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Mensch-Hannover Schröder-Kim ganz verliebt in Hannover
Menschen Mensch-Hannover Schröder-Kim ganz verliebt in Hannover
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19:12 09.12.2018
Soyeon Schröder-Kim auf dem Weihnachtsmarkt Quelle: Christian Behrens
Hannover

Kartoffeln. Dass Deutsche gern viel und vor allem täglich von dem Gemüse essen, das hat Soyeon Schröder-Kim (49) schon auf ihren allerersten Reisen nach Deutschland Anfang der 90er bemerkt: „Mal als Pommes, als Salzkartoffeln, als Kartoffelsuppe.“ So richtig begeistert war sie anfangs nicht und isst auch heute noch hauptsächlich Gerichte aus ihrer koreanischen Heimat: „Aber Bratkartoffeln, die haben es mir mittlerweile echt angetan.“

Zum Kartoffelnessen hat sich die Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder (74) aber ohnehin nicht mit der NP getroffen. Vielmehr hatte sie Lust auf einen Bummel über den Weihnachtsmarkt. Den und viele andere Teile der Stadt kennt sie nämlich noch nicht. „Ich finde Hannover sehr schön“, erzählt sie bei einem alkoholfreien Punsch Sonnabendmittag. Ihr Gatte hatte sie bis an die Marktkirche begleitet und sich dann mit einer herzlichen Umarmung von ihr verabschiedet. Sie ist eine selbstbewusste, selbstbestimmte Frau und macht ihr eigenes Ding.

Jedenfalls konnte Schröder-Kim es kaum erwarten, die Stadt, von der ihr Mann ihr so häufig und detailliert am Telefon erzählt hatte, endlich kennenzulernen. Lieblingsplätze waren da schnell ausgemacht: das „Roma“ an der Goethestraße, seit Jahrzehnten sein Lieblingsrestaurant. Das schnuckelige „Zurück zum Glück“ im Zoo-Viertel, an dessen Namen sie sich gar nicht satt hören konnte: „Ich hatte irgendwann Bilder im Kopf, meine ganz eigenen Vorstellungen, wie es an den Orten wohl aussieht. Hannover ist die Stadt, die ich unbedingt kennenlernen wollte, schließlich ist es die Stadt meines Mannes.“ Ihre Neugier ist mittlerweile gestillt, die 48-Jährige ist, so oft es ihr Terminkalender – sie ist als Wirtschaftsberaterin und Dolmetscherin viel unterwegs – hergibt, in der Landeshauptstadt, sie pendelt zwischen Hannover und Seoul.

Soyeon Schröder-Kim auf dem Weihnachtsmarkt. Quelle: Christian Behrens

Weihnachten in der koreanischen Hauptstadt

Weihnachten verbringt das Ehepaar in diesem Jahr in der koreanischen Hauptstadt. Mit seinen Kindern wird Gerhard Schröder das Fest der Liebe in diesem Jahr vorfeiern. Mitbringsel suchte Soyeon Schröder-Kim übrigens mit der NP auf dem Weihnachtsmarkt aus: eine handbemalte Weihnachtskugel, eine Spieluhr aus Holz (O Tannenbaum), einen hölzernen Bergmann. „Es ist faszinierend schön hier, die Tradition gefällt mir sehr“, schwärmt Schröder-Kim. Und noch mehr, als sie die Krippenausstellung der Marktkirche sieht: Da bleibt ihr Smartphone gar nicht mehr in der Handtasche, sie fotografiert die liebevoll ge­stalteten Kunstwerke. Anschließend zündet sie eine Kerze in dem Gotteshaus an. Das macht sie immer.

„Dinge wie diese bereichern mein Leben. Ich freue mich über jede Gelegenheit, Neues zu entdecken.“ Traditionell verbringt sie seit jeher Weihnachten mit der Familie, sie hat eine 13-jährige Tochter, einen älteren Bruder, der Arzt ist, und eine jüngere Schwester. Auch in diesem Jahr wird ihre Mutter kochen, koreanische Spezialitäten wie etwa Bulgogi kommen auf den Tisch. Das marinierte Rindfleisch heißt wörtlich übersetzt Feuerfleisch und gilt im Land als Festtagsspeise. „Bei uns feiert man Weihnachten nur am 25. Dezember“, berichtet die Asiatin von ihrer Heimat, „und an Silvester geht es eher ruhig zu. Man besinnt sich, blickt zurück und schmiedet Pläne für das neue Jahr.“

