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Mensch-Hannover Rick Jordan – von „Hyper Hyper“ zum Leichtmatrosen
Menschen Mensch-Hannover Rick Jordan – von „Hyper Hyper“ zum Leichtmatrosen
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10:12 18.01.2019
Immer auf dem Boden geblieben: Rick Jordan, der als Musiker und Sounddesigner mit Scooter berühmt geworden ist, liebt seinen „Kiez" der Jugend – die Nordstadt. Quelle: Frank Wilde
Hannover

„Dies war mein Kiez, hier bin ich aufgewachsen!“ Es ist ein kalter Tag in der Nordstadt vor der Lutherkirche, Rick Jordan (51) dreht sich um die eigene Achse und schaut sich prüfend um. Viel hat sich nicht verändert seit damals, als er Hannover verließ, um mit H.P. Baxxter (54) und der Band Scooter mit Techno-Musik die Welt zu er­obern. Klar, in einige Ge­schäfte sind andere Inhaber eingezogen, aber ansonsten deckt sich der Anblick mit seiner Erinnerung. Und während er die Kirchenstufen hochgeht und die wuchtige Tür öffnet, sagt der Musiker ehrfürchtig: „Hier wurde ich getauft, hier wurde ich konfirmiert, hier ha­be ich geheiratet.“ Fast an­dächtig betritt er die große Kirche. Das ist ein ungewöhnlicher Anblick: der Mann mit dem leicht ergrauten Stoppelbart, der riesigen schwarzen Lederjacke, der Jeans mit den dicken Ziernähten, den großen, wuchtigen Ketten um den Hals und den fetten Ringen an den Händen in diesem geistlichen Raum. Doch Rick Jordan hat – das zeigt auch seine Karriere – viele Gesichter.

Musik hat er schon immer gemacht, als kleiner Junge hat er sich mit seiner ersten „Band“ mit Nachbarsjungen an die Herrenhäuser Gärten gestellt, Ziehharmonika gespielt und auf ein paar Geldstücke von Spaziergängern gehofft. Die meisten aber werden Jordan noch an der Seite von H. P. Baxxter kennen, der als Frontmann von Scooter mit den kurzen, weiß gefärbten Haaren sein „Hyper, Hyper“ in die Masse brüllte.

Über eine Zeitungsan­nonce hatten sich die beiden 1986 in Hannover kennengelernt. Jordan hatte die Schule abgebrochen, um Musiker zu werden. Als Keyboarder hatte er in mehreren hannoverschen Bands gespielt. Baxxter hatte sein Jurastudium nach nur einem Semester geschmissen. Die Jungs verstanden sich auf Anhieb und hatten mit Bands wie The Cure, Soft Cell und Depeche Mode ähnliche musikalische Vorbilder. Zu­sammen gründeten sie die Synthie-Pop-Band Celebrate the Nun. Weitere Bandmitglieder waren Baxxters Schwester Britt Maxime (56) und Schlagzeuger Slin Tompson, alias Nils Enghusen, der die Psychobilly-Band The P.O.X gegründet hatte. „Ende der 80er-Jahre hatten wir mit dieser Band Erfolg. Unsere Single ,Will you Be There’ war sogar unter den Top-Five der US-Billboard-Club-Charts!“, erinnert sich Jordan.

Interview in der NP: Schon 1995 waren die Musiker Ferris, alias SörenBühler, H. P.Baxxter und Rick Jordan (von links )Stars. Quelle: NP

Auch die nächste Single startete durch. Doch weitere Erfolge blieben aus. „Unsere Erfahrungen mit Celebrate The Nun waren für unseren späteren Erfolg mit Scooter entscheidend. Wir hatten wichtige Einblicke ins Musikbusiness bekommen und gelernt, dass es nicht einfach ist, oben zu bleiben. Das hat uns davor bewahrt, bei dem Erfolg von Scooter später total abzuheben“, sagt Jordan, der auch bei Scooter eher als der Bodenständige galt. Er wurde Tonmeister, baute sich ein kleines Tonstudio im Keller seiner Wohnung in Herrenhausen aus und lebte von Jobs, Kumpel Baxxter ging zum Hamburger Musik-Label Edel-Music: „Wir wollten weiter Musik machen, gründeten 1993 mit Jens Thele, unserem späteren Manager, und Baxxters Cousin Sören die Band The Loop. Aus der wurde dann Scooter.“

Anfang der 90er-Jahre war Hannover die Techno-Stadt. „Hanomag Tor 1“ war einer der bekanntesten Techno-Clubs in Deutschland, zur Reincarnation-Parade 1996 sollen dort bis zu 15 000 Menschen gefeiert haben. In dieser Atmosphäre wurde die Band Scooter groß. 1994 erlebten die Jungs aus Hannover mit ihrer Hymne „Hyper Hyper“ den Durchbruch.

Wie kam es zu dem Slogan? „Wir spielten auf einem Konzert ein Instrumentalstück, das nicht richtig ab­ging. Um die Masse anzufeuern, rief H. P. spontan ,Hyper, Hyper’ ins Publikum. Die Leute waren begeistert“, erinnert sich Jordan. Der Aufstieg war rasant, Scooter eroberte die Welt. Zunächst belacht, musste die internationale Musikwelt bald feststellen, dass Scooter kein One-Hit-Wonder war: Mehr als 30 Millionen verkaufte Tonträger sprechen für sich. Für „Move your Ass!“, „Back in the UK“ oder „How Much Is the Fish“ wurden sie von den Fans gefeiert.

Noch in Hannover heiratete Jordan seine Freundin Nikk, die auf einigen Songs die Oberstimme gesungen hat. 1997 zog das Paar nach Hamburg, dort wurde auch ihre Tochter geboren. 2014 stieg Jordan, der bei Scooter auch für Sounddesign und Endmix zuständig war, aus. „Ich wollte mich musikalisch weiterentwickeln“, begründet er den Scooter-Abschied: „Mit H. P. verstehe ich mich bis heute gut, wir hatten keinen Streit.“ Immerhin: Dank Scooter habe er genug verdient, um relativ unbesorgt leben zu können: „Wir haben das Geld in der Band nie völlig sinnlos verjubelt, so war das nicht. Ich habe auch immer gespart. Bei uns spielten harte Drogen auch keine Rolle. Alkohol und Zigaretten klar, aber mehr nicht. Auch kein Ecstasy, was in der Szene ja gang und gäbe war.“

Als Keyboarder spielte Jordan in verschiedenen Bands, von 2016 bis 2018 produzierte er mit dem Konzertpianisten Alexander Raytchef (43), der sein Abschlussexamen an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover gemacht hatte, klassische Instrumentalmusik. Seit 2018 ist Jordan Produzent und Bassist der Münsteraner Band Leichtmatrose. „Für die Band habe ich extra noch Bass-Gitarre gelernt, es gab schon einen Keyboarder“, lacht der Musiker. Die Band spielt Elektro-Pop und be­geistert mit düsteren, sehnsüchtigen, teilweise gitarrenlastigen Klängen voller Pa­thos und kritisch- anspruchsvollen Texten. Eine eigen­willige Mischung – und von Techno und „Hyper Hyper“ weit entfernt.

Von Maike Jacobs

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