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Digital FaceApp: Lustige Spielerei oder russischer Datenklau?
Nachrichten Digital FaceApp: Lustige Spielerei oder russischer Datenklau?
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06:44 19.07.2019
Die FaceApp ruft Bedenken wegen Sicherheitsrisikos hervor. Quelle: Jenny Kane/AP/dpa
Hannover

In den sozialen Medien kursieren gerade zahlreiche Fotos von Promis – mit Falten und grauen Haaren um mehrere Jahrzehnte gealtert. Dahinter steckt die „FaceApp“, eine Anwendung zur Bildbearbeitung, die gerade viral geht. Das Programm manipuliert die Gesichter seiner Nutzer und lässt sie so zum Beispiel einen kleinen Blick in die eigene Zukunft werfen.

In Deutschland hatt die App inzwischen Platz 1 der App-Charts erobert. Dabei ist die Anwendung nicht neu: Schon im Januar 2017 wurde sie von der russischen Firma Wireless Lab auf den Markt gebracht. Inzwischen wurden einige Effekte verbessert. Grund für den derzeitigen Hype um die Anwendung ist aber wohl vor allem die „Face-App Challenge“, die in den sozialen Netzwerken kursiert. Stars wie Drake, Sam Smith oder die Jonas Brothers teilen Fotos auf Instagram und Twitter, auf denen sie um Jahrzehnte gealtert sind.

Experten warnen vor Sicherheitsrisiken

Um die App zu nutzen, müssen Nutzer ein Selfie schießen oder ein Foto aus ihrer Galerie hochladen. Dann lässt sich das Foto auf unterschiedliche Weise bearbeiten. Die App bietet verschiedene Filter, mit denen Nutzer sich zum Beispiel selber altern oder verjüngen können. Die Anwendung ist sowohl für iOS als auch für Android verfügbar. In der Basic-Version ist sie kostenlos, die werbefreie Pro-Variante kostet einmalig 40 Euro oder 20 Euro im jährlichen Abo.

Doch auch wenn die App wie ein lustiger Spaß wirkt – immer mehr Experten äußern Bedenken wegen dem undurchsichtigen Datenschutz. Über die russischen Entwickler ist wenig bekannt, außer einer Postanschrift und einer Mail-Adresse ist kaum etwas über die Wireless Lab herauszufinden. Wer die App verwendet, stimmt jedoch automatisch der Datenschutzerklärung und den AGB zu. Diese räumen den Machern teils weitreichende Rechte ein.

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Fotos werden in einer Cloud gespeichert

Um die Anwendung zu nutzen, müssen Nutzer ihre Fotos hochladen. Wie das Nachrichtenportal „TechCrunch“ berichtet, werden diese nicht etwa auf dem Gerät bearbeitet, sondern automatisch auf den Server der Hersteller geladen. Der Nutzer erfährt das bei der Anwendung nicht.

Auf Nachfrage von „TechCrunch“ bestätigte FaceApp, dass die Bearbeitung der Fotos mithilfe von künstlicher Intelligenz größtenteils in der Cloud stattfindet. Allerdings erklärt das Unternehmen, die App lade nur Fotos hoch, die Nutzer spezifisch ausgewählt haben. Auch in Sicherheitstests wurden Medienberichten zufolge keine Beweise gefunden, dass App die gesamte Fotogalerie auf dem Smartphone im Hintergrund hochlädt.

Was mit den ausgewählten Fotos auf dem Server passiert, ist jedoch unklar. Nach Angaben der FaceApp-Entwickler kann es vorkommen, dass die App Fotos für kurze Zeit speichert. Das sei notwendig, um zum Beispiel sicherzustellen, dass ein Nutzer nicht ständig das gleiche Foto hochlädt und bearbeitet. „Die meisten Fotos werden 48 Stunden nach dem Upload von unserem Server gelöscht“, gab das Unternehmen in seinem Statement an.

US-Demokrat will FaceApp vom FBI untersuchen lassen

Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, hat die Bundespolizei FBI wegen der Sicherheitsbedenken zu einer Untersuchung der populären Smartphone-Applikation aufgefordert. Die App könne wegen ihres Umgangs mit persönlichen Daten ein nationales Sicherheitsrisiko sowie eine Gefahr für Millionen US-Bürger darstellen, schrieb er in einem am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter veröffentlichten Brief.

Dies könne dazu führen, dass die Bilder künftig öffentlich und privat ohne die Zustimmung der Nutzer gebraucht würden. Dass die Betreiberfirma ihren Sitz in Russland habe, werfe die Frage auf, ob Daten von US-Bürgern an Dritte oder möglicherweise an ausländische Regierungen weitergegeben würden.

FaceApp behauptet, keinerlei Daten würden nach Russland übertragen. Stattdessen nutzt das Unternehmen die Cloud-Dienste „Amazon Web Service“ und „Google Cloud“. In seinem Statement erklärte FaceApp-Chef Yaroslav Goncharov außerdem, dass keinerlei Nutzerdaten mit Dritten geteilt werden.

Was passiert mit den Nutzerdaten?

In den AGB räumen die FaceApp-Entwickler sich allerdings unter anderem das Recht ein, Fotos auch für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Nutzer müssen dem in St. Petersburg ansässigen Unternehmen außerdem uneingeschränkten und unwiderruflichen Zugriff auf ihre persönlichen Fotos und Daten gewähren. Auch auf dem Gerät gelöschte Inhalte können weiter auf den FaceApp-Servern gespeichert bleiben.

„Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist“, schrieb US-Demokrat Schumer auf Twitter. Das FBI müsse deshalb untersuchen, ob Daten von US-Bürgern in die Hände der russischen Regierung oder ihr nahe stehenden Stellen gelangten.

Datenschutzbeauftragter warnt vor Nutzung

In dem Brief richtet sich der Senator aus New York auch an die US-Handels- und Verbraucherschutzbehörde FTC. Diese müsse überprüfen, ob US-Bürger – inklusive Regierungspersonal und Angehörige des Militärs – ausreichend gegen eine mögliche missbräuchliche Nutzung ihrer Daten geschützt seien.

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber vor der Nutzung. Es gebe die Besorgnis, „dass wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten“, sagte Kelber (SPD) am Donnerstag in der Radiosendung „SWR Aktuell“. Der Datenschützer monierte unter anderem „schwammige Nutzungsbedingungen“. Besorgniserregend sei auch, dass nur wenig darüber bekannt sei, wer hinter FaceApp stecke.

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MSQRD und Meitu: Das sind die App-Alternativen

Laut den Entwicklern der FaceApp können Nutzer verlangen, dass ihre Daten gelöscht werden. Dazu muss eine Anfrage über die App gestellt werden. Wie „TechCrunch“ berichtet, ist das Verfahren allerdings recht kompliziert: In den Einstellungen können Nutzer unter „Support“ die Option „Einen Fehler melden“ wählen. Ihre Anfrage können sie dann unter dem Betreff „Privacy“ verschicken. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen momentan jedoch an einer besseren Lösung.

Wer Sicherheitsbedenken hat, kann auf andere Apps zurückgreifen, die ähnliche Effekte bieten. Eine gute Alternative ist laut Technikportal Chip beispielsweise die App MSQRD. Auch hier kann das Aussehen mit Masken, Filtern und Effekten verändert werden. Ähnlich funktioniert die Meitu-App, mit der während der Amtseinführung von Donald Trump Bilder des neuen US-Präsidenten auf ulkige Weise verfremdet wurden.

Von RND/lzi