In der Marktkirche schaut sie sich die Krippenausstellung an und macht viele Fotos. Quelle: Christian Behrens

Silvester in Wien

Die Schröders werden 2019 in Wien begrüßen, dort gehen sie am 1. Januar zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. „Ich liebe klassische Musik“, gesteht sie – und verrät, dass sie mit ihrem Mann zum Frühstück Musik von Modest Mussorgski gehört hat, genauer: den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Wenn es um Musik und Kunst geht, bricht aus der zierlichen Frau Enthusiasmus heraus, der sofort ansteckend ist: „Ich bin mit Musik aufgewachsen, mein Vater war großer Mu­sikliebhaber.“ Die kleine Soyeon hörte klassische Mu­sik von der Schallplatte. Damals in Südkorea eine echte Seltenheit: „Mein Va­ter hat in den USA studiert und sie von dort mitgebracht.“ Später war sie während ihrer Zeit an der Uni Leiterin eines studentischen Musikclubs: „Ich nannte ihn BBB. Nach Bach, Brahms, Beethoven.“ Eine ihrer weiteren Leidenschaften sind Le­sen und Schreiben, „ich habe schon als Schülerin leidenschaftlich gern Tagebuch geschrieben“:

Zwölf Jahre lang führte sie es regelmäßig und so intensiv, dass manchmal Mitschüler darauf beharrten, sie in ihren Schriften zu erwähnen, wenn etwas Besonderes vorgefallen war. Sie lacht beim Erzählen wieder ihr ansteckendes Lachen. „Eine Freundin wollte sogar, dass ich mal ein Haar von ihr ins Tagebuch klebe. Dass sei schließlich unsterblich.“ Im Gegensatz zu den Menschen – auch dieses Bewusstsein hat die Koreanerin seit jungen Jahren: „Ich habe mir immer schon Gedanken da­rüber gemacht, dass unsere Zeit beschränkt ist.“ Und deshalb nutzt sie ihre sehr intensiv. „Mit 14 habe ich von Hermann Hesse „Demian“ gelesen. Ohne es zu verstehen. Es wird wahrscheinlich auch noch schlecht übersetzt gewesen sein“, sagt sie lachend und zuckt mit den Schultern; „Ich habe es trotzdem bis zu Ende gelesen. Verstanden habe ich nichts.“ Dennoch sind aus diesem Buch wie aus sehr viel mehr Lektüre einzelne Sätze hängengeblieben. „Ich habe Passagen, die mir wichtig oder interessant erschienen, im­mer unterstrichen, sie sogar abgeschrieben.“ So kommt es, dass sie plötzlich aus „Demian“ zitiert: „Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören.“

Spaziergänge mit Gerhard am Maschsee

Die Welt, in der Soyeon Schröder-Kim mit Ende vierzig unterwegs ist, ist eine, die sie alles andere als zerstören will. „Ich genieße es, mit meinem Mann zusammen zu sein“, sagt die im chinesischen Tierkreiszeichen im Jahr des Hundes geborene Frau. Sie genießt Spaziergänge, in Hannover vor allem die vom Nordufer des Maschsees runter zum Aspria. Dort verbringt das Paar, wenn sich Zeit findet, gern mal ein Stündchen in der „Muckibude“, wie er wohl zu sagen pflegt. Die 48-Jährige hat das Wort auch tatsächlich von ihm gelernt. Anschließend folgt dann ein Ritual: „Wir trinken Apfel-Möhren-Ingwersaft.“

Im Wunschbrunnenwald gab es einen heißen Punsch. Quelle: Christian Behrens

Ist es für sie eigentlich befremdlich, mit der Beziehung zum Altkanzler nun im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen? Auch während sie mit der NP unterwegs ist, drehen sich immer wieder mal Besucher des Weihnachtsmarktes um und fangen an zu tuscheln. „Nein“, versichert sie, „das war in Korea in gewisser Weise in meiner Funktion als Repräsentantin von NRW Invest auch so.“ Ihr Leben habe sich nicht wesentlich verändert: „Es ist einfach schön, dass ich meinen Ehemann habe, den ich liebe und er mich. Wir sind auf einer Wellenlänge, verstehen uns mühelos.“ Und vielleicht hat er ihr dann ja auch zu Hause zu einem verspäteten Mittagessen Bratkartoffeln serviert: „Er macht wirklich die besten.“

Von Mirjana Cvjetkovic

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