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Mensch-Hannover Roßmann erzählt in seiner Biografie aus seinem Leben
Menschen Mensch-Hannover Roßmann erzählt in seiner Biografie aus seinem Leben
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10:40 10.10.2018
Entspannter Zeitgenosse: Dirk Roßmann in seinem Büro. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Es ist ein wirklich wunderbarer Herbsttag, als Dirk Roßmann (72) die NP in die Zen­trale seines Unternehmens nach Burgwedel einlädt. Die Sonne wirft bereits am Vormittag ihre wärmsten Strahlen vom Himmel – und der leuchtet in seinem schönsten Blau. Die leichten, weißen Wolken liefern einen schönen Kontrast. Und auch Dirk Roßmann bietet anstatt der simplen Frage-Antwort-Verabredung ein ähnliches Kontrastprogramm: Er zeigt sich nicht von der Seite eines Unternehmers, der seine druckfrische Biografie abfeiert und sich mit seiner 50 000 Mann starken Mannschaft rühmt, die in den 3800 Filialen europaweit im vergangenen Jahr neun Milliarden Euro erwirtschaftet hat.

Der Drogeriekönig zeigt sich von seiner wissbegierigen Seite und stellt selbst einige Fragen. Und er zeigt sich von der Seite, die (sein) Wissen vermittelt. Das führt so weit, dass der 72-Jährige nicht nur seine Lieblingsbücher empfiehlt (etwa Erich Fromms „Haben oder sein“), sondern auch welche aus seinem Bücherschrank sucht und verschenkt. Jedenfalls ist der ursprüngliche Anlass des Treffens – ein Gespräch über seine Biografie – das eine oder andere Mal vom Tisch.

Um sein Selbstbewusstsein zu stärken, macht er eine Therapie

„Ohne die zehnjährige Therapie, die ich mit Anfang dreißig gemacht habe, ohne diese Erfahrung hätte ich meinen Weg nicht gefunden“, geht Roßmann auf die Frage, wie er denn seinen Mittelweg im Leben gefunden habe, gleich von Beginn an in die Vollen: „Und durch lebendiges Lernen: Erfahrung ist die höchste Autorität.“ Und er hat eine traurige im zwischenmenschlichen Bereich gemacht: „Meine erste Ehefrau hat mich verlassen; nicht ich sie.“ Und während der aufstrebende Geschäftsmann am Tage gut mit der Trennung zurechtkam, machte ihm das abendliche Alleinsein dann doch zu schaffen: „Das war sehr schwer.“ Freunde rieten ihm aufgrund des angeknacksten Selbstbewusstseins zu der Therapie, ganz überzeugt war er zwar nicht davon, er dachte sich aber: „Ich gucke mir das mal an.“ Die Sitzungen fand er ganz spannend, „denn der Quatsch, den ich im Kopf hatte, hat mich nicht weitergebracht“. Von seiner Therapeutin hat er wichtige Dinge gelernt, „ich habe ihr meine Meinung gesagt, sie mir ihre. Sie hat einfach alles aus einer anderen Perspektive beleuchtet.“ Das hat ihn weitergebracht, ihm geholfen, sich aufzuräumen. Peinlich ist ihm das heute nicht, im Gegenteil: „Heute bin ich selbstbewusst, und das war auch 72 Jahre harte Arbeit.“

Im Gegensatz zu dieser selbstgewählten Therapie erinnert sich Roßmann auch an eine unschöne Erfahrung Mitte der 1960er Jahre: Weil er sich zu Unrecht zum Wehrdienst eingezogen fühlte (er wollte die gesetzlich mögliche Freistellung wegen „hilfsbedürftiger Angehöriger“ erwirken, um in der Drogerie seiner Mutter mitzuhelfen, er war Ernährer der Familie), machte er vom ersten Tag an Rabatz. Und zwar so: „Mein Name ist Dirk Roßmann. Ich bin Bürger der Bundesrepu­blik Deutschland. Ich prozessiere gegen meine Einberufung“, wiederholte er gebetsmühlenartig bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sein Anwalt hatte ihm dringend geraten, zunächst hinzugehen, einen vorangegangenen Prozess hatte Roßmann zunächst verloren, er ging in Revision.

