!"

(von Julia Schöne)