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Kultur 20 Jahre „Baby One More Time“ – Britney Spears ist die Dienerin des Pop
Nachrichten Kultur 20 Jahre „Baby One More Time“ – Britney Spears ist die Dienerin des Pop
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14:57 12.01.2019
Britney Spears: jung und bauchfrei beim Auftakt ihrer Deutschlandtour 2000. Quelle: AP Photo/Joerg Sarbach
Hannover

Klobige Schuhe, die gegen ein Pult schlagen, ein Bleistift, der auf ein aufgeschlagenes Heft ungeduldig eindrischt, zwei rosa Puschelhaargummis – mit diesen ersten Bildern des Musikvideos ihres Debütalbums „Baby One More Time“, das am 12. Januar 1999 erschien, manifestierte sich Britney Spears vor 20 Jahren als ultimatives Pop-Idol. Als diejenige, die den Musiksender MTV für Jahre dominieren würde, die als hübsche Projektionsfläche dienen würde. Stets lächelnd, stets bauchfrei – und das bis heute.

Als wir vor 20 Jahren vor dem Fernseher hingen, waren wir zu klein, um zu verstehen, dass es bei „Baby One More Time“ um Sex ging, oder noch genauer um „Sex sells“, obwohl die lasziven Gesten durchaus als Hinweis ausgereicht hätten. Wir interessierten uns für die Schuluniform, die Tanzschritte, die Uuuhhs und Aaahs und das sonnengetränkte Bild von Amerika. Britney Spears war der Grund, warum wir in Videoclip-Dancing-Tanzstunden gingen, um ebenso cool die Beine zur Seite werfen zu können. Die Bilanz: 13 Millionen CDs von „Baby One More Time“ konnte Britney Spears verkaufen.

Ihr Sound war der platzender Kaugummi-Blasen

Mit dem Gurren in der Stimme, den Rehaugen, der niedlich-sexy Schuluniform verkörperte sie all das, was wir später nicht mehr sein wollten: Ein naives Mädel, das schlimmer als in allen Jane-Austen-Romanen schmerzverzerrt auf ein bisschen Aufmerksamkeit des nächsten Typen hofft. Ihre Songs schmeckten nach pinkfarbenen Kaugummiblasen, die mit einem dumpfen „Tschack“ platzen – und damit auch den Grundbeat zu jedem Song bildeten. Doch der basslose Sound störte uns nicht – er fiel bei den schlechten Kopfhörern vom Discman ohnehin nicht auf.

Britney war mit ihren 17 Jahren die Königin der MTV-Generation, derjenigen, die am Fernseher zwischen den Musikvideos, „Jackass“ und der sinnlosen Datingshow „Room Raiders“ pendelten – oder sich mit den Eltern um die Fernbedienung und die Fernsehhoheit streiten mussten.

Heute kommt der Text von „Baby One More Time“ befremdlich daher, irgendwie religiös. „Meine Einsamkeit bringt mich um. Ich muss beichten. Wenn ich nicht bei dir bin, verliere ich den Verstand. Gib mir ein Zeichen.“ Ständig wiederholte sie ihre Kein-Sex-vor-der-Ehe-Gelübde, auch gern mit Boyfriend und NSync-Sänger Justin Timberlake, zitiert wurde das natürlich in der „Bravo“.

Britney wollte erwachsen werden und wurde nur „sexy“

„Ich bin ein großer Fan von Madonna, seit ich ein kleines Kind bin“, sagte Britney Spears schon 2002. Doch anders als Madonna hat Spears Provokation nicht als Mittel zur Selbstbefreiung genutzt – sondern nur zur Aufmerksamkeitsvermehrung. Der Kuss mit ihrem Idol Madonna bei den MTV Music Video Awards 2003 markierte den Punkt, an dem sie als „erwachsene“ Sängerin angesehen werden wollte, in der Popwelt gleichbedeutend mit hemmungslos sexy. Und geadelt wurde dieser Imagewechsel von Madonna in der durchchoreografierten Show.

Schon bei den „MTV Masters“-Dokus spürten wir den Druck, unter dem der dauerstrahlende Star stand. Sie solle doch bitte aufhören, an ihren Fingernägeln zu kauen, damit man ihre Hände als Werbeobjekte von Kosmetikprodukten nutzen könne. Spears diente dem Pop, sklavisch, auch mit späteren Songs wie „Slave 4 U“ (2001). Erst als sie nach ihrer gescheiterten Ehe mit Kevin Federline 2007 von Paparazzi gefilmt zum Rasierapparat griff und all ihr Haar abrasierte, zog sich ein Riss durch das perfekte Pop-Image. Da war kein Kaugummisound mehr. Sie öffnete sich der Welt. Doch dieser Riss schloss sich schnell wieder.

Der Moment wurde blank poliert und mit „Piece of Me“ vom Album „Blackout“ (2007) kommerziell genutzt: „I’m Mrs. Oh my God that Britney’s shameless! You want a piece of me“ (Ich bin die Mrs. O mein Gott, diese Britney ist schamlos. Du willst ein Stück von mir). Seitdem tanzt sie wie ein Funkenmariechen unablässig. Auch auf den Bühnen von Las Vegas, ihre Show „Britney: Domination“ wurde nun aber wegen einer schweren Erkrankung ihres Vaters abgesetzt. Doch ein neues Album soll folgen. Sie gehört dem Pop.

Von Geraldine Oetken / RND

Als Reporter war Takis Würger für den „Spiegel“ in den Krisengebieten der Welt unterwegs. Als Schriftsteller landete er mit seinem Debütroman „Der Club“ einen Bestseller. Mit der Geschichte der Berliner Jüdin Stella Goldschlag will er das nun wiederholen. Hannah Suppa sprach mit ihm über Schuld und den Druck des Erfolgs.

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