Baum statt Bundeswehr

„Aus meinem Rechtsempfinden musste ich nicht zur Bundeswehr, habe auch im­mer gesagt, dass ich nur unter Protest da bin, und ich habe die Leute zum Wahnsinn getrieben“, poltert er auch heute noch ähnlich drauflos. Das ging so weit, dass er in die Psychiatrie nach Langenha­gen gebracht wurde! Nach vier Wochen entließen ihn die Ärzte. Zurück in der Kaserne, ließ er nicht locker: Er zog seine Ausgehuniform an und kletterte auf einen Baum, „direkt vor dem Eingang der Kaserne stand eine mächtige Eiche“. Seine Vorgesetzten rasteten aus, die Feuerwehr rückte an: „Mein Baum war aber höher als deren Leiter.“

Roßmann wurde aus dem Wehrdienst entlassen, hatte also sein Ziel erreicht; und das sollte sich wie ein roter Faden durch sein Leben ziehen: „Wenn ich etwas will, dann will ich das.“ Sein Wille war auch, mit dem Buch die Öffentlichkeit an seinem Le­ben teilhaben zu lassen: „Die Beweggründe sind andere geworden. Mir war Öffentlichkeit immer wichtig. Früher, um mein Unternehmen stark zu machen, dann gab es eine Phase, in der es sicherlich auch Eitelkeit war, heute merke ich einen großen Ernst in mir“, erklärt er, „ich sehe mich als Bürger, der die Möglichkeit hat, dieses Land ein Stück weit mit zu prägen. Nicht im Sinne von Größenwahn, sondern um ein Stück Verantwortung zu übernehmen und mich in Diskussionen miteinzubringen.“

Er will sich in Diskussionen einbringen, das Land prägen

Ebenfalls ein roter Faden in seinem Leben: Geld. In seiner Kindheit Mangelware, dann verdiente er gut, wäre Mitte der 90er aber beinahe bankrott gewesen. Heute ist Roßmann mit seinem Unternehmen erfolgreicher denn je. „Ein materieller Mensch bin ich aber nicht“, betont er, „natürlich gibt es mir Sicherheit, nicht ständig darüber nachdenken zu müssen. Ich würde lügen, wenn das nicht so wäre.“ Was ihm wichtiger ist, sind Wandertouren mit Freunden, Tennismatches und Skatrunden. Bei allen Aktivitäten ist auch Martin Kind (74) dabei. Kurz vor und während des Interviews ruft der Unternehmer und 96-Präsident übrigens bei Roßmann an, um eine Skatrunde für den Abend auf die Beine zu stellen. „Während des Spiels kämpfe ich wie um mein Leben. Aber da­nach ist es mir egal. Es ist ja die Aktivität, die mir Spaß macht“, beantwortet der Drogeriemagnat die Frage, ob er gut verlieren kann.

Ein Gewinn im Leben ist seine Frau Alice, ihr widmet er auch das Buch: „Sie ist meine große Liebe.“ Viel weiß man nicht über sie, sie meidet die Öffentlichkeit. „Es sieht oft so aus, als ob ich alleine lebe“, sagt er lachend im Hinblick auf die Tatsache, dass er ohne seine Gattin, mit der er seit 36 Jahren verheiratet ist, zu der Hochzeitsfeier von Gerhard Schröder (74) durch die Vordertür des Ho­tels, in dem gefeiert wurde, ging. Alice Roßmann wählte mit Blick auf die Fotografen und Fernsehkameras lieber den Hintereingang. Auf Nachfrage erzählt Dirk Roßmann von ihrer Beziehung: „Wir sind extrem unterschiedlich. Alice ist vorsichtiger, reflektierter. Ich bin manchmal auch übermütig und emotional.“ Er lacht: „Wir ergänzen uns.“ Auch insofern, als sie ihrem Mann gestattet hat, ein Foto von sich, ein Porträt, im Buch abzudrucken.

In Burgwedel: Dirk Roßmann mit NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic in der Burgwedeler Firmenzentrale. Quelle: Florian Petrow

Seine Frau Alice ist seine große Liebe

Roßmann gibt sich so, wie er ist: „Es fällt mir leicht, authentisch zu sein. Es war immer viel schwerer, wenn ich mich verstellen muss.“ Etwa früher, als er noch Kredite bei den Banken hatte und vorsprechen musste. Was in Bezug auf das Gespräch mit der Neuen Presse feststeht: Auf Fragen zu antworten, ohne einbeziehen zu können, was ihm noch gerade so in den Sinn kam, das war nichts für Dirk Roßmann. Authentisch eben.

Sein Buch als Lebensbilanz

Die Autobiografie „... und dann bin ich auf den Baum geklettert“ (Ariston, 240 Seiten, 20 Euro) von Dirk Roßmann (72) hat eine Auflage von mindestens 32 000 Exemplaren: So viele Bücher hat der Unternehmer nämlich nur für seine Mitarbeiter in Deutschland (europaweit sind es 55 000) drucken lassen. Sie bekommen es ge­schenkt. Besonderheit: Es hat ein zusätzliches Vorwort, in dem er sich an die Belegschaft wendet und schreibt, „dass ohne Ihre Loyalität und tatkräftige Unterstützung der große Erfolg unseres Un­ternehmens gar nicht möglich gewesen wäre“.

Die Biografie ist in drei Kapitel aufgeteilt: Werden, Wachsen, Sein. Im ersten Abschnitt schildert der Unternehmer eine besonders persönliche Erfahrung, die er als Teenager machte: Sein Vater Bernhard starb an einem Herzanfall, da war Dirk Roßmann gerade einmal zwölf Jahre alt. Mutter Hilde „stand allein mit zwei Kindern da“ und war verschuldet. Vier Jahre später sollte Dirk Roßmann erfahren, dass Bernhard Roßmann nicht sein leiblicher Vater war, sondern Theodor Kayser, ein Nachbar und der Patenonkel seines Bruders Axel. Der junge Roßmann nannte Kayser nur Onkel T.

Die Biografie Quelle: Ariston Verelag

Mit 16 findet er heraus, wer sein leiblicher Vater ist

Über den hatte er sich stets gewundert, weil dieser ihm „zu allen möglichen Anlässen kleinere Präsente“ machte. Als 16-Jähriger half Roßmann in der elterlichen Drogerie aus: „Alle paar Wo­chen kam Onkel T. überraschend vorbei.“ Da schaute er den Jugendlichen „sehr lange, sehr intensiv“ an. Kayser hatte eine Glatze, beim jungen Roßmann fielen auch schon die Haare aus, „mein Argwohn war geweckt“. Er nahm seinen Mut zusammen und fragte seine Mutter, ob Onkel T. sein leiblicher Vater sei. Ohne lange zu zögern, bejahte sie die Frage – mehr erfuhr er nie: „Das Thema wurde totgeschwiegen.“

Roßmann und Kayser sprachen miteinander, Kayser unterstützte seinen Sohn auch finanziell. Er starb 1967. Vor einigen Jahren wurde sein Grab auf dem Friedhof Seelhorst aufgelöst. Roßmanns jüngerer Sohn Raoul (33) überraschte seinen Vater zum 70.: Er schenkte ihm den Grabstein! „Er hat ein schönes Plätzchen bei uns zu Hause im Garten gefunden“, er­zählte Roßmann der NP.

Von Mirjana Cvjetkovic

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