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Kultur "17 Mädchen" wollen raus aus ihrem Bretagne-Nest
Nachrichten Kultur "17 Mädchen" wollen raus aus ihrem Bretagne-Nest
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06:16 17.06.2012
WOLLEN JEMANDEN, DER SIE LIEBT: Die aufmüpfigen Mädchen aus Lorient.
WOLLEN JEMANDEN, DER SIE LIEBT: Die aufmüpfigen Mädchen aus Lorient. Quelle: Arsenal Filmverleih
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Eine Utopie aus einer Hafenstadt, die wahrlich alles andere als ein utopischer Ort ist.

In Lorient in der Bretagne gibt es nur zwei Gemütslagen. Regnets, versinkt alles in Tristesse. Scheint die Sonne, stinkt es erbärmlich. Das hat mit dem Fischereihafen zu tun, wo die Erwachsenen arbeiten - wenn sie denn Arbeit haben. Teenies bietet Lorient rein gar nichts - abgesehen von einer Fast-Food-Filiale. Deshalb träumen sie vom Ausbruch.

Die 16-jährige Camille ist die Erste, die es probiert. Der ungewöhnliche Weg: Sie wird schwanger. Plötzlich geht ein Leuchten von ihr aus. Plötzlich ist sie anders. Plötzlich ist da so eine Idee. Könnte man nicht mit Kindern den Zwängen entkommen, sich in einer Kommune zusammentun, den Nachwuchs erziehen und ganz einfach leben? Florence ist die Nächste, die ein Kind erwartet - aber sie ist nicht die Letzte.

Ein stille Rebellion zieht durch Lorient. Das Ziel ist klar: Nur nicht so missvergnügt, verhärmt und lebensunlustig - und so gewalttätig - werden wie die Eltern. Camille gibt den Ton an. Sie will das Kind, weil sie dann einen Menschen hat, der sie wirklich liebt. Das ist eine Hoffnung, die 17 Mädchen in dieser Komödie infiziert. Die Regie-Schwestern Delphine und Muriel Coulin finden dafür eine überzeugende Erzählhaltung, sie beobachten und halten Distanz. Nichts wird dramatisch überzogen. Zwischen der großen Sehnsucht nach dem Anderssein und der Suche nach Befreiung liegt ein weites Feld.

Der originelle postfeministische Mein-Körper-gehört-mir-Protest verkommt nie zum Logo, sondern bleibt leicht und locker, charmant und fantasievoll. Die Regisseurinnen versinken auch nicht in schwärmerischer Entrückung, sondern behalten die sozialen Lebensumstände im Blick - und auch die psychologischen. So wird die Einsamkeit der Mädchen in ihren Kinderzimmern, denen sie eigentlich längst entwachsen sind, zur Metapher.

Bewertung: 4/5