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Mensch-Hannover Katja Riemann: „Hannover ist meine Weihnachtsstadt“
Menschen Mensch-Hannover Katja Riemann: „Hannover ist meine Weihnachtsstadt“
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10:14 17.04.2019
Katja Riemann. . Quelle: Tobias Bergunde
Hannover

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Frau Riemann, „Goliath96“ ist der erste Langfilm von Regisseur Marcus Richardt. Wie besonders war es, Teil seines Debüts zu sein?

Wirklich interessant, dass Sie danach fragen. Ich habe schon viele Debütspielfilme mit jungen Regisseuren gemacht. So startete meine Karriere und das ist bis heute so geblieben, das hat niemals aufgehört. Ich finde es mutig, wenn junge Menschen mir schreiben, ihr Drehbuch schicken und mich fragen, ob ich es mag. Es ist auch für uns wichtig, die schon lange im Geschäft sind. Ich empfinde es als Chance zu erfahren, was junge Leute bewegt. Darüber bin ich froh und dankbar.

Das heißt, Richardt hat Ihnen geschrieben?

Er hat mir einen Brief geschrieben und das Drehbuch in Papierform hinzugefügt. Am Schreibtisch habe ich kurz reingeguckt und es dann in einem Rutsch durchgelesen. Und dann fing der Wahnsinn an (lacht).

Das Thema ist ein schweres: Es erzählt von einem jungen Mann, Ihr Filmsohn David, der sich sozial isoliert, weil er mit dem gesellschaftlichen Druck nicht klarkommt. Er schließt sich deshalb seit zwei Jahren in seinem Zimmer ein. Wie aktuell ist diese Thematik?

Man muss sie in erster Linie ernst nehmen! Ich glaube schon, dass es ein Thema ist. Ich kenne viele junge Leute, die nicht unter Druck leiden. Und ich finde es auch richtig, dass junge Leute zunächst nicht zwingend etwas müssen. Man muss aber ernst nehmen, dass es junge Menschen gibt, die einfach stehen bleiben und sagen: Diesem Wettbewerb und diesem Erfolgszwang beuge ich mich nicht.

Ist die Gesellschaft heutzutage zu streng mit jungen Menschen?

Da müsste man zunächst erstmal erörtern, was Gesellschaft überhaupt ist. Politiker, die einem sagen, man soll zur Schule gehen anstatt zu demonstrieren? Eltern, die Kinder vernachlässigen? Schulsysteme, die sich nicht angepasst haben? Soziale Netzwerke? Ich glaube, dass wir am besten damit fahren, friedlich, sanft und zugewandt aufeinander zuzugehen. Und zwar ganz unabhängig davon, wer wir sind und was wir darstellen.

Für das bei uns unerforschte Phänomen, wenn junge Männer sich sozial isolieren, gibt es in Japan sogar einen eigenen Begriff – Hikikomori. Wissen Sie, wie die Menschen dort damit umgehen?

Nein, es soll aber bis zu einer Million Betroffene geben. Ich würde es schön finden, wenn wir uns länderübergreifend mit dem Thema beschäftigen. Vielleicht ergeben sich Gelegenheiten, deutsche und japanische Interessierte zusammenzubringen und den Film zu schauen.

Der Film besteht zu einigen Teilen aus nicht gesprochenen, sondern am Computer getippten Dialogen zwischen Mutter und Sohn, ein schönes Stilmittel. Passt aber auch in unsere Zeit – schreiben statt sprechen.

Das stimmt. Das Mittel, das gewählt wurde, konnte auch nur gewählt werden, weil die Menschen es so nutzen, ein Teil dieser Kommunikation sind. Der Regisseur hat diese Szenen übrigens schön geschnitten: Mal sieht man den gesamten Computerbildschirm, dann geht es ins Bild hinein, dann sieht man das Geschriebene im Bild – er hat es auf unterschiedliche Weise filmisch umgesetzt.

Ist es eigentlich schwieriger, so ein Drama in der Branche zu platzieren als zum Beispiel einen lustigen Unterhaltungsfilm?

Ich hätte schon gedacht, dass es für diesen Film mehr Förderungen gibt. Warum das nicht so ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nur vermuten, dass diejenigen, die in der Position der Geldgeber sind, das Drehbuch nicht richtig dechiffriert haben. Was ich wusste, war, dass wir es trotzdem hinbekommen!

Mit ihrer Freundin und Schauspielkollegin Jasmin Tabatabai haben Sie schon zusammen Theater gespielt, ist dieser Film der erste gemeinsame?

Na, Bandits vergessen (lacht)? Den haben wir 1997 zusammen gemacht! Ich war bei „Goliath96“ als Erste bei der Besetzung dabei, war dann auch bei den Castings eingebunden. Irgendwann habe ich Marcus vorgeschlagen: Was, wenn Jasmin meine Freundin in dem Film ist? Darüber waren wir alle wirklich sehr glücklich (Während des Interviews ruft Jasmin Tabatabai übrigens bei Katja Riemann an ...)

Was für Projekte liegen aktuell bei Ihnen so an?

Ich habe angefangen, einen Fernsehfilm vorzubereiten, einen Drehtag hatte ich auch schon. Es ist ein Dreiteiler für den WDR, basierend auf dem Buch „Unsere wunderbaren Jahre“. Er spielt in der Zeit zwischen 1948 und 1953 in einer kleinen Stadt im Südlichen.

In einer Stadt im Nördlichen haben Sie in den 80ern an der Hochschule für Musik, Theater und Medien studiert – in Hannover. In dieser Zeit bekamen Sie sogar Ihre erste Filmrolle.

Ja, genau, ich war im dritten Semester. Das war für „Sommer in Lesmona“. Ich hatte eine tolle Ausbildung in Hannover.

Und Ihre Schwester, Susanne Riemann, lebt in Hannover.

Richtig. Mit ihr verbringe ich jedes Jahr Weihnachten. Hannover ist meine Weihnachtsstadt!

Katja Riemann stellt Dienstagabend den Film „Goliath96“ im Kino am Raschplatz vor. Beginn ist 20.30 Uhr, (Tickets acht Euro). Im Anschluss gibt es die Möglichkeit, der Schauspielerin und dem Regisseur Marcus Richardt Fragen zu stellen.

Von Mirjana Cvjetkovic

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