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Mensch-Hannover Tonhalle Hannover: So läuft das „Trainingszentrum“ für Musiker
Menschen Mensch-Hannover Tonhalle Hannover: So läuft das „Trainingszentrum“ für Musiker
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15:24 10.06.2019
SCHEINBAR ATEMLOS AM SAXOPHON: Andreas Burckhardt leitet die „Tonhalle". Quelle: Frank Wilde
Hannover

Laute Autos, das Rattern der Straßenbahn und Studentengruppen, die sich über den Lärm hinweg unterhalten, weiter weg dröhnt eine Sirene. Am Königsworther Platz sind die Menschen in Eile. Doch hinter der wuchtigen Häuserzeile öffnet sich eine neue Welt: Ein kleine Seitenstraße führt zu einem weißen Häuschen mit Flachdach. An der Hauswand ein Schild: „Tonhalle Hannover“. Die rot umrahmte Haustür öffnet sich und heraus kommt eine Gruppe lachender Männer mit Instrumentenkoffern. Dahinter steht Andreas Burckhardt (60) mit einem Saxophongurt um den Hals und hält die Tür auf. Willkommen im Trainingszentrum.

Wer hat schon Lust, zuhause allein zu üben?

Er nennt die Tonhalle bewusst nicht Musikschule – „mein Konzept ist ein anderes“ erklärt er, während er durch den hellen Übungsraum läuft. Die große Glastür an der Rückwand gibt den Blick auf den grünen Garten frei. Burckhardt war lange Zeit Lehrer an der Musikhochschule Hannover – und kennt das Problem seiner Schüler: „Das Üben Zuhause. Oft kommt etwas dazwischen oder die Motivation fehlt. So tritt man auf der Stelle.“

ORT FÜR GLEICHGESINNTE: Die „Tonhalle" liegt etwas versteckt hinter dem Königsworther Platz. Quelle: Frank Wilde

In einem Aufenthaltsraum setzt er sich auf ein kleines Sofa, Burckhardt strahlt eine innere Zufriedenheit aus, die schon fast beruhigend wirkt. Wenn er dann über seine Leidenschaft spricht, fangen seine Augen an zu leuchten. „Das tolle am Jazz ist, dass der Schwerpunkt die Improvisation ist. Es geht immer um den Moment – der beste Aspekt, den es in der Musik gibt. Das Live-Spiel kann man so nicht wiederholen.“ Die Energie habe für ihn eine fast mystische Wirkung. „Bei Live-Musik passiert etwas mit den Musikern und dem Publikum. Musik ist an ganz viele Bereiche im Gehirn gekoppelt. Sie kann eine Erinnerung hervorbringen oder eine Stimmung verursachen. Das ist schon magisch.“

Burckhardt speichert Luft in den Backen

Magisch wirkt auf Zuhörer auch Burckhardts schier endlose Improvisation auf dem Saxofon. Der Musiklehrer ist bekannt dafür, dass er die „Zirkularatmung“ verfeinert und ausgebaut hat. „Beim Spielen wirkt es so, als müsste man zwischendrin nicht mehr atmen.“ Den Trick erklärt Burckhardt so: „Man speichert Luft in den Backen. Drückt man diese Luft in das Instrument, kann man gleichzeitig durch die Nase Luft holen.“

Burckhardt hat einen Traum: „Die Musiker der Stadt zusammenbringen“ – in einem „House of Music“. Hier sollen Profis, ab er auch Hobbymusiker unter einem Dach vereint werden. „Viel mehr darf ich dazu aber noch nicht sagen.“

Diese Konzerte finden in der Tonhalle statt:

Die Tonhalle (Fischerstraße 1A) ist auch ein kleiner, feiner Ort für Konzerte:

Am 16. Juni ab 18 Uhr spielt Lisa Wulff mit ihrem Quartett Contemporary Jazz – 2016 gewann sie den Förderpreis bei Jazz Baltica, ijr erstes Album wurde für den Echo nominiert.

Am 23. Juni ist ab 18 Uhr ist Gitarrist Thomas Brendgens-Mönkemeyer zu Gast, mit auf der Bühne stehen Klaus Fey, David Jehn und Wolfgang Ekholt.

Am 30. Juni ist „Silent Music“ angesagt, Ab 18 Uhr spielt das Tonhallenorchester zusammen mit dem Kölner Schlagzeuger Peter Kahlenborn.

Karten für alle Konzerte kosten 15, ermäßigt zehn Euro. Regelmäßig finden auch Musikbasare und Sessions für Studenten statt.

Von Michelle Rössel